Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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44. 1580: Anna, Frau zu Montfort,

45. 1530: Katharina Gräfin zu Mvntfort,

40. 1531: Wolfs, Graf zu Detlang (Tettuang-
Montfort),

47. 1531 : Eleonora, Gräfin zu Moutfort,

48. 1532: Magdalena, Gräfin zu Bioulfort,

49. (Ohne Zahl) Hug, Graf zu Mvntfort,

50. 1533: Hug, Gras zu Montsort,

51. 1535: Erharth von Gundelfingen,

52. 1538: Katharina, Gräfin zu Helffenftein, geb.
von Sonnenberg,

53. 1588: Ulrich, Graf zu Helffenftein,

54. (Ohne Zahl) Johann, Graf zu Dettnang,

55. 1546: Schweickhardt von Gundelfingen,

56. 1560: Elisabeth, geb. Gräfin von Montfort.

57. (OhneZahl): Elisabeth, Frau zu Gundelfingen,
geb. Gräfin zu Mvntfort'),

58. (OhneZahl) Johannes, Freiherr von Gundel-
fingen (in der Jugend aus diesem Zeitlichen
abgeschieden"),

59. (OhneZahl) GeorgFreiherr von Gundelfingen,
(„jung aus diesem Zeitlichen geschieden"),

60. (Ohne Zahl) Heinrich, Graf zu Montfort,

61. (Ohne Zahl) Barbara, Gräfin zu Montsort,

62. 1595 (korrigiert mit Blei 1495?): Frau
Waithburg, Frau von Gundelfingen,

63. 1595: Frau Magdalene, Gräfin zu Montfort,

64. 1595: Georg (Jerg) von Gundelfingen,

65. 1595: Stefan von Gundelfingen,

66. lDoppelblatt) 1579: Georg von Helffenftein.

Mit dem großartigsten Monument schlie-
ßen die „Antiquitates Neufrenses" die
Beschreibung der Epitaphien, welche die
Schloßkirche in Neufra einst zierten. Wo
sind die anderen 60 geblieben? Oder sollte
sich der Autor der Antiquitates bezw. des
Katalogs getäuscht haben? Oder könnten
nur Totentaseln, auf Holz gemalte Bild-
nisse der verstorbenen Edlen den Vorwurf
für den gewandten Zeichner des 17. Jahr-
hunderts abgegeben haben? Oder sollte
dieser ohne Vorlagen für die Bilder die
so plastisch wirkenden Kopieil gar aus der
Phantasie geschaffen haben?

Sodann spricht gegen diese Vermutung
eine T o t e n 1 a f e l, die heute noch vorhan-
den ist, deren künstlerische wie historisch-
genealogische Vedeiitllng gleich groß ist. An
der Treppenwand des Fürstlich Fürsteu-
bergschen Museums in Tonaueschingen
hängt ein großes Tafelgemälde, 2,24 m
hoch, 3,43 m breit; 36 Figui eil mit Wappen
und Inschriften sieht man daraus, um-
geben vou ausgezeichneten Renaissance-
ornameuten. Es ist eine Sterbetafel von *)

*) Für Elisabeth wäre also, wie öfters auf
Adelsdenkmälern, ein doppeltes Epitaph be-
stimmt, vgl. Speth in Zwiefaltendorf, Raißen-
stein in Schelklingen, Hatzfeld in Laudenbach
und Prausnitz.

I Angehörigen des freiherrlichen Hauses von
Gundelfingen. In vier Reihen knieen die
Toten, nieist in gleicher Haltung gegen
einander gewandt, in der obersten Reihe
11, in der zweiten 10, in der dritten 11 und
in der untersten 4 Personen. Das älteste
Glied hat das Todesdatnni 1344 (fälsch-
lich sicher statt 1444), das jüngste die
Jahreszahl 1560, Elisabeth von Gundel-
fingen. Die Tafel ist also nach 1560 ge-
malt worden von einem unbekannten schwä-
bischen Meister, der damit ein für die
Kostümgeschichte hochinteressantes Werk der
Nachwelt hiuterlassen hat. Rach einer Ka-
talognotiz stammt die Totentafel aus der
Pfarrkirche z u N e u s r a. Im Archiv
des Fülstenhauses bestätigt ein Faszikel
Gundelfingen2) diese Herkunft. Daselbst
ist ein Verzeichnis der ans der hölzer-
nen Bildnistafel dargestellten Personen zu
sehen, sowie eine Abbildung des Ge-
mäldes, die aus jüngerer Zeit stammt,
wohl ebenso wie die anderen Kopien nach
den Antiquitates Neufrenses laut Akten-
notiz in demselben Faszikel von Franz
Rießer im Jahre 1827 gefertigt.

Wann dieses köstliche genealogische Werk
von Neufra nach Donaneschingen ver-
bracht wurde, ist in den Akten, wie es
scheint, nicht zu finden. Aufschluß kann
uns hiefür geben die Beschreibung des Ober-
amts Riedlingen v. I. 1827 8) (hrgb. von
Memminger). Hier heißt es: „Auch eine
Geschlechtstafel ist in der Kirche aufge-
hängt" 4). Es ist also das Tafelgemälöe
erst nach 1827 aus Neufra fortgekommeu
und die Kirche damit um ein Kunstwerk
ärmer geworden8).

Eine Vergleichung beider Werke, der
gemalten und der gezeichneten Geschlechts-
tafeln, nach Form, Zahl und Alter der
Bildnisse läßt kaum an eine Identität,
höchstens an gewisse Abhängigkeit beider
denken. Wir müssen uns also nach all

') G. Tumbült, Fürstlich Fürstenbergsche
Sammlungen zu Donaueschingen. Verzeichnis
der Gemälde. Stuttgart. 1909. S. 55.

2) O. A. 26.

3) Stuttgart 1827, S. 211—217.

4) S. 215.

6) Der Gundelfinger Ahnentafel ist nach An-
lage und Ausführung durchaus verwandt die
Toteutafel der Grafen von Landau-Grüningen
in der ehemaligen Zislerzienserinnenkirche zu Heilig-
kreuztal (12 Ritter, ohne das Dreieüauffatzbild).
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