Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

Seite: 41
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z u schaffen. Freilich ist dieses Studium, die-

Ueber ^en Bau und die Aus-
stattung katholischer Kirchen.

Von Professor L. Baur.

Da es unsere Aufgabe ist, unsere Leser
über die unsere katholische Kircheukunst
berührenden Vorkommnisse und Zeitsrageu
zu unterrichten und aus dem lausenden
zu erhalten, so dürfen wir an einem be-
deutsamen amtlicheli Erlasse nicht vorüber-
gehen, der vor kurzem im „Kirchlichen
Anzeiger für die Erzdiözese Köln" (Nr. 4
vont 15. Februar 1912) durch Seine
Eminenz, den Herrn Kardinal Fischer
von Kölll bekauntgegebeu wurde. Wir
entnehmen demselben nach dem Bericht
der „Kölnischen Volkszeitung" (Nr. 142
vovl 16. Februar) folgendes:

1. Neue Kirchen sind der Regel nach nur
in romanischem oder gotischem bzw. sogenanntem
Uebergangsstile zu bauen. Für unsere Gegenden
empfiehlt sich durchgängig am meisten der goti-
sche Stil. In letzterer Zeit geht das Be-
streben macher Baumeister dahin, spätere Stilar-
ten, selbst ganz moderne Bauarten zu wählen.
In Zukunft wird dazu — es müßten denn ganz
eigentümliche Verhältnisse obwalten — keine Ge-
nehmigung erteilt werden. Auch der soge-
nannte Basilikenstil, selbst wenn er — was
selten der Fall ist — rein ausgeführt
würde, paßt minder für unsere Verhältnisse.
Wir haben im Rheinland so viele edle Mu-
st e r g r o ß e r und k l e i n e r K i r ch e n, die,
sei es romanisch, sei es gotisch, aus ge-
führt sind, daß es anVorbildern nicht
ni a n g e l t. Anderseits haben wir auch
noch gar manche Künstler, die sich mit
Fleiß, Geschick und Ausdauer so in
d e u G e i st der a l t e n A r ch i t e k t u r h i n e in-
gelebt haben, daß sie i m st a n d e sind,
nicht g eistlos zu kopieren oder einzelne
Formen des einen oder a n d e r n S t i l e s
aneinander zu reihen, sondern selb-
ständig im Geiste der alten Meiste r

ses liebevolle Vertiefen m die kirchliche Stilart
auch nötig, da die sogenannte Vielseitigkeit, die
sich in allen Bauarten versuchen zu können glaubt,
im Kirchenbau nie etivas Gediegenes zu leisten,
vielmehr das Unfertige, Schablonenmäßige, Un-
organische diirch keinen äußeren Glanzesfekt zu
decken vermag. . . .

Der romanische bzw. gotische Stil ist aiich bei
kleineren Kapellen anzuwenden; dieselbeii können
ohne besondere Kosten eiiifach und doch reizvoll
hergestellt werden, wie verschiedene alte Kapellen
im Erzbistum zeigen. Auch die Sakristeien sol-
len sich in ihrer Bauart emsprechend au den
Stil der Kirche anschließen, zumal bei größeren
Bauten, während in der letzteren Zeit mehrfach
die Tendenz einzelner Baumeister dahin ging,
dieselben mehr in moderner Weise, im sogenann-
ten Jugendstile, auszuführen. Wir werden dazu
in Zukunft die Genehmigung verweigern

2. Es entspricht der kirchlichen Anschauung
und ist auch durch die Kongregation der Riten
mehrfach betont worden, daß auf dem Altäre
das Bild des sog. titrrIuris oder pu-
tronus des Altares sich befinde. Das
gilt zumal vom Hochaltar; derselbe sollte das Bild
des Kirchenpntrons aufweisen, da Kirche und Hoch-
altar denselben Patron bzw. titrrluris haben. Diese
Bestimmung ist leider in der Erzdiözese viel in
Vergessenheit geraten. Wir machen für Neuan-
schaffungen darauf aufmerksam und empfehlen
zu dem Ende besonders die Beschaffung von ge-
malten Bildern. Leider ist die Malerei — wir
meinen die Kunstmalerei, nicht die einfach
oder auch reicher gehaltene Dekoration der Wände
der Kirche durch einen mehr oder minder ge-
schickten sog. Dekorateur, die aber darum nicht
aus den Kirchen verbannt werden soll — leider,
sagen wir, ist die Malerei seit Jahren immer mehr
aus unfern Kirchen geschwunden. Das gilt von der
Wandmalerei, die allerdings bei unserem Klima
mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen hat; das
gilt aber besonders von der Tafelmalerei. Wäh-
rend früher in den Zeiten, wo auch bei uns die
Renaissance mit ihren Abarten bis in die zweite
Hälfte des 18. Jahrhunderts herrschte, fast jeder
Altar und namentlich der Hochaltar sein gemaltes
Bild hatte — was freilich begünstigt wurde durch
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