Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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teilweise zerstört oder durch Bänke ver-
deckt, zuul Teil in den Collecta über-
liefert : Anno Domini 1586 uff Doners-
tag den 8. May zwtsche(n) 3 und 4 Nhru
gegen tag verschied in Gott seliglichch die
Edel ueud Ehreureich fraw Nenckardi
Spetin, geborene von Otenhaim zum
fRamen)stein.

Es ist die hier verewigte Frauengestalt
die Gemahlin des Hans Sittel Speth von
und §u Sülzbnrg, dessen Grabmal nicht
weit davon ent-
fernt, auf der-
selben Seite des
Schiffs steht.

Welches neneRät-
sel dann dieses
größere Doppel-
monnment anf-
gibt, trotz der
teilweisen Auf-
hellung durch ein
Originaldokn^
ment, soll bei
Besprechung des
Auferstehungs-
epitaphs darge-
legt werden, l «i-
Von dem wei-
teren, teils zer-
störten, teils durch
Bänke verdeckten
Teil der Umschrift
ist einiges, frei-
lich fragwürdiges
Lesegnt in den
„Collecta" der
Pfarrregistratnr
überliefert:

„Den 24. De-
zember 1520 ober
eher 1590. zum
Katzberg (? für
Entzberg?) Der Gott gnädig und barm-
hertzig sein und ihr einst hie ein gnaden-
reiche Auferstehung verleihen wölle. Amen."
Unten rechts trägt ein Schriftband den
Namen Ottenhaim, links Speth. Es ist
Reichardis von Uttenheim zu Rainstein
gemeint.

Im hintersten Teil des Schiffs be-

1) Haible las u. am verschied „beharrlich"
und Henriette, zum Katzberg.

gegnen wir den drei an Umfang alle an-
dern übertreffenden Spethschen Grabdenk-
mälern, die alle einer sicheren Datierung
entbehren, ikonographisch sehr interessant
sind uitb hohe künstlerische Bedeutung durch
Aufbau und Ausführung, vor allem aber
durch den sicheren erstmaligen Nachweis
des Ursprungs zweier hervorragendster
Werke beanspruchen.

11.

Beginnen wir mit bem gänzlich nn-
datierbaren Mo-
nument auf der
Evangelienseite
unter der Orgel-
enlpore, so fällt
dies durch seine
Materialechtheit
ans; es ist allein
außer der jüngsten
kleinsten Toten-
tasel des 19.

Jahrhunderts
nicht mit der grün-
grauen Stein-
farbe übertüncht.
Gallz ailsschwarz-
weiß geflecktem
granitartigem
Marnror gear-
beitet, konlmt es
nach seinem Auf-
bau denl spätesten
datierten Nenais-
sancegrabmal von
Wilhelm Dietrich
Speth am näch-
sten. Die vier-
eckige tiefe Nische,
1,75 m hoch,
1,25 m breit, steht
auf einfachem
Sockel, dessen Pi-
laster keilt Wappen schmückt. Die üblichen
Verzierungen werden wohl abgeschlagen
wordell sein. Zn beiden Seiten ist die
Nische von glatten Pilastern flankiert,
deren Ornamente weggefallen oder weg-
genomnlen sind; lnehrere gleich weit ent-
fernte Löcher beweisen es. Koryatiden,
Telamone oder Voluten ähnlich wie auf
dem Hornsteinkenotaph in Grüningen
müssen die glatte Fläche geschmückt
! haben. Das Jnliere füllt eine an-

i

Grabmal des Wilhelm Dietrich vou Speth (ch 1615)
in der Pfarrkirche zu Zwiefaltendorf.
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