Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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in die Darstellung des betreffenden Reliefs
hineinverwoben.

Betrachten wir nnr noch die Einzel-
statueu, welche die Reliefs umgeben.

Die Statue vor bem ersten Relief hat eiu
Rauchfaß uitb eiu Buch in der Hand.
Es ist wohl nach der allgemeinen Auf-
fassung der Hohepriester Aaron; eine
herrliche lebenswahre Figur, eine Vor-
ahnung Michel Augelos. Sie gehört mit
den Sibyllen, die wir oben schon bewun-
derten, zu den besten Gestalten der Kan-
zel. Ueberhaupt sind diese Statuen viel |
besser und exakter
gearbeitet als die
Reliefs.

Wen die zweite
Statue nach dem
ersten Relief dar-
stelleu soll, ver-
mögen wir nicht 511
sagen. Es ist ein
älterer Mann, der
auf einem Ungetier
steht mit) mit den
Büsten von vier
Männern umgeben
ist. Oben schwebt
ein Adler.

In der dritten
Figur, welche vor-
züglich gelungen ist,
glaubt Fleury den
Propheten Jere-
mias erkennen zu
sollen, der den Kin-
dermord des Hero-
des vorausgesagt
hat.

Die vierte Figur
ist der Engel des
Matthäus, umgeben von dem Ochsen des
Lukas und dem Löwetr des Markus. Der
Adler des Johannes, der vielfach als
Lesepult dient, fehlt.

Die fünfte Figur oder Figurengruppe
erinnert unwillkürlich au die Kanzel von
S. ©ionannbFuori civitas. Wie dort,
finden wir drei Gestalten, eine mittlere
Hauptfigur, umgeben von zwei anderen,
von denen man aber fast nur die Köpfe
sieht. Fleury glaubt, daß hier der Pro-
phet Jsaias mit zwei anderen Propheten
dargestellt sei, die das Leiden unv Sterben

Jesu so klar vorhergesagt haben. Wenn
Jeremias in der dritten Statue dargestellt
ist, daun kann die Vermutung schon zu-
treffeu. Einleuchtender aber scheint mir
gleichwohl die Auffassung zu fein, welche
in diesen drei Männern die Apostel er-
blickt, die das Evangelium von der Er-
lösungstat Jesu Christi der Welt ver-
kündet haben; ich möchte daher die Haupt-
figur wie in S. Giovanni für Paulus halten.

Die sechste und letzte Statue ist ein Engel,
der beim Weltgericht die Posaune bläst.
Daß Giovanni Pisano der Meister
dieser Kanzel ist,
sagt uns die In-
schrift, welche au
dem Architrav über
den Arkadenbögen
angebracht ist und
also lautet:

Laude Dei Trini,
rem ceptam fini
Cure presentis
sub primo mille
tricentis

Princeps est ope-
ris plebanus vel
datoraeris
Arnoldus dictus
qui semper sit
benedictus
Andreas unus
Vitelli . . . quo-
que tinus
NatusVitali bene
notus nomine
tali

Dispensatores hi
dicti sunt meli-
ores
Sculpsit Joan-
nes qui res non egiti nanes
N i c o 1 i n a t u s sentia meliore beatus
Quem genuit Pisa doctum super
omnia visa1).

Nach Vasari wollten die Einwohner
von Pistoia für ihre Stadt eine Kanzel
haben, welche mit der soeben in Siena
errichteten Kanzel rivalisieren konnte. Sie
beauftragten mit der Erstellung dieses
Werkes Giovanni Pisano, welcher seine

Pisa—Museo Civico—L'antico Pulpito giä esistente
nella Catedrale.

p Bei Fleury III, p. 65.
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