Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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Die Kanzeln Toskanas ans dem
\2. und \o. Jahrhundert.

Kunstgeschichtliche Studie von I. Beßler.

I.R omanischeKanzelnToskanas >).

In deul Werke „Italienische Forschungen
zur Kunstgeschichte" von A. Schmarsom,
im l. Band, der sich mit „S. Aiartino
v. Lucca" befaßt, erwähnt der Verfasser
eitle Kanzel in S. Gennaro unweit Lucca,
die ser selbst nicht gesehen hat, die aber
ncrtj seiner Auffassung als ein Werk der
Vorlällfer der Pisani anzusehen ist. Weil
diese Kanzel bzw. ihre Beschreibung in
keiner deutschen Kunstgeschichte zu finden
war ulid nicht einmal Vurkhardt in seinem
Cicerolle eine Notiz von ihr bringt, glaubte
ich diese Kanzel aufsuchen und beschreiben
zu sollen.

i) Literatur zur ganzen Studie:

1. Burkhardt, Cicerone It. Teil, 9. Auflage.
Leipzig 1904.

2. Kuhn, Allgemeine Kunstgeschichte, Plastik II,
Einsiedeln 1909.

3. Kraus, Geschichte der christlichen Kunst,
II. 2. Freiburg 1908.

4 Schmarsom, Italienische Forschungen zur
Kunstgeschichte. 1. Bd. St. Martin von Lucca,
Berlin 1890.

5. Lübke, Geschichte der Plastik, Leipzig 1863.
Hettner, Italienische Studien, Brarnrschmeig

7. Semper, Toskanische Studien.

8. Semper, Zeitschrift für bildende Kunst.
VI, p. 359.

9. Rohault de Fleury: La Messe III vol.
-Tctns 1883.

, fiO. o. Giglioli: 11 Pulpito Romanico
della Chiesa di San Leonardo in Arcetri
rresso Firenze.

TI1D‘ ^Springer, Handbuch der Kunstgeschichte
HI, 1. 5. A. Leipzig 1898.

1. Die Kanzel in S. Gennaro.

Fast auf dem höchsten Punkt des un-
ansehnlichen, aber malerisch gelegenenDorfes
S. Gennaro steht die alte Kirche, eine
dreischisfige romanische Basilika. Sowohl
im Aeußern als im Innern trägt die vom
italienischen Staat als Nationaleigentllin
erklärte Kirche einen ziemlich verwahrlosten
Charakter. Die Kanzel steht angelehnt an
die zweite Säule des Hauptschiffes, welche
dadurch den Mischcharakter eines breiten
Sänleupfeilers erhielt. Nach der westlichen
Seite wird die Kanzel von zivei einfachen,
aus schwarzem Stein bestehenden Säulen
getragen. Die Basen sind ganz einfach,
zwei Wülste mit einer Hohlkehle. Die
Kapitäle aus weißein Marmor erinnern
an die Kanzel von Groppoli, welche weiter
unten beschrieben wird; das vordere zeigt
unten das Akanthnsblattornament, aber
nicht hervoitretend, oben an den Ecken
hervortretend vier Löwenköpfe, in der Mitte
einen Menschenkopf. Das zweite Kapitäl
ist dem ersten ganz ähnlich, nur hat es
statt der Löwenköpfe Ochsenköpfe. Der
obere Teil der Kanzel hat die Gestalt
eines Oblongnms. Die vordere Schmalseite
ist nur noch zur Hälfte da, weil die Stiege
heranffnhrte, und ist gegen die Säule abge-
schrägt. Das ist jedenfalls erst später
so gemacht worden. Denn die Einfassung
des Feldes ist nicht ans schwarzem Marmor,
sondern nur imitiert. Die Platte selbst aber
i>t alt. Sie zeigt auf schwarzem Marmor
verschiedene mit weißem Marmor einge-
legte Verzierungen: größere Kreise und
innerhalb derselben Blumen. Auf dem
oberen Rand ist geschrieben;

Qui vos audit me audit.
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