Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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hört. Man frage nach zu Justingen'), die
ich erst vergangen gegossen, wie dieselbige einen so
lieblichen Ton von sich gibt, und weiter, was
über die 2 Stuck gehört wird, gilt also vor einem
Ohrenbläser .kein rechtschaffener Mann mehr was.
Habe auch vernommen, daß der Herr (Dechant)
die Glocken auch die W äl scheu will gießen
lassen, nimmt mich auch sehr Wunder, ob etwa
die Meinung, daß sie wohlfeier zu kommen, oder
warum sie thun wollten. Man frage die in
Marchtal, ob sie nicht jeder Zentner über die
50 fl. zu stehen komme, ich aber habe ihn um
48 versprochen, und gibt man mir weder Essen
noch Trinken, noch andere Materialien dazu, sie
werden es iricht sagen, ivas es sie kosten wird,
wenn es dann nur gut werre. Ich wollte wün-
schen, daß eilte Glocke von 30 Ztr. bei beit
großen wäre. Ich wollte ihnen ihr großes Ge-
läut in Obermarchthal nicht beschimpfen, daß man
sehen sollt, daß ander Leut auch was können,
und thllt wahrlich der Herr Unrecht, wenn er sie
mir nicht zu gießen gibt, und wären sie (die
Nosier) nicht gekommen, wären sie schon gegossen.

Nun stehet es bei den Herrn, sie mögen
gießen lassen, wo sie wollen, ist mir schon recht,
habe nur derwegen schreiben ivollen, ob sie mir
es noch gegönnt hätten gießen zu lassen, damit
mein Name unter den Leuten bekannt z>i machen.

Hiemit sei der Herr sambt den andern Herrn
freundlich gegrüßt, und Gott befohlen, verbleibe
doch Ihr geneigt williger Diener

datum 15. Sept. 1688. Theodosius Ernst,
Stück- und Glockengießer zu Ulm."

In einem zweiten Schreiben vom
2 7. März 1 6 9 3 schreibt Theodosius
Ernst n. a.: Er habe sich bei seiner Heim-
reise voll Stall ff Egg, wo er zwei
Glockeil verdungen, am 20. März beim
Kollegiatstift angemeldet, habe dailn voul
Herrn Dechant vernommen, daß sie es
(die Glocken) lioch so geschwind nicht wollen
gießell lassen unb sofern sie es je wollen
gießeil lassen, so werde es den Lothringern
überlassen, weil sie allelithalben recom-
diert werden, deswegen ich solches (Schrei-
ben) an ein Hochlöbl. Stift gelangen lasse,
iil guter Hoffnung, mau werde einen an-
dern, der liicht so groß auf Recoiildation
Hill und lvieder spendieret, fouberu ehr-
liche und redliche Arbeit gemacht und ohne
Necoiildation ein gutes Lob tut Land hin
und her hat, liicht so schlechthin verwerfen
können, sintemalen ich so wohl versprochen,
eilt musikalisches Gelättt ans alle und jede
Noten oder Buchstaben zu gießen, wie sie
es verlangen, es möge dann eine ganze
Oktav oder Sccnnden, Terzie, Quartett,

') Nach Keppler S. 234 ist die dortige große
Glocke von Theodosius Ernst vom Jahr 1685,
wurde im Jahre 1884 umgegossen.

Quinten oder was sie verlangen ein Ge-
läut zu haben, zu gießen; um desto glaub-
würdiger erbiete ich Caulion zu ftellen
ohne einigen Entgelt Ihrer, und wann
mir noch nicht sollte geglaubt werden, so
probiere man mich mit zwei voll den
kleinsten Glocken, welche ich hier gießen
wollte, ultd wenn sie nicht auf die ver-
laitgtelt Buchstaben kommen sollten, so
sollen sie mein bleiben, ich mag sie (hin)
thun, wo ich will; ich versichere, daß mir
solches kein Gießer im Reich thun kann,
geschweige diese Landläuser; daß sie
aber lticht ein Geläut gießen, das sich
auch hören läßt, stehe ich nicht ab, da sie
etlicher Ortelt gegossen und vott einem
unb andern den Ton genonttnen, nach
dentselbigen können sie es wieder gießen,
haben aber keilt Fnndatltent oder Wissen-
schaft, einen anbereu unwissenden Buch-
st ab im Guß zu geben oder solcher Ge-
wicht davon zu sagen. Wollte aber wün-
schen, eilt Hochlöbl. Kollegiatstift wollten
mich barin probieret!, ich wollte es spezi-
sizierlich all Tag geben, daß man nicht
anders als fageu müßte, woher er die
gründliche Wahrheit, es wird es kein
Gießer wissen, als die Holländer, von
ivelcheit ich solches noch nicht tauge, jedoch
mit vielem Unrast erhallen habe. Ich
habe sonst in feinem Gebrauch mich zu rüh-
uten. Habe es jederzeit meiner Arbeit über-
lassen, aber wenn solche Lalldvagierer
einem das Brot vor beut Maul wegnehmen
wollen, so muß er Not halber, über Willen,
was er gelernt hat, an Tag geben. Ich
wünschte nicl;t mehr, als daß mir Glauben
zugestellt würde, ich wollte mit göttlicher
Hilf Ihnen eilt Geläut machen, daß es
denen Welschelt ihres weit übertreffelt sollt.

Und sollte es and; den Welschen ver-
sprochen sein worden wie mir, so haben
Sie ein gutes Mittel, daß Sie ein Kaiser-
liches Mandat lticht begehren zu unter-
drücken und einem ehrlichen, seßhaften
Bürger int Reich abzustehen. Dessent-
wegen ich auch eine Kopie meines kaiser-
lichen Patentes abschreiben lassen Jhnelt
solches übersenden wollen. Habe das gute
Vertrauen, ein Hochlöbl. Kollegiatstift werde
mir darin die Hand bieten und einem
seßhaften Bürger des Römischen Reiches
eher helfen zur Beförderung als znm Ab-
gang. Wollte auch, ob ich schon keinen
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