Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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cheuauer Kunst; ebenso charakteristisch für
die frühromanische Kunst sind an ben Ge-
wändern die sparsam verwendeten eiför-
migen Querfalten und die spitzwinkligen,
ineinandergeschobenen Keilfalten. Die
Hauptfalten, meist in tiefschwarzen breiten
Linien konturiert, sind von mehreren auf
Hellem Grund dunkel und umgekehrt ge-
zeichneten parallelen Linien ganz schema-
tisch eingefaßt.

(Schluß folgt.)

Die Baptisterien im alt christlichen
Syrien.

Besprochen von Prof. Or. L. B anr, Tübingen.

(Schluß.)

Dem vierteu Jahrhundert gehört an
das Baptisterium zu Vabiska, wohl
zugleich mit der Kirche und bem Kloster
von demselben Künstler M a r k i a u o s
Kyris gebaut. Zu viel läßt sich freilich
darüber nicht sagen, da dieser Anbau von
den Einwohnern der Gegend fast voll-
ständig zerstört itnb feiner Steine beraubt
wurde. Doch läßt sich ans den erhal-
tenen Trümmern noch das Werk selbst
erkennen. Ein großartiges monumentales
Portal (die Toröffnnug mißt 1,65:2,25 m
im Licht). — Die Verzierungen des Tor-
rahmens sind sehr fein und reich: meist
Flechtwerkmotive, dazwischen ein ungemein
feines Blattornament (Akanthusblätter),
der äußerste Nahmen mit einer aparten
Ornamentleiste. Darüber her zog sich ein
Architrav mit neun Bleudarkadeu im
Rundbogen, in welchen ursprünglich
Skulpturen gewesen zu sein scheinen.

Auf etwas sichereren'. Boden bewegen
wir uns bei bem Baptisterium voll
Ksedibeh, das an die im Jahre 414
entstandene Ostkirche angebaut ist. Es
handelt sich hier um einen kleinen Raum,
der 4,20 m im Quadrat mißt. An der
Ostseite ist eine kleine Apsis angebracht,
die nicht ganz einen Meter breit ist.
Mitten durch beit quadratischen Raum
zieht sich ein Querbogen. Zwei Türen
führten in dieses Baptisterium: die eine
vom Diakonikon aus, die andere direkt
von außen her. Genau dieselbe qua-
dratische Form des Grundrisses finden mir

in den Baptisterien zu Dur Kita an
der im Jahre 418 erbauten Kirche des
Paulus und Moses. Das Baplisterinm
selbst ist inr Jahre 422 errichtet worden.
Nur dadurch weicht es von anderen der-
selben Art ab, daß es von der Kirche etwas
entfernt liegt und einen ganz freistehenden
Bau darstellt. Die Größe beträgt 4,75 m
im Geviert. In der Apsis befindet sich
eine Vertiefung hinter einem niederen
Mäuerchen. Sie mißt im Radius 94 cm.
Als Schmuck findet sich nur eine mit
einem Kreuz ornamentierte Scheibe auf
dem Schlußstein des Apsidenbogens.

Ferner gehören hieher die Baptisterieli
zu Dauwar und zu Bettir. All diese
bilden eine Baugruppe, bei der ein qua-
dratischer Zentralbau mit einer kleineil
l Apsis charakteristisch ist. Es ist Leclercq
zweifellos zuzustimmen, wenn er auninunt,
daß das noch einfachere Baptisterium zu
Bett ir, das rein quadratisch ist und keine
Apsis aufweist, als das früheste zum Aus-
gangspunkt genonlinen werden müsse.
Auch die Baptisterien zu Rbeah und
Bashmili (aus bem Jahr 536) gehören
diesem quadratischen Typus an. Der
Zeitraum von mehr als einem Jahr-
hundert, durch den wir in Zentralsprien
diese Banform bei den Baptisterien ver-
folgen können, zeigt, daß wir es dabei
mit einem länger festgehaltenen Bauschema
zu tun haben.

Doch wäre es verfehlt z>l glauben,
daß dieses quadratische Schema das ein-
zig übliche in Syrien gewesen sei.

Es lassen sich aber auch eine Anzahl
Baptisterien mit polygonalen Formen
Nachweisen. Zunächst sei das hexagonale
Baptisterium zu Deir Seta genannt.
Es ist ein einfaches Sechseck, von welcheul
noch zwei Seiten stehen. Es maß 30 Fuß
im Durchmesser, 15 Fuß die Seite. Auf
der Ostseite führt ein großes Portal in
das Innere. De Vogüe gibt noch zwei
im Norden an. Außerdem spricht er von
einer hexagonalen Sänlenstellnng im
Innern, welche die Piscina umgab. Von
dieser Innenausstattung steht heute nichts
niehr. Die Fenster- und Türumrahmungeil
lassen den Stil Syriens im 6. Jahr-
hundert erkennen. Das Portal selbst ist
von zwei großen, im Rundbogen ge-
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