Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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genaue Beschreibung des Vorgangs schließt
sich an (Surius, Vitae Sanctorum 2 Juli).

Die großartigen und zahlreichen Bap-
tisterien des Abendlandes haben nener-
ditigs durch die überraschend reichen Er-
gebnisse der Erforschung der christlichen
Bauwerke des Ostens eine ungeahnte Be-
reicherung erfahren. Speziell sind es die
Baptisterien Zentralsyriens, die
uns nunmehr in guten Publikationen zu-
gänglich geworden sind. Hier ist nun
vor allenr interessant, daß es keinen ex-
klusiv verwendeten Typus gibt, sondern
es sind mehrere Bausormen üblich, jedoch
so, daß der als Baptisteriunl verwendete
Zentralbau meist auf quadratischenl Grund-
riß sich erhebt, an ben meistens noch eine
kleine Apside angebaut ist, so daß das
Ganze aussieht wie eine einschiffige
Miniaturkirche. Auch das ist beachtens-
wert, daß diese Baptisterien fast immer
unmittelbar an die Kirche angebaut oder
durch Verbindungsbauten mit ihr zu einem
Ganzen verbunden sind. Doch sind die
Baptisterien tiicht in allen Teilet! Syriens
gleich häufig vertreten. Verhältnismäßig
selten in Djebel Rrha, und hier nur mit
den großen Kirchen verbunden, sind sie sehr
zahlreich in Djebel Barrsha, wo sie auch
bei kleinen Kirchen Vorkommen. Da und
dort lassen sich an einen! Ort mehrere
Taufkirchen aufmeisen.

Wir betrachten die durch die Publikation
von ButlerH zugänglich gewordenen
Baptisterien Zentraljyriens in chrono-
logischer Folge, soweit sich diese feststellen
läßt. (Schluß folgt.)

Die Grabdenkmäler der Herren
von ^>peth aus drei Jahrhunderten
in der Pfarrkirche zu Awiefaltendorf.

Von N. R. A.

(Fortsetzung.)

12.

An Reichtum der Figuren und Or-
namente übertroffen, an künstlerischer
Durchführung im einzelnen kaum erreicht,
hat das beschriebene Meisterwerk des
Ulmer Künstlers noch ein Gegenstück wohl
in späteren Jahrzehnten gefunden, das

l)Architecture and other arts
by Howard Crosby Butler. New York 1904.

ebenfalls Hans Schalters Steinmetz-
zeichen und Namenszug auf der Stirne trägt,
weit deutlicher sichtbar und doch von
niemand bislang gesehen oder interpretiert.
Gerade gegenüber ans der Evangelien-
feite des Schiffs erhebt sich ein 3 m
hohes Grabmal, dessen Nische mit einem
figurenreichen Relief in der Höhe 1,40 m
und in der Breite fast 1 rn inißt. Der
Aussatz ist genau so komponiert wie bei
dem ('Nr. 11) besprochenen Epitaph mit dein
Gekreuzigten als Mittelpunkt. Zu oberst
hallen zwei Engel eine von gleichem Kar-
tuschenwerk umgebene Tafel, auf der fol-
gende Verse eingegraben sind:

„Mensch, nim der stunden eben war,
Wan die Ist aus geloffen gar.

So kompt der tod, tut dein begeren,
Desser du nit wirst erweren.

Drumb richt dich all stund, sei bereit,
Laß dich den tod nicht niachen laid.
Durch Christum hoft ja d' seelligkait."

Unter ausladendem, mehrfach profilier-
tem Gebälk mit Eierstab kommt eine zweite
Jnschrifttafel zwischen Aufsatz und Relief-
nifche, und zwar ein Bibelwort:

„Wan des Menschen Son kommen
würdt vnd sitzen auf dein stul seiner
Herrlichkeit dan würdt Er senden seine
Engel mit hellen Posaunen vnd sie wer-
den sammlen alle Volker der Erden von
einem Ende deß Himmels bis zum an-
dern, dan würdt er sagen zu denen zu
seiner Rechten: kompt her ir gesegnete
Meines Vatters, ererbet das Reich, daß
Euch berailtet ist. Dan würdt er sagen
zu denen zur Linken: geht hin von mir,
ir verfluchten in das ewige Feuer. Da-
rumb wachet und bätet denn ihr wisset
nicht, welche stunde kommen würdt Euer
HERR." Math. 24, 25.

Auf einem schmalen Saun! unterhalb
dieser Platte, überragt von einein Perlen-
stab, ist in der Mttte das gleiche Stein-
metz z e i ch e n eingegraben zwischen
den Anfangsbuchstaben des Namens
von v VS- Die Nische mit ihrem
Hans X / fast überreichen Relief ist
Schal- V von zwei Pilastern einge-
ler 14. -I— rahmt, deren Flächen nicht

wie beim gegenüber beftiidllchen Epitaph
Wappen schmücken, sondern leichtere Re-
llefornamente: Würfel, längliche und

quadratische, abwechjelnd mit Rundstab und
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