Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

Seite: 76
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3. Anbetung der Könige. Maria
tragt wieder die Mantelhanbe. Das
Jesuskind ans ihrem Schoß hat krauses
Haar, auffallend große Ohren und trägt, in
antike Tracht gekleidet, die Schriftrolle in
der Hand. Es nahen sich die drei
Könige; vorangeht der älteste mit einem
nach Schmarsom ganz germanischen Kopf,
vorn zugespitztem Bart und eigenartiger
Krone. Der zweite mit kurzem Vollbart
ist ein Mann in kräftigstem Vollalter,
während der dritte bartlos als jugendlicher
Fiirst dargestellt ist. Diese beiden tragen
Kronen verschieden von der des ersten
Königs; sie ähneln, wie Schmarsom meint,
dem Knriürstenhnt mit pelzverbrämtem
Aufschlag. Sehr schon sind die kleinen
Pferdchen, kindlich, aber sorgfältig anf-
gezäumt, so genau gezeichnet, daß man
sogar die Hufnägel sehen kannH.

4. Darstellung im Tempel. Der
Teinpel ist angedeutet durch drei Arkaden
wie rn Leonardo in Arcetri. Der Relief-
grnnd, welcher das Tempelinnere dar-
stellen soll, ist tiefer ausgehöhlt, weshalb
die allerdings etwas klein geratenen Figuren
sich freier abheben. St. Joseph ohne
Heiligenschein hält die zwei Tauben un-
verhüllt in einem Tuch. Simeon empfängt
das Kind ans den Armen Marias, welche,
vor einem Tisch mit einem Kelche stehend,
es dein Greise hinüberreicht. Simeon
trägt ein langes Priestergewand mit auf-
fallend weilen Aermeln. Hinter ihm die
Prophetin wie eine Nonne gekleidet, mit
einer Schristrolle in der Hand und er-
hobener rechter Hand. Sw zeigt wohl
die Gesten der Prophetin.

Die ganze Szene leidet unter der
Niedrigkeit der Architektur.

Gehen wir nun über zur Betrachtung
der nunmehr ans der Vorderseite sich
befindlichen Reliefs.

5. Christus in der Unterwelt.
Diese Darstellung wie auch die untere:
Christus uni) die Emmausjünger, ist aus-
gezeichnet durch geschickte Verwertung der
Profilstellnng und seitlich gerichteter
Bewegungen. So ist besonders die Figur
Christi, der, einen Stab in der Hand

*) Vergl. darüber jetzt Hugo Kehrer, Die
hl. drei Könige in Literatur und Kunst. Leipzig
1909.

haltend, weit ansschreitet wie der mächtige
Sieger über Tod und Holle, von der
gewaltsamen Stellung der Füße abgesehen,
gut gelungen. Er streckt die Hand dem
vor ihm knieenden Adam hin, während
Eva und Abel zuschanen. Hinter Christus
sehen wir drei männliche Gestalten, deren
erste wohl Johannes der Täufer ist, die
zwei anderen, jüngeren, vornehm ge-
kleidet, sind vielleicht Könige (?).

6. Christus und die E m a u s -
jünger. Diese Darstellung zerfällt in
zwei Teile: links Begegnung Jesu mit
den Jüngern, rechts Nötigung der Jünger,
daß Jesus bei ihnen bleibe. Christus ist
eigenartig gekleidet im Gegensatz zu den
Jüngern. Er trägt ein kurzes hemd-
artiges Gewand und darüber einen Mantel.
Soll etwa durch diesen Gegensatz ange-
deutet werden, daß Christus nach seiner
Auferstehung einen verklärten Leib besitze?
lieber der Schulter trägt Jesus eine Art
Bündel oder Rucksack, was ihm den
Charakter eines Festpilgers geben soll.
Die zweite Gruppe ist recht schon gelungen.
Der eine, weit ausschreitende Jünger mit
schönem Faltenwurf am Gewände geht
voraus und ladet den Herrn zur Einlehr
ein, während der zweite den Heiland in
das Haus hineinschiebt. Mit 'Recht sagt
Schmarsom (p. 63), daß diese Gruppe,
abgesehen von dem Parallelismus der
Armbeweguug, zu deu bestgelungeneu
gehöre. Wir erwarten allerdings noch
die Hauptdarstellnng, nämlich wie Jesus
das Brot vor den Angen der Jünger
bricht. Dies ist ja der Hanptmoment der
ganzen Erzählung. Jedenfalls ist diese
Darstellung nur aus Rücksicht aus die
Raumeiuheit und das Gleichgewicht der
Massen weggelassen worden.

(Fortsetzung folgt.)

Der Dom zu Leon in Spanien.

Von Fritz Mielert, Sproltan.

Einer der am wenigsten bekannten spa-
nischen Dome ist jener zu Leon, obgleich
er mit den bedeutendsten Domen Spa-
niens an Schönheit rivalisieren kann. Der
Grund zu seiner Unbekanntheit ist wohl
die Abgelegenheit Leons von den großen
Heerstraßen. Es sei mir darum gestattet,
die Eigenart dieses selten ausgesuchten
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