Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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im Halbkreis nach oben geschlossene Fenster
enthält und die eigentliche Kuppel trägt.
Diese zeigt eine Eisorm, die wohl an die
ältesten Konstruktionen Zentralasiens er-
innert. Wie die Inschrift zeigt, war der
Bau zuvor ein heidnischer Sakralbau,
denn es heißt hier: „Der Aufenthalt der
Dämonen ist zunr Hans des Herrn ge-
worden. Das Licht des Heils erlerrchtet
den Ort, welchen die Finsternisse verdüster-
ten. Die heidnischen idololatrischen Opser
sind ersetzt durch die Chöre der Engel.
Wo die Orgien eines Gottes gefeiert
wurden, singt man jetzt das Lob Gottes.
Ein Alaun, der Christus liebte, der Vor-
nehme Johannes, Sohn des Diomedes,
hat ans seine Kosten dieses prachtvolle
Monnment Gott dargebracht, in welchem
er die kostbare Reliquie des siegreichen
Märtyrers Georg nnterbrnchte. Der
Heilige war diesem Johannes erschienen,
und zwar nicht im Traume, sondern in
Wahrheit. Zur nennten Jndiktion des
Jahres 410"').

Alan wird nicht leugnen können, daß
die syrische Kirche in einer geradezu vor-
bildlichen Weise für die würdige imb die
Bedeutung des heiligen Sakraments ent-
sprechende Spendung des Tanfsakranrents
bestrebt rvar. Und wenn wir noch berück-
sichtigen, daß man in Palästina, Italien,
Afrika nsf. ebenso auf eigene, zum Teil ganz
großartige und herrlich ansgestatlete Bap-
tisterien Wert legte, so müssen wir darin
eine in der Bedeutung des Tanssakraments
rvohl begründete altchristliche Uebnng sehen.
Es wäre unseres Erachtens ein Mittel,
die Feierlichkeit nrrd Würde der Spendnrrg
des Tanssakraments zu erhöhen, wenn
rnan sich in der rrrodernen Kirchenarchitek-
tnr wieder auf derr Vorgang der altchrist-
lichen Zeit besinnen würde, rverrigstens in
der Weise, daß man bei kirchlichen Neu-
bauten für den form buptismulis eigene
Seitenkapellen erstellen würde, die dann
entsprechend ihrer Bestimmung, als Tanf-
kapellen zrr bienen, mit passendem künst-
lerischen. Schmuck, Plastik und Malerei,
versehen werden könnten.

1) Das Jahr der Aera von Bosra beginnt
am 22. März 515, die nennte Jndiktion am
1. September desselben Jahres.

Die Grabdenkmäler der Herren
von Spetb aus drei Jahrhunderten
in der Pfarrkirche zn Iwiefaltendorf.

Von dt. R. A.

(Fortsetzung.)

14.

Unter den Renaissancemonurnenteu
nimmt wohl in chronologischer, nicht in
knnsthistorischer Beziehung die letzte Stelle
das Grabdenkmal des Wilhelm Diet-
rich Speth ein. Es befindet sich auch
an bevorzugten: Platz im Chor der Kirche
zur Linken des Hochaltars, unter dem
ersten der fünf Chorfenster. Das architek-
tonisch verhältnismäßig einfach gehaltene
Denkmal reicht ans den Boden der
Kirche und mißt 2 m in der Höhe.
Die rechteckig ausgesparle Nische ist
1,25 m breit, 2 m hoch. Sie wird

flankiert von zwei wenig gegliederten
Pilastern, deren Basen mit zwei Reliefs,
Männerköpfen zwischen Ornamenten, ge-
schmückt sind; oben schließen einfache kelch-
artige Kapitäle ab. Der obere Rahmen
der Riscke ist nicht ornamentiert, sondern
hat einen nur wenig profilierten Architrav,
anf den: der erste Teil der Inschrift
mit dem Geburtsdatum des Ritters an-
gebracht ist. Umso imposanter hebt sich
a::s solcher Umrahmung die Hauptfigur
des Ritters ab, der in der Nische in
prächtig gerüsteter VoUgestalt auf einen:
Löwen knieend dargestellt ist. Die linke
obere Ecke füllen Wappen und Inschrift
ans, die uns Namen und Todestag des
Ritters in deutscher Sprache und Schrift
meldet:

„Anno 1546 den 23. Junis ward ge-
boren der edel und Best Wilhelm Dietrich
spet. Herriach 1615 den 2. Tag Martij
Starb der edel und Best Wilhelm Diete-
rich von und zue Zwiefalten, den: Gott
gnädig sein welle. Amen."

Wir sind in der glücklichen Lage, we-
nigstens bei diesem ritterlichen Glied der
Spethschen Familie rveitere biographische
Daten als bei den andern allen bieten
zu können. Unter ihm kam es zu Wirren
in der Familie und den Gebieten seiner
Untertanen, über die ausführliche Akten
in: Stuttgarter Staatsarchiv (Adel 1. B.
180—187) erhalten sind. Auf Klage
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