Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 30.1912

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nennen wollen: Bettir, Djnwaniyeh und
Bashmishli.

Fassen wir das in diesem kurzen Re-
ferat der Butlerschen Forschnngsresultate
Gesagte zusammen, so ergibt sich, daß
wir in Syrien von den ältesten Zeiten
der christlichen Aera an eine große An-
zahl altchristlicher Kirchen haben, die eine
eigenartige Stellung in der Geschichte der
kirchlichen Baukunst eiunehmen. In der
Grundrißbildnng, im Aufriß, in den Prin-
zipien der Steinkonstruktion, in der Bil-
dung der Fassaden, Portale mib Fenster,
und nicht zuletzt in den dekorativen For-
men der Säulen, Kapitäle und Basen
weisen sie ein eigenes Gepräge auf und
bieten nicht feiten Lösungen, die wir sonst
erst in einer sehr viel späteren Zeit zu
finben gewohnt sind. Damit ist unserer
Kenntnis des altchristlichen Bauwesens ein
weiteres fruchtbares Feld eröffnet imb das
alte Problem der Entstehung der altchrist-
lichen Basilika unter ganz neue Gesichts-
punkte geruckt.

Die Grabdenkmäler der Herren
von Spetl] ans drei Jahrhunderten
in der Pfarrkirche zuIwiefaltendorf.

Von N. R. A.

(Fortsetzung.)

Einen der herrlichsten Altäre Deutsch-
lands, den Blaubeurer Wandelaltar,
krönt als Abschluß in beut wundervollen
Baldachin ein Erbärmdebild mit zwei
Engeln, Maria und Johannes ch; des-
gleichen über dein Schrein des Altars in
Lautern, OA. Blaubeureu^), Win-
nend en, OA. Waiblingen. Das Stützen
der Arnie durch Maria nnb Johannes wie
auf den Erbärmdebildern des gewöhnlichen
Typus und andererseits Gott Bater mit
dem Gekreuzigten wie auf den Gnaden-
stuhlbildern vereinigt ein altdeutsches
Tafelgemälde in Ennabeuren, OA.
Münsingen.

Als Relief kommt das Erbärmdebild
über Wandtabernakeln da und dort
vor, z. B. in Heiligkreuztal, OA. Ried-
lingen. Eine weitere seltenere Verwen-

1) Abbildung Atlas, Kunst- u. Attertumsdenk-
male in Württemberg, Nr. 27.

2) Abbildung. Kunst- und Altertumsdepkmale,
NA, Plaubeuren, ^afel 11.

dnng zeigt die Glocke der Frauenkirche
in Mengen ans dem Jahre 1432:
Reliefs mit Miserikordienbildchen unter
Baldachinen.

Endlich hat der größere Ulmer Meister,
aus dessen Schule vielleicht unser Hans
Schaller hervorgegangen, Jörg Syrlin,
an seinem Levitendreisitz den Baldachin
des Doisals mit einem Erbärmdebild ge-
schmückt.

Nach dieser Umschau kehren mir zu
unserem Zwiefaltendorfer Epitaph zurück.
Zwei der Inschriften an dem dop-

pelten, Giebelanfsatz sind schon oben mit-
geteilt. Eine dritte umrahmt das ganze
Relief als Umschrift, ebenfalls in deut-
schen Lettern und deutscher Sprache;

unterhalb eines Eierstabs zieht sie sich
von links unten nach dem rechten unteren
Ende als Bogenfries, nur in der Mitte
des Bogens durch die Gestalt des Gott-
Vaters unterbrochen:

„Ob wir gleich hie seind gestorben ab
Bund gelegt worden iun diß grab
Die Aschen in den Wind verstret
Doch solche Hoffnung vns erfrewt
Das wir mit Göltes Engelein

Sond stets in großen fremden sein

Inn der Ewigen seeligkait
Die vns Christus hat zuberait
O Du drey hailige Gotthait
Bist vns gnedig in Ewigkait."

Unmittelbar daran schließen sich am
Bogenende und Bersabschlnß drei Zeichen,
ebenso klein wie die Buchstaben des
schmalen Rnndstabs gehalten; auffallend
für den Schriftkundigen ist der Wechsel
von der gotischen Minuskel zllr römischen
Kapitale; ein großes H, S und
scheinen die geheimnisvollen
Lettern im untersten Winkel,
am Saum des Gewandes der
Ritterfrau anstoßend, zu bedeuten; kein
Wunder, wenn der einzige, der die
Inschriften beachtet und mit lobens-
werter, öfters vergeblicher Mühe aufzu-
zeichnen versucht hat, weiland Schullehrer
Haible, getrost das Monogramm Christi
J. H. S. fand und niederschrieb — trotz
der Stellung des angeblicheuJot.
Paläographisch genau wieder-
gegebe», ist das nichts anderes,
als eine so häufig in Verbin-
dung von Rainen und Zeichen vorkommende
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