Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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Or. i2.

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Neuere Entdeckungen auf dem Ge-
biete der syrischen Kirchenarchitektur.

(Schluß.)

1. Khirbit Hasan eibant im Jahre
507. Es ist ein sehr einfacher basilikaler
Ban, der zur Sarazenenzeit Veränderungen
erfahren hatte, aber leicht rekonstruiert
werden konnte. Die Größenverhältnisse
sind hier auf den Modulus 3 :2 gestinunt.
Der Grundriß ist ein einfaches Oblongum,
in welches mit geradlinigem Chorabschluß
(die Chorwand mit zwei Fenstern ver-
sehen) die beiden Nebenräume (Prothesis
und Diakonikum) eingebaut sind, und zwar
so, daß sie ihre Eingangstüren nicht
direkt in den Chor haben, sondern den
Seitenschiffen zu. Entsprechend diesen
ganz einfachen Banformen sind auch die
Dekorationen außerordentlich einfach ge-
halten. Doch weist die letztere eine singuläre
Fori», ein gezacktes Nahwprofil auf, das
eine Art Palmzweig darstellt und wohl
im Zusammenhang mit einer Ornamen-
tation in Banaksür stehen dürfte.

2. Dur Kita, Kirche des hl. Sergius,
erbaut im Jahre 537. Unverkennbar
haben wir es hier mit demselben Grnnd-
riß zu tun. Nur ist hier dem Langhaus
eine Vorhalle (Narthex) vorgelagert. Die
eigentümliche Gestaltung des Westportals
erinnert an die Kirche des Paulus und
Moses iil Dur Kita, wenigstens lassen
sich die Einzelheiten der Ornamentik an
diesem Portal ohne weiteres als eine
direkte Kopie von dort fassen.

3. In die gleiche Kategorie können dem
Bauplan nach die zwei Kirchen von
Dehes gerechnet werden, ja auch die

große und schöne Basilika von Vehpo
nur mit bem Unterschied, daß sie bedeu-
tend größer ist und als Eigentümlichkeit
an der Südwand eine Säulenhalle auf-
weist, die sich der ganzen Kirche entlang
zieht.

4. B a k i r h a, östliche Kirche, erbaut im
Jahre 540, stellt den entwickelten Stil
der syrischen Architektur des 6. Jahr-
hunderts dar, insbesondere ist sie lehrreich
für die syrische Fassadenbildnng. Der
Chorabschluß ist auch hier geradlinig und
hat in der Chorwand zwei Fenster. Die
Proportionenverhältnisse sind 4 : 3. Fünf
Sänlenpaare bilden im Langschiff eine
Flucht von sechs Jnterkolnmnien. Auch
sonst schließt sich dieser Bau an die
Art des früheren 5. Jahrhunderts an.
Das westliche Portal, welches auch die
Jahreszahl 540 trägt, scheint fast ein
Duplikat des Portals von Dur Kita und
Ksedjbeh. Die Fassade ist ausgezeichnet
durchgebildet und läßt herrliche Propor-
tionen erkennen. Eine Art Portikus mit
mächligenr Portal und prächtigen Um-
rahmungen ist ihr vorgelagert. Das
Portal selbst wird gebildet durch vier
monolithe Pfeiler von drei Meter Höhe.
Nicht weniger reich ist die Fensteranlage
dnrchgeführt, bei welcher ein reich ge-
gliederter Fries die Fenster miteinander
verbindet, sich in der Fensterumrahmung
fortsetzt und in einer Spirale oder Schnecke
endigt.

5. Babiska mit der Kirche des hl.
Sergius erbaut in den Jahren 609—010.
Diese Kirche ist die späteste datierte Kirche
Nordsyriens. Verhältnis 3:2. Die

■ Größenverhältnisse sind sehr bescheiden.
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