Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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verdorben, wohl mit Wappen der toten
Frau? ; unter dem Spethschen Wappen steht
noch lesbar: „Ist im Herrn seliglich e(n)t-
schlaffe(n) der Edel vnd Best Hanns Eittel
Spet vo(») Sültzbnrg." Es stellt also unser
mächtiges Monument das Grabmal des
Hans Eitel Speth von und zu
S u l z b n r g und seiner Gemahlin
dar; von ihm habe ich in der Pfarr-
registratur eine Originalpergamentnrknnde,
einen Stiftbries vom 27. April 1566 ge-
funden, wo auch seine Gemahlin, „Reichar-
din Spetin geborne von Uttenhaimb zue
Namenstein" als schon verstorben genannt
ist. Hans Eittel ist mit zwei andern
Brüdern ein Sohn des Galt Speth ans
der Snlzburger Linie.

Nach Aufzeichnung in den Collecta mar
in der rechten Ecke ein Wappen mit
Querband, wie auf dem Grabstein der
1586 am 8. Mai gestorbenen Reuckardis (?)
Spettin geborne von Uttenheim zu sehen,
offenbar nach der Urkunde Reichardin
von Uttenhaimb (— Uttenheim), leeres
Feld mit Querband neben dein Spethschen
Wappen.

Unter diesenr Brustbild mit Querband-
wappen stand nach den „Collecta" die
Umschrift: Ist int Herrn seliglich ent-
schlafen der tugentreich Herr Sebaste Spätt-
Sültzburg . . . anno 1601'). Ist viel-
leicht dieses rechte Wappen mit der Ge-
denkinschrift erst später, geraunre Zeit
nach Aufrichtung des Denkmals für den
rvohl erstberechtiglen Hans Eitel und
geranrne Zeit nach dessen Tod angebracht
worden, ähnlich ivie an jenen Doppel-
epitaphien im Chor? Bastian Speth ist
in dent handschriftlichen Slanunbannr in
Psaffs Regesten nirgends genannt. Wenn
nun dieser Gemahlin des Hans Eitel
Speth von ilnd zu Sulzburg, Neicharditl
von Namenstein, ein besonderes Denk-
mal gewidmet ist, so tvird die Frauen-
gestalt auf dem Monument des 15 Jahre
später gestorbenen Gatten die zweite Ge-
mahlin des Hans Eitel Speth vorstellen,
oder aber einem andern Ehepaar, Sebastian
ilnd Reichardin Speth, gewidmet sein.
Doch müssen erst archivalische Quellen
diese Vermutung aus denr Zwiefalten-

l) Lieber Bastian Speth zu Pflumiuern,
deu starken Ritter, erzählt die Zinnnernsche
Chronik JI, S. 50. i

dorfer Dokulnent und Monument be-
stätigen. Es ist kaum anzunehmen, daß
die Gruppe zu den Füßen des Auferstan-
denen nur ideal oder symbolisch ausgefaßt
sei, liicht als Porträt zu gelten habe. Noch
eine andere Möglichkeit legt die Notiz
Gabelkovers über Zwiesaltendorf nahe, der
von Ulrich Speth und seiner Gattin Ur-
sula, wie oben angeführt, ein doppeltes
Epitaph gesehen haben will.

Der also uinrahmte Sockel enthält in
der Mitte, unmittelbar unter denk Haupt-
bild eine gleichsam dritte größere In-
schrift, der selbst wieder als Thema
eine Aufschrift, ein Doppelvers in rö-
mischer Kapitale ans der oberen Rand-
leiste vorangeht:

„Oie Auferstehung Christi macht,
Das unser keins hie Schadens acht."

Dann folgen 20 (bezw. 32) Verse in
deutscher Schrift.

„Schau an o Brensch, mein lieber Christ,
Was dir hie für gebildet ist.

Hie lieft des Christen höchsten trost.

In Christo, der uns hat erlöst."

Die folgenden 12 Zeilen lvaren schon
zur Zeit der Abfassung der „Collecta"
teils' durch Verwitterung, teils durch
Platzversperrung unleserlich.

„Steht anff ir todte, kompt zum Gericht,
Wan diese letzte stink geschieht,

So denk, o Mensch, wies zu werd gehn.
Wir müssen alle aufferstehn.

Ulld vor den Richtstnl Christi eben
Nechenschafft nnsers Lebens geben
Schau die zur Linken Seitten an.

Wie sie in grossen Schmerzen stau.

Weil sie in Jhrein Leben hie
Nicht haben gnts gehandelt je,

Kinden doch niinmermehr sie sterben (?)
Und müssen ewiglich verderben.

Frew dich mit den zur Rechten Hand,
Also werden in solchem stand
Tretten all die, jo glauben Recht
Und wandeln als treue gotes Knecht."

Wir scheiden nunmehr von diesen zwei
historisch, künstlerisch, ikonographisch be-
deutungsvollsten Monumenten, die in der
Kirche zu Zwiesaltendors einander gegen-
überstehen; sie sind eine Predigten Stein,
eine monumentale Bilderbibel über die
wichtigsten Glaubensgeheimnifse. War es
des Künstlers oder der erlauchten Stifter
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