Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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schlossenen Fenstern flankiert, und jede
Seite zeigt selbst nneber zwei Fenster der-
selben Koustrnklioii. An das Baptisterium
schloß sich ein gepflasterter Hof an, mit
einer offenen Sänlenstellung nach Westen zu.

Eine ganz singuläre Stellung, die offen-
bar mit eigenartigen bangeschichtlichen
Verhältnissen znsammenhängt, nimmt das
Baptisterium, oder wie Butler sagt, die
Kapelle von Midjleyya ein. Offenbar
haben wir es hier mit einer kombinierten
Baukonstruktion zu tun. Ein zentraler Ban
ist mit einem basilikalen Plan kombiniert:
fünf Seiten eines Oktogons mit ent-
sprechender innerer Säulenstellung ltnb mit
einer basilikalen Apside, die von Prothesis
und Diakonikon nmgeben ist, zu welchen
sowohl von der Apsis aus, als auch von
dem Taufraum ans Türen führten. Im
Westen ist kein Portal. Die Eingänge !
befinden sich an der Süd- und Nordseite.
— Die Jnnenornamentalion ist sehr ein-
fach. Die Anßendekoration dagegen war
sehr reich. Die Ecken des Oktogons sind
zu Pilastern durchgebildet. Während der
den Seitenschiffen entsprechende Umgang
gedeckt war, scheint die Mitte hypäthral
geblieben zu sein.

Das Baptisterium der Ostkirche von
Dehes ist beinahe doppelt so groß, als
jenes der Kirche von Paulus und Moses
zu Dar Kita. Es mißt 6 m im Geviert.
Eine sonst, wie wir sahen, in Syrien bei
quadratischen Baptisterien übliche Apsis
fehlt hier. Der Außenbau ist durch ein
rund hernmlanfendes Gesimse in zwei
Stockwerke eingeteilt. Unten ist das Garize
von einem Sockel umzogen. Die untere
Hälfte (Stockwerk) hat keine Fenster. Nur
das Portal, das recht ungewöhnlich breit
angelegt ist, ist so angeordnet, daß über
dernselben drei Fenster sich öffnen. Die
Portalrahme ist lehr interessant, weil sie
eine Inschrift zeigt in syrischer Sprache.
Schon de Vogüe hat dieselbe im Jahre
1862 entdeckt. Aber erst Sacharr ist die
Entzifferung teilweise gelrrngen, teilweise
hat er die Lösung vorbereitet, die bann
durch Prütorius und andere vollständig
gelang. Die Inschrift, die etwa mit die
Wende des Jahres 500 entstanden sein
dürste, lautet: „Das ist das Baptisterium
des lebendigen und heiligen Gottes, der

unseru Herrn Jesus Christus verherrlicht
hat und seine ganze Kirche. Betet für
Johannan den Architekten."

In das Jahr 532 gehört das Bap-
tisterium von Kherb et el Khatib.

Endlich seien noch einige Baptisterien
mit polygonalem Grundriß genannt, und
zwar aus dem Oktogon ausgebaut.

Das eine davon hat de Vogüe in
seineiu Werk La Syrie centrale auf
Tafel 149, 150 und 153 abgebildet.
Es ist das großartigste Baptisterium von
Kalat Syman. Den Kern desselben bildet
ein Oktogon, das von einem quadratischen
Umbau umgeben ist, oder vielmehr: ein
Quadrat, das innen ein Oktogon init
Nischen bildet, ist der Kern, um den sich
ein zweites Quadrat lagert. Der Innen-
ausbau des Oktogons ist zweiteilig: unten
eine Pfeilerstellung im Rundbogen ge-
schlossen, darüber ein Gesims, dann
Nnndbogenfenster, die voneinander durch
Halbsäulen getrennt sind, die in den Ecken
des Oktogons stehen.

Endlich ist noch das Baptisteriuin von
Ezra zu Ehren des hl. Georg zu nennen.
De Vogüe bezeichnet es als das inter-
essanteste aller kirchlichen Gebäude Zential-
syriens. Eine Inschrift gibt an, daß
dieser Bau im Jahre 515 vollendet wurde.
Zudem ist er bis auf den heutigen Tag
ununterbrochen im Besitz des katholischen
Ritus geblieben (Dictionnaire d’ar-
cheologie ehret. II 451). Dieses Bap-
tisterium ist besonders deswegen inter-
essant, weil es einen eigentlichen Kuppel-
bau dnrstellt. Wie bei dem Baptisteriuin
zu Kalat Syman ist der Grundriß auch
hier gebildet durch ein Quadrat, in wel-
ches ein Oktogon eingezogen ist. Der
innerste Kern des Baptisteriums stellt ein
Pfeileroktogon dar, um welches ein in das
Grundrißquadrat eingebautes zweites Okto-
gon mit Nischen an vier Seilen sich
legt. Eine Oktogonseite mündet in einen
besonderen Chorraum mit einer Apsis.
Der Chorraum ist flankiert von zwei
Kammern, oder Sakristeien. Die innere
Anlage ist im Aufriß dreiteilig: unten
die im Rundbogen schließende Pfeiler-
stellung des Oktogons; über dieser ein
zinnenartiges Gesims, über dem sich ein
Tambur erhebt, der breite, aber niedere.
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