Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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Nazarenern beeinflußten Flandrin wie die na-
turalistischen Delacroix und Delaroche in ihren
Kirchen malen und beiden Vertretern wurden
von kirchlicher Seite Denkmäler gesetzt. Auch der
Verehrer der Nazarener wünscht eine neue Blüte
kirchlicher Kunst auf Grund der modernen Er-
rungenschaften; aber daß dazu unbedingt die
Herabwürdigung vergangener Kunstrichtungen ge-
hört, will mir nicht einleuchten! Große Ge-
lehrte respektieren ihre Vorgänger, auch wenn sie
noch so vicl an ihnen auszusetzen haben, so
werden hosfenllrch auch die kommenden großen
Künstler anders über die Nazarener urteilen, als
manche moderne Kunstgelehrte1).“

Man kann Herrn Geheimrat Finke
nicht dankbar genug jeiu für dieses be-
sonnene Wort, und es märe nur zu wün-
schen, daß es überall gebührelide Beach-
tung fände. Es ist nur die andere Seile
derselben Erscheinung, wenn mir sagen:
Nicht weniger haltlos und innerlich un-
wahr, ilicht weniger alle grundsätzlichen
Gesichtspunkte aus den Augen lassend ist
die dalilit in der Regel verbundene Lob-
hudelei ans den religiösen Charakter
der Knust Gebhardts und Uhdes.

Ein für die kirchliche Kunst in Deutsch-
land erfreuliches Ereignis ist es, daß
durch die Gründung zweier neuer Pro-
fessuren für kirchliche Kunst ail der Kunst-
akademie zll Düsseldorf wieder an die
allen glorreicheti Traditionen Düssel-
dorfs angeknüpft werden soll, daß da-
lnit die Zahl der aus bem Geiste der
katholischen Kirche heraus schaffenden
Künstler verstärkt wird, daß München
ltitb Düsseldorf in einen gesunden und
der religiösen unb künstlerischen Qualität
ihrer Werke hoffentlich förderlicheti Wett-
bewerb eintreten können, und nicht zuletzt,
daß danüt bem katholischen Klerus eine
weitere Stelle fachmännischer und — was
nicht weniger siir ben Klerus wichtig ist —
zuverlässiger Beratung in den Angelegen-
heiten der kirchlichen Kunst eröffnet wird.

Die wiesensteiger Glocken.

Ein Beitrag zur vaterländischen
Glocken künd e.

Von Pfarrer Wunder, Mühlhausen.

(Schluß.)

Kaiserliches Patent vom 20. No-
v e ul b e r 1650.

„Wir Ferdinandt der Dritte rc. rc. ent-
bieten allen Chürfürsten, Fürsten rc. rc. Unter-

') „Köln. Volkszeitung" 1912 Nr. 252 vom
21. März (Feuilleton).

tauen unser gegenwärtiges Patent . . . und geben
euch hiemit gnädiglich zu vernemmen, daß uns
unser Stuckhgießer und des Reichs lieber ge-
treuer Leon hart Löw für sich und im Na-
men der im Hl. Römischen Reich seß- und wohn-
haften Stuky und Glockengießer allerunterthänigst
klagend zu erkennen gegeben, weichergestalten
von einer geraumen Zeit her etliche ausländische
Personen, welche sich für Glockengießer ausgeben,
und doch solche Kunst der Ordnung nach nie ge-
lernt hatten, sowohl im Hl. Römischen bleich, als
unserem Ervkönigreich, Fürstentum unb Landen,
von einein Ort zum andern v agieren und
durchlaufen, die bishero mit ihrer S t ü m p-
l erei viel ehrliche Leut hintergangen und über-
vortheilet, und daher Er Löw und andere im
Hl. Römischen Reiche wohnliche ehrliche Stukh-
und Glockengießer (als welche ihre Gesellen bis-
hero mit schweren Unkosten erhalten) sich nicht
unzeitig besorgen müssen, daß dafor diesem Un-
heil beizeiten möcht remediert werden, Ihnen
von dergleichen verloffenen Gesellen noch
immerfort größerer Eintrag und Schaden ge-
scheheir und also dadurch ihre Nahrung eittzogen
werden möchten, mit unterthänigster Bitte. Wir
geruheten ihnen wider dergleichen unförmliches
Beginnen, nicht allein Unsere hilfliche Hand zu
bieten, sondern auch Unser Kaiserliches Patent
an Euch rc. rc. zu dem End zu erteilen, damit
dergleichen Störer weder auf Unserer noch
Eurer Jurisdiktion und Botmäßigkeit gelitten
noch geduldet werden. Wenn wir dann dies
Begehren der Billigkeit gemäß zu sein besinden,
insonderheit betrachtet, Sein Leon hart Lö-
we ns Uns und Unserem Hochlöbl. Haus Oest-
reich in die vierzehn Jahr lang mit Gießung der
Stükh und anderer Beischaffung hiezu gehöriger
Notwendigkeiten erwiesene treugehorsamste Dienste,
anch die für ihn eingewandte gnädigste Jnter-
cession. So haben wir in dies Begehren gnä-
digst verwilliget. Hierumb so gesinnen und be-
gehren wir an Euch . . . ernstlich befehlend: Sie
wollen auf Fürweisung dieses Unseres Kayserl.
Patents ooer glaubwürdige Abschrift davon, und
auf Sein Leonhart Löwens and anderer im
Hl. Römischen Reich wohnhaflen, ehrlichen Stukh-
und Glockengießer gebührendes Anrufen, wider
mehr gedachte hin und wieder vagierende
Personen und Störer, da dieselben sowohl
im Hl. Römischen Reich, als Uns. Erbkönigreich,
Fürstentum und Landen angetroffen und betreten
würden. Ihnen ihre hilfliche Hand bieten, solche
Personen abschaffen, und deren Uirterschleis nicht
gestatten, sondern wider Sie ein gebührendes
Einsehen haben und mit ernsthafter Straf ver-
fahren und procedieren. . . .

Gegeben in Unserer Stadt Wien,den zivanzigsten
Novembris Sechzehnhundertundfünfzig.

Ferdinand t."

Daß alle Bemühungen Ernst's nutzlos
waren, zeigt der Erfolg: die Arbeit
wurde trotzdem im Jahre 1694
den Rosier übertrageli. Ausschlag-
gebend für die Stiflsherren mögen wohl
die gulen Zeugnisse gewesen sei», welche
die Rosier vorweisen konnten, hatten sie
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