Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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gewissen Festigkeit und Geschlossenheit,
ruft die Idee des in sich ruhenden Seins
hervor, fördert die möglichst strenge Kon-
zentration ans einen Gedanken. Der Ge-
danke des Abgestorbenseins für die Außen-
welt, für die Unruhe und das Vielerlei
der Zeit uut> des Werdens, das weihe-
volle Gefühl des Unendlichen, Ewigen,
Ruhenden, Göttlichen tritt beherrschend
heraus. Wo aber wären diese Gedanken
und Stimmungen mehr angebracht, als
an der Grabstätte, die dadurch im christ-
licheu Sinn zur Geburtsstätte des Ewigen
wird, ein Uebergaug vom Tode zu eiuem
neuen ewigen Leben in Gott? Und wo
wären sie näherliegend, als da, wo mit
der Taufe der sinnliche Mensch begraben
wird, wo er abstirbt, um zu einem neuen
Leben geistiger Art wiedergeboren zu
werden? Dieser Gedanke hat seine Grund-
lage in denl paulinischen Wort, daß wir
auf Christi Tod hin getauft sind. „Wir
sind also mit ilnn begraben durch öie
Taufe auf seinen Tod, damit wie Christus
durch die Herrlichkeit des Vaters von Rn
Toren erweckt wurde, so auch mir irr
eiuem neuen Leben wandeln" (Röm. 6 3).
Mit der im Gedankenkreis des Apostels
gelegenen Begehung der Taufe und des
neuen Lebens zuur Tode ist auch der Weg
zrr einer Beziehung der eigentümlichen
Forur der Baptisterien zu den Grabbauteu
wenignens als niöaltch gegeben. Das ge-
waltige Thema: Leben, Sein, Ruhe, ge-
wonnen durch Absterben für die Unrrihe,
der Siiude, dem Weltdasein, ist der ver-
bindende Gedanke des Grabes und der
Taufe, dort real, hier symbolisch. Dieser
Gedanke erhält eine gewisse Stütze in der
Baptisteriuminschrift, welche Paulinus von
Rola (353—431) vorschlägt. Sie lautet:
„Hic reparandarum generator fons
animarum

Vivum divino lumine flumen agit.
Sanctus in hunc caelo descendit
Spiritus amnem,

Caelestique sacras tonte maritat
aquas.

Concipit unda Deum; sanctamque
liquoribus almis

Edit ab aeterno semine progeniem.
Mira Dei pietas! Peccato mergitur
undis

Mox eadem emergit justificatus aqua.
Sic homo et occasu felici functus
et ortu

Terrenis moritur, perpetuis
o r i t u r.

Culpa perit, sed vita redit;

vetus interit Adam
Et novusaeternisnasciturim-
periis." (Migne, P.L.61,332.)

Au allgemeinen Erklärungen fei nur
kurz augefügt, daß das Wasser in die
Baptisterien durch Bleiröhreu zugeleitet
wurde, teils mußte es in Kübeln beige-
bracht werden, teils auch behalf mau sich
in der Weise, daß mau in einer Zisterne
das Regenwasser sammelte und zuleitete,
oder es durch das offene Dach in die
Piscina fallen ließ. Auch der Ritus war
insofern verschieden, als die einen in der
Piscina standen, die anderen knieend die
Taufe empfingen. In die Piscina führ-
ten Stufen hinab, deren Zahl vielfach
sieben beträgt. Es ist kein Zweifel dar-
über möglich, daß die Taufe au den
Männern getrennt von den Frauen voll-
zogen wurde, sei es, daß man je ein
eigenes Baptisterium für öie beiden Ge-
schlechter hatte, wie z. B. zu Autun, oder
daß mau zuerst die einen, dann die an-
deren zur Taufe zuließ, oder daß man
an verschiedenen Stellen des Baptisteriums
selbst mehrere Kufen aufstellte, so daß,
während der Bischof die Männer oder die
Frauen in der Piscina taufte, die Priester
die Angehörigen des anderen Geschlechtes
dort tauften.

Casali nimmt in seinem großen Werk
De veteribus sacris Christianorum
ritibus . . . Romae 1647 c. V. an,
daß die Baptisterien durch erneu Vorhang
mitten geteilt gewesen seien. In der
Vita Sancti Othonis (II, 15) heißt es:
Tribus exstructis baptisteriis ita or-
dinavit, ut ipse solos mares pueros
in uno baptizaret, alii autem
sacerdotes feminas seorsim et
viros seorsim. Tanta quoque di-
ligentia, tanta munditia et tanta
honestate Pater optimus sacramenti
Operationen! fieri edocuit, ut nihil
indecorum, nihil pudendum, nihil
unquam, quod alicui gentilium minus
placere posset ibi ageretur." Eine
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