Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

Seite: 72
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Fangeisen ans einer Wolfsfalle §u beuten1).
Das Wappen der Herren von Ehestetten,
deren Erbe die Speth antraten, war erst
eine, dann zwei, dann seit dem 15. Jahr-
hundert drei Lilien, und teilweise, wie
einmal ans einem unserer Grabdenkmäler,
mit dazwischenliegendem Balken. Der
Letzte seines Geschlechts, Ludwig von
Ehestetten, liegt mit Waffen im Kloster
Blanbenren begraben^.

Die Grabdenkmäler sind ans Choc
und Schiff verteilt. Im ganzen sind
es 16 Epitaphien ans dem 15., 16., 17.
und 19. Jahrhundert, sämtliche in Stein
gehauen, meist roter Sandstein, leider
offenbar später, vor nicht allzu langer
Zeit, mit Steinfarbe überftrichen, einige
zeigen Spuren von Vergoldung. Der
Chor an der Ostseite der Kirche ist mit
Grabdenkmälern ganz besetzt, 10 Epita-
phien stillen, unmittelbar aneinnndergereiht,
die Oftwand bis zur Höhe der mit go-
tischem Maßwerk geschmückten fünf Kir-
chenfenster. Auch d.e nicht unsere spezielle
ikonographische und knnslhistorische Frage
berührenden Denkmäler verdienen eine
kurze Beschreibung, ehe die Unbilden der
Witterung und der Menschenhände das
Werk der Zerstörung noch weiter be-
fördern und die zum Teil jetzt schon gar
nicht oder nur schwer lesbaren Züge ari
Bild und Wort rwch mehr verwischen,
llnsere Wanderung durch die 16 Grab-
denkmäler sei von chronologischem Gesiehts-
pnrikt geleitet.

1.

Das wohl allerälleste Monnment steht
an der Ostwand der Kirche in Zwiefalten-
dorf hinter dem Hochaltar, ist jedoch bis
zur Unkenntlichkeit zerstört. Die Ober-
fläche der Relieftafel ist fast glatt ab-
gerieben, keine Spur von Inschrift oder
Bildwerk ist mehr zu sehen, nur ziemlich
rohe Umrisse, vermutlich einem Wappen,
lind mehr mit der Hand zu fühlen als
mit dem Auge zu erkennen. Das Denk-
mal dürste von primitiver Arbeit ge-
wesen sein. Nach handschriftlichen No-
tizen Gabelkovers (y 1616) war schon zu
seiner Zeit im Chor ein zertretenes Grab-

0 Mehriiw, Geschichtliche Lieder und Sprüche
Württembergs, Nr. 64, S. 291.

0 Alberti, Wappenbuch S. 1ö2 f.

mal mit nicht mehr lesbarer Inschrift;
nur das Wappen der von Speth und
von Sachsenheim sei noch zu erkennen
gewesen. (Fortsetzung folgt.)

Die Kanzeln Toskanas ans dem
12. und (5. Jahrhundert.

Kunstgeschichtliche Studie von I. Beßler.

(Fortsetzung.)

5. Die Kanzel in Barga.

Barga ist ein kleines Bergstädtchen in der
Nähe der Bagni di Lncca. Die nachstehende
Beschreibung derKanzel stützt sich anfRohanlt
de Flenrp und besonders auf Schmarsow
(1. c. p. 86/87). (Abbildung bei Rohanlt
Band III, Jll. 210.) Die Kanzel ruht
ans vier Säulen, von denen aber nach
Schmarsow nur drei derKanzel angehören,
nämlich die beiden ans Löwen stehenden
und die dritte, welche auf einem sitzenden
Mann steht. Die vierte Säule rührt
wohl vom Treppenaufgang her. Eines
der Kapitäle ist gebildet von vier Tauben
mit ausgespannten Flügel». Ob diese die
christlichen Seelen bedeuten sollen, welche
sich vom Evangelium nähren und unter
seinen heilsamen Einfluß sich flüchten,
scheint mir fraglich. Vielleicht ist es nur
ornamentaler Schmuck, wie die Tierköpse
an den Kapitälen der Säulen anderer
Kanzeln. Das Kapitäl der zweiten Säule
zeigt reiches Akanthusornament. Daß
die Kanzel nicht ihre ursprüngliche Auf-
stellung hat, ergibt sich nach Schmarsow
daraus, daß das Lesepult mit dem
Evangelistenzeichen an der Langseite eine
der Figmen des Reliefs verdeckt. Neben
diesem Haupllesepult finden sich noch zwei
andere; das eine mit der Apostelfigur
diente zur Vorlesung der Epistel.

Reliefs befinden sich an der vorderen
Schmalseite und an der Langseile (gegen
das Mittelschiff zu). Die Reliefs an der
Schmalseite stellen die Verkündigung
und Geburt dar, unter fpitzbogigen
Arkaden, deren Bogen üppig mit Blatt-
werk sknlptiert sind. Bei der Verkündigung
kommt der Erzengel Gabriel mit langem
Zepter von rechts und streckt die Hand
gegen Maiia ams, die unter dem Bogen
links sich eben von dem Sitz erhebt, mit
der linken Hand ihren Schleier zusammen-
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