Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

Seite: 36
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dem der Auffassung jener Bildnisse in den
Antiquitates Neufrenses als wirklicher
Toteudenkmäler anschließen und so einen
neuen Verlust an köstlichen Monumenten
heimatlicher Sepulkralkunst beklagen.

Auf Die Frage nach dem Verbleib haben
wir keine Antwort erhalten können, viel-
leicht wird uns eine solche, wenn wir
fragen, wo sie waren. In der Ober-
kirche sind nur sechs plastischen Schmuck
tragende Epitaphien erhallen. Sie stehen
wohl nicht alle an den: ursprünglichen
Platz. Dies schließe ich nicht nur aus
manchen Anzeichen späterer Veränderungen
vor und nach dem Bau der jetzigen Kirche,
deren Grundsteinlegung 1517 eine Giebel-
inschrift bezeugt; es scheint auch mit Sicher-
heit aus dem Bericht von 1827 über den
Stand der Kirche in der alten Riedlinger
Oberamtsbeschreibung hervorzugehen *). Da-
nach war über dem Eingang der Kirche eine
Inschrift mit den Wappen der verwandten
Häuser Gundelftngen, Montfort und Kirch-
berg angebracht, die heute hoch oben im
Giebelfeld angebracht ist. Das Innere der
Kirche, einfach und würdig, „überrascht durch
herrliche Denkmäler, um deren bessere Auf-
stellung,Erhaltung und Reinigung, wie über-
haupt unl die Erneuerung der Kirche und
die Verschönerung der öffentlichen Gebäude
der damalige Renlbeamte Straßer sich sehr
verdient gemacht hat." Der Verfasser führt
dann sechs Denkmäler ans, das Georgs
von Helfenstein, das 12 V* Schuh hoch ist
und über 30 Zentner wiegen soll; des
letzten Gundelfingers Schweikhart und
seiner Gemahlin Elisabeth, der Gräfin
Apollonia von Kirchberg, und sodann die
„zwei kolossalen Bildsäulen, beyde in
Rüstung". Diese stehen jetzt alle im Chor,
eines an der Nordseile, die andern an
der Südseite in der Kapelle des Chors,
die durch drei südlich sich öffnende Arka-
denbögen gebildet wird. Die zwei an-
geführten Bronzetafeln mit Inschrift sind
im Schiff je an der linken und rechten
Wand angebracht. In den Inschriften
der handschriftlichen Antiquitäten Neu-
frenses wie auf Epitaphien finden wir
nun mehrfach Angaben über die Begräb-
nisstätte, „bei diesent Altar" sei dieser
und jener Tote begraben, so Anna von

Montfort (ff 1531), geb. Gräfin von
Bitsch, oder Frau Apollonia Gräfin zu
Montfort, geb. Gräfin von Kirchberg
ff 1517). Auch diese Notizen beweisen
die oben genannte These vorr vorgenom-
menen Verlegungerr und Veränderungen.

Dazu komnrt, daß unter dem Chor der
ehemaligen Schloßkirche eine Krypta sich
befindet, die heute von außen noch teil-
weise zugänglich ist. Das Backsteingewölbe
tragen zwei Säulen, die drei Bogen
bilden; eine Treppe führt in weitere ver-
mauerte Räume. Auch unter dem heu-
tigen Schloßgarterr nördlich vonr Chor
der Kirche sollen sich solche Gewölbe be-
finden. Ob auch dort solche Epitaphien
angebracht waren? Außerdem ist im
linken Seitenschiff, hinter der Kanzel, eine
31 cm hohe, 71 cm breite Bronzetafel
mit Minuskelinschrift eingelassen:

„Anno Dom(i)nj 1524 vff sonntag nach Mar-
tini starb die wolgeboru Fraw katrina grast
hansten werdenbergs rc. ain verlastne witwe,
ain geborne Fry von Gundelstngen, hat vormals
zv elichem gemahel gehabbt her lvdwig von
brandis Fryherr der aller sellen gott gnad."

Drei Wappenschilde: Brandis, Gundel-
fingen, Werdenberg, ebenfalls in Bronze
mit Aufschrift über jedem, füllen die
zweite untere Hälfte der Tafel. Gerade
gegenüber von der rechten Seitenwand im
zweitvorderen Bogen sehen wir eine klei-
nere Tafel, ebenfalls aus Bronze mit
Majuskelinschrift, 25 cm hoch, 39 cm
breit:

„Anno Domini 1531 ann dem dritten Dag
des monats Merczen starb die wolgeborn Fraw
Anna des wolgebornen Her Hugo Graven zu
Montfort und Rotenfels seligen gelassen witwe.
geborne grefin von Bitsch, ligt bey Disem Altar
begraben. Got der almechtig der Sel gnedig
und barmherczig sein welle."

In der linken unteren Ecke ist je ohne
Aufschrift das Wappen von Montfort
und rechts von Bitsch (?) (steigender Löwe).
In beit Antiquitates Neufrenses findet
sich Katharina von Gundelfingen zweimal,
Fol. 32 und Fol. 39, mit Jahreszahl 1524
und 1528, desgleichen Schweikhart und
Elisabeth von Gnndelfingen, 1546 und
1560. Diese und ähnliche Versehen oder
Unstimmigkeiten beruhen wohl ebenfalls auf
ungenauer Abzeichnung oder Unleserlichkeit
wirklicher Denkmäler.

Rach diesem allgemeinen Ueberblick über
die Ergebnisse unserer handschriftlichen

») A. a. O. S. 215.
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