Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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Kugel. Statt des jonischen krönt sie ein
korinthisches Kapital. Ein weiterer
Schmuck nicht zum Vorteil des Werks
ist die links und rechts ausladende, an
den Enden geschweifte Kartusche mit dem-
selben schwerfälligen wulstartigen Gezier.

Die Zwickel der Nische fülleil hier statt
der leeren Ornamente auf der Gegenseite
die zwei Symbole der Evangelisten
Matthäus und Markus ans, links der
Engel, rechts der Löwe, je mit Schriftband
versehen. In der nahezu IV2 m hohen,
1 m breiten Nische sehen wir drei Grup-
pen oder Szenen: die oberste stellt Chri-
stus dar, inmitten seiner zwölf, zu je fechs
abgeteilten Apostel, thronend ans den
Wolken. Christus steht auf der Welt-
kugel, die Kreise, auf denen er ähnlich
wie Gott Vater auf devl Denkmal Wil-
helm Dietrichs von Speth sitzt, sollen
wohl das Himmelsgewölbe darstellen;
die Nimben Christi und der Apostel, die
Wetlkngel sind vergoldet, ebenso wie die
Posaunen der zwei Engel zu den Füßen
des thronenden Heilands: De laudat
g'loriosus Apostolorum chorus.

Be: dem zur Betsügnng stehenden Raum
kontile der Künstler Individualitäten der
einzelnen Apostel kaum charakterisieren.
Realistischer ist die Darstellung des zweiten
Kreises im Mittelfeld. Unterhalb des
Richters, der auf dem Throne seiner
Majestät sitzt, sind Gräber angedentet,
teils offene, teils geschlossene, teils halb-
geöffnete. Aus ihnen komnleii Tote hervor,
mit verschiedenen Aenßerungeii von Affek-
leti: Freude, Glückseligkeit, Verzweiflung.
Verschiedenen Geschlechtern und Lebens-
alterii gehöret! die Toten an: Kinder,
Männer und eine Frau (mit aufgelösten
Haaren oder die Haare ordnend?) in den
verschiedenen Stadien des Erwachens
bezw. Auferstehens. Zur Litiken des
Gräberfelds, bezw. wenn wohl von der
Front des Denkmals oder der Dargestell-
ten, nicht des Beschauers aus die Rich-
tutlg vonl Künstler intendiert war — zur
Rechten des Auferstandenen stehen die
Gerechten, alle niibekleidet, geführt von
eitiem bekleideten Eiigel, in dichten Scharen
hinter eülander gedrängt. Auf der an-
deren Seite sehen wir den schreckhaften
Rachen des höllischen Drachen weit geöffnet,
Teufel führen die Verdammten hinein

oder erwartet! sie im hintersten Schlund
ex ore leonm. Jni beherrschenden
Mittelpunkt, aber unterhalb dieser beiden
Gruppen der Benedicti und Maledicli
steht triumphierend der Heiland in einer
Art Mandorla aus Wolken gebildet, die
Siegesfahne in der Linken, welche an
vergoldeter Stange ein rotes Kreuz auf
goldbefranstem weißem Flaggentuch zeigt,
die Rechte nach den Beseligten ober ihm
ausgestreckt, als wollte er sagen: Venite
benedicti! oder nach dem seligen Himmel-
reich, wo der Heiland mit den Aposteln
thront, hinweisend. Die Figur des Anf-
erstandenen steht aus einem viereckigen
hohen Sockel, der wohl das Grab in
Jerusaleni andeuten sollte.

Zu beiden Seiten des Auferstandenen
kniet wieder ein Ritter und eine Edelfrau,
beide in betender Stellung. Der Ritter
kniet auf einem Löwen, die Frau auf
einem Lamm. Die Gestalten sind kleiner
als bei dem ersten Schallerschen Epitaph,
die Rüstung des Ritters ist ähnlich wie
auf den andern Epitaphien, desgleichen
die Gewandung der Frau, ausgenommen
die Kopfbedeckung. Zu den Füßen des
Heirn von Speth liegt der Helm mit
offenem Visier nebst den Handschuhen.
Schwert und Dolch an Spitze und Knauf,
Saum der Rüstung und Kleid, Rosenkranz
mit Kngelabschlnß sind vergoldet, wie bei
den andern wohl gleichzeilig mit der
leidigen Uebertünchnng. An den Jnnen-
ranken der Pilaster sind je acht kolorierte
Wappenschilder auf beiden Seiten an-
gebracht mit Wappen und Aufschrift links
von unten nach oben : Scheuen, Otten(h)eim,
La(n)deberg, Bock, Entzberg, Aliten (?),
Bissenberg, Lützenbnrg; rechts: Bulach,
Wernaw, Andlaw, Brenestein (— Ram-
stein?), Reiche(n)stein, Angeloch, Neiteil
(—Neuneck?); Neulingen. Die Namen
nlüssen bei der Restauration entstellt wor-
den sein.

In gleicher Breite wie die Nische folgt
eine Inschrift ani geschweiften Sockel, zu
beiden Seiten eingerahmt von einer kleinen
Nische, vertieft in die Sockelecken, darin
links das Spethsche Wappen (Schild und
Helmzier mit den drei Schlüsseln) und in
der rechten Ecke, ziemlich verdorben: Schild
mit Brustbild eines Mannes mit großen!
Bart. Schild und Inschrift sind ganz
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