Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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figur sorgfältig und kräftig abgebildet,
die große Wappeutasel umgeben zierliche
Ornamente. In der Mitte darunter ist
ein kleineres Wappen angebracht, ein
Schild mit drei Lilien, zwei in der
obereil, eine in der unteren Hälfte des
Feldes. Auf vier Seitell am Rande, all
der oberen Schmalseite beginnend, um-
schließt das Ganze eine Umschrift in go-
tischen Miullskelli:

„anno (clomini) MCCCCLX111I
(— 1464) starb clara spatin geborn von
estetten (= Ehestetten) an dem vffartag
(Allsfabrts- — Christi Himmelfahrtstag),
anno domini 1465 starb albrecht spat
von estetten au fallt gerdrvtten avbett."

Der Uffahrttag, das Fest Christi Him-
nlelfahrt, als Todestag der Klara von
Speth, fiel im Jahre 1464 auf ben
10. Mai; der St. Gertrudeutag 1465 ist
der 17. März, all denl der Gatte feinem
„lieben Gemahel" im Tod gefolgt istch".

Ein Rätsel bildet noch das Schlußwoit
ain oberen liliken Ende des Jnschriftrechtecks:
avbett, jedenfalls statt nvbent — Abend,
welche Zeit aus einem etwas jüngeren
Epitaph ebelisalls in lnerkwürdiger Schrift
allgegeben ist.

4.

Räinillich und zeitlich schließt sich ge-
rade der Epistelseite des Hochaltars gegen*
über ein Monument aus bem nächsteu
Jahrzehnt des 15. Jahrhunderts inl
Felistereck au, zur Linken des herrlichen
Hochreliefs steht eine der rechts davon
befindlichen ähnlichen Wappeiltafel mit
gleichem Arrangement von Relief und
Umschrift; die obere Kurz- llnd rechte
Laugseite gehört der Gemahlin, die un-
tere Schmal- und linke Sangfeite ist dem
Gatten geividmet, ebenfalls in gotischen
Minuskeln: „anno dni (— Domini)
MCCCCLXXI1 (= 1472) starb frav
veronica von bubenhofen all Dinstag vor
sebasti. . . ." Die untere Liliie direkt anl
Boden ist kaum liiehr zu entziffern^);

0 Die unterste Seite der Umschrift ist direkt
am Boden befindlich, stark beschävigt; beginnt mit
Todesjahr Albrechts; Buchstaben nach außen
aufrechtgestellt.

2) In den „Collecta zur Kirchenbeschreibung"
ist wie öfters willkürlich ergänzt: „fromm vor
der Nacht, Gattin des Ludwig Spat im jar."
Höhe 2,05 in, Breite 1,05 in.

die vierte Reihe ist zur Hälfte unbe-
schriebeu; offenbar ist wie all niallchen
mittelalterlichen und späterell Denkmälern,
die für ein Doppelgrab beftimmt waten,
neben dem im voraus eingegrabeneu
Namen das Todesdatum des später Ver-
storbeneu nachzutragen vergessen worden ft.
Daß wir richtig ergänzt haben, zeigt eine
Notiz Gabelkovers, der „hiuder bem Altar
zilr rechten Seiten alß man hineingehet"
oas Epitaph des Ludwig Speth (f 4. No-
vember 1507) und darunter cm der Wand
ben Grabstein Ludwigs und seiner Gattin
Veronika von Bubenhofen (ff 14. Jannar
1472) sah.

Auf der linken Laugseite steht: fLndj-
wig spat im . . . . iar ir eelich husi-

util * 2 3J.

Die Mitte des Epitaphs nimmt eine
ansehnliche Wappeutasel, ganz nach Art
der für Klara und Albrecht von Speth von
1464 und 1465, ein: zu unterst ein Schild
mit dem Bubenhofer Wappen (zwei drei-
zackige Querleisten), darüber im Hauptfeld
der große Schild mit den drei Spethscheu
Schlüsseln oder Fangeisen, Helmzier mit
langem Kopf, der aber hier nach links
gerichtet ist. Der hoch am Rand um-
gebogene Hut trägt auf der Vorderseite
ebenfalls das Spethsche Wappen en

mimalore.

5.

Das äußerste Denkmal ans der Epistel-
seite des Chors zur Rechten der Hoch-
reliefgruppe ist eine ziemlich flach gear-
beitete Wappeutasel für Hans Speth:
Anno domini MCCCCCVI1II (1509)
am sant Margreten tag starb der edel
vud streng her Hans Spet vo(n) eftett
(— Ehestetteu) riter laudhofmaist(er)
dem got g(uad)b). Die einzelnen Worte

' So in Stöckenburg, OA. Hall, ein Grabmal
(Nr. 31) mit den: Zeichen des Sem Schlör, Raum
für Name und Todestag nicht ausgefüllt; ähn-
lich auf einem kleinen Epitaph in der Kirche zu
Neuburg, OA. Ehingen. Vgl. über Stöckenburg
Inventar Jagstkreis, S. 689.

2) Lndwig Speth zu Hochnegg mit Bruder
Kaspar, 1495 genannt, s. Freib. D.-A. 26, 172.
lieber Albrecht Speth v. Ehestetten, 1429 ge-
nannt, s. Freib. D.-A. 26, 147, ein Albert
a. 1438, a. a. O. 19, 234.

3) „Dem got gnad", „dem got gnedig sey",
findet sich oft als Schlußpassns auf Epitaphien
des 15., 16., 17. Jahrhunderts.
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