Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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kwrausqegebeii und redigiert von Universitäts-Professor Or. L. Baur in Tübingen.
Ligeiituin des Rottenburger Diözefan-Kiiiiftvereins;

Kommissions-Verlag und Druck der Aktien-Gesellschaft „Deutsches Volksblatt" in Stuttgart.

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* * * Akt.-Ges. „Deutsches Volks blatt" in Stuttgart pro Jahr M. 4.50. '

Die frühromanische -holzdecke von
Balingen.

Von Pfarrer Pfeffer, Lautlingen.

Als vor zwanzig Jahren in Burgfelden
auf der Zollernalb die ältesten Wand-
malereien Württembergs entdeckt wurden,
fand man die kunstgefchichtliche Stellung
derselben so isoliert, daß Paul Weber in
seiner Monographie über die Burgselder
Gemälde den Wunsch aussprach, es möchte
ein freundliches Geschick uns im Laufe
der Jahre noch weitere Zeugen jener hoff-
nungsfreudigen Kunst der Frühzeit schen-
ken. Ein weiterer Fund wäre für die
Kunstforschung ein großes Glück; denn
die grundlegende Bedeutung, die dem ein-
zigartigen Funde in Burgfelden zukomme,
nämlich von der Kunst der altchristlich-
römijchen Welt eine Brücke zu bilden zur
mittelalterlich-uordischeu, sei für seine
schwachen Schultern fast zu schwer ff.

Dieser Wunsch Paul Webers sollte sich
bis zu einem gewissen Grade erfüllen. In
Balingen, dem Hauptorte der ehemaligen
zollerischeu Schalksburgherrschaft, wozu
auch Burgfelden gehörte, in der altehr-
würdigen Sebastia nskir che, der ehe-
maligen vor der Stadt draußen gelegenen
Pfarrkirche, fand man anläßlich der Er-
neuerung der Kirche Neste der ur-
sprünglichen Holzdecke. Ihre Be-
malung zeigt eine auffallende Verwandt-
schaft mit dem Burgselder Zyklus, steht
auf den Schultern der Burgselder Ma-
lereien und gehört der uächstjüngereu

*) Weber, Paul, Die Wandgemälde zu Burg-
felden. Darmstadt (1896), 61.

Entwicklungsreihe im Werden der mittel-
alterlich-nordischen Kunst an.

In ihrem jetzigen Banbestand gehört
die alte Pfarrkirche zum Teil der frühesten
Gotik (Chor), zum Teil der reifen Gotik
um 1400 (Schiff und Chorfenster) an.
Von einein früheren Bau sind vereinzelte
Bausteine und ein ganzes Fenster in den
jetzigen Bau herübergenommeu; erhalten
ist insbesondere der frühromanische Turnr
mit seinen priiuitiven gekoppelten Rund-
fenstern mit einer primitiven Rundsäule
in der Mitte. In die oberen Stockwerke
des Turines eingebaut fand inan im Juni
1912 zwei je 10 cm starke weißtannene
Dielen, die je auf einer Seite mit Ma-
lereien geschmückt sind. Sie entstammen
dieser älteren Kirche und fanden bei deren
Abbruch Verwendung zum Turmeinbau.
Glücklicherweise wurden sie mit der Bild-
fläche nach unten gelegt; dem ist es zu
verdanken, daß sie sich bis zum heutigen
Tag relativ gut erhalten haben. Bei
Einbau in den Turm sind sie je auf einer
Seite beträchtlich gekürzt worden. Das
eine Stück mißt heute noch in der Länge
3,64 m bei einer Breite von 47 cm,
mährend das andere 3,81 m mißt, bei
einer Breite von 55 cm. Weitere zu-
gehörige Teile haben sich trotz sorgfältigen
Rachsuchens nicht gefunden. In diesen
beiden Dielen haben wir die Reste der
ältesten frühromanischen bemalten Holz-
decke der allen Balinger Pfarrkirche zu
sehen.

1. Beschreibung.

Aus dem größeren Fragment ist die
obere Hälfte eines Engels dargestellt in
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