Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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am Münster, Christian Löschenbrand, dem
Verfasser einer Ulmischen Chronik, ab.
Die Löschenbrand gehörten zu den ange-
sehenen bürgerlichen Geschlechtern, die
kaufmännische Geschäfte betrieben gleich
den Schleicher, Rottengatter, Gussenstadt,
Lupin, Krafft, Thalfinger n. a. In der
Sammlung der Künstler Ulms im neuen
Königreich Württemberg und der Utmer
Oberamtsbeschreibung, ja selbst in Nag-
lers Monogrammmeistersannnlung kommt
sein Name nicht vor, ebenso nicht in der
ersten Auslage von Weyermanns gelehr-
ten Nachrichten.

Nur in einer handschriftlichen Notiz des
Prälat Schmidschen Exemplars und dar-
nach in der neuen Ausgabe von Weyer-
utamt wird als Bildschnitzer um 1550
neben Melchior (1508) ein Caspar
Lösche nbrand genannt

So dürfte also der letzte Zweifel an
der Bedeutung des leicht übersebenen win-
zigen Eintrags in den Antiquitates Neuf-
renses beseitigt sein. Es muß dieses
ferit ans den Meister des Grabmals von
Schweickhardt und Elisabeth von Gnndel-
fingen, nicht etwa auf den Verfertiger der
Denkmalskopie bezogen werden. Kaspar
Löschenbrand aus Ulm heißt also der
Schöpfer des nicht unbeoentenden Epi-
taphs an der Südwand des Chors der
Nenfraer Pfarrkirche.

Wann es verfertigt worden ist, läßt
sich natürlich nur annähernd bestimmen.
Der häufigste Fall dürfte die Bestellung
imb Ausarbeitung bald nach dem Tode
des einen Gatten sein. Der Freiherr
starb 1546, die Gemahlin, die wie öfters,
z. B. in Zwiefaltendorf, ein besonderes
Grabdenkmal neben dem gemeinsamen
Gattenepitaph erhielt, 1560. Mehrfach
konunt in der Kunstgeschichte Bestellung
und Anfertigung schon zu Lebzeiten des
Auftraggebers vot2), noch öfter wird der
Name des im Tode Nachfolgenden aus
dem Denkmal des Vorangegangenen
nachträglich eingegraben; manchmal ist bei *)

*) Vgl. Beschreibung des Oberumts Ulm, II
(1897), S. 307, A. 1; dazu Neue Nachr. von
Wepermann 1829, S. 288; Handschrift III 171;
weitere Glieder der Familie L. in Mskr. III 132.

*) Interessant ist die Inschrift auf einem Neun-
eckschen Grabmal in Glalt (Hohenzollern):
A. D. 1440 macht Wildhans von Neuncü
„diesen Stain im selbs. . . ."

solchem Verfahren die für jenen ausge-
sparte Stelle leer geblieben, wie z. B. in
Neuburg, OA. Ehingen, Zwiefaltendorf
und anderwärts zu konstatieren ist. Aus
solch spätere Anbringung der Jnschrifttafel
läßt die Wahl des anderen weißen Ge-
steins schließen 1).

Außerdem ist zu beachten, daß in der
Handschrift der Antiquitates Neufrenses
für Schweickhardt von Gundelfingen Fol. 14
ein eigenes Grabmal und Fol. 55 ein an-
deres gemeinsames zugleich für seine vier-
zehn Jahre später verstorbene Gemahlin
Elisabeth abgebildet ist. Ich vermute also
wohl nicht mit Unrecht: erst hat der 1546
verstorbene Gemahl ein Epitaph mit fei-
nem Ritterbild erhalten, das Fol. 14 ab-
gebildete ; dann hat die Witwe ein an-
deres Denkmal für sich bestellt, oder deren
Erben für die Witwe oder beide Gatten
gemeinsam — ersteres legt vielleicht die
Wahl der Madonnendarstellung etwas
nahe, wie solche auch Apollonia von Mont-
fort sich gewählt oder für sich allein er-
halten hat.

Ob nicht auch das Grabmal an der
gegenüberliegenden Wand des Chors auf
diesen oder einen anderen Ulmer Meister
oder seinen älteren Namensbruder zurück-
gesührt werden dürfte? Die Ähnlich-
keit des Materials, der Anlage und
Ausführung, stilistische und chronologische
Annäherung an das Epitaph mit der
Krönung Mariä läßt wohl eine solche
Annahme zu, wenn auch der Tod dieser
hier verewigten Frau Apollonia von
Mont fort beträchtlich früher fällt.

Das herrliche Bronzeepitaph des 1504
verstorbenen Wilhelm von Zimmern in
Meßkirch ist nur wenige Jahre später,
1599 gemacht worden. Immerhin scheint
die Arbeit, besonders das Porträt der vor
der Madonna knieenden Frau etwas sorg-
fältiger, die Faltengebung und Pilaster-
umrahmung vornehmer. Die Reliefplatte
ist über 2 m (2,10 m) hoch und etwas
über 1 m breit (1,10 in). In einer reich
ornamentierten Korbnische kniet eine vor-
nehm gekleidete Matrone auf einem Bet-
stuhl vor dem Bild der Muttergottes mit dem
Jesuskind — ein auf Grabmälern nicht

') In Kepplers Württemberg. Kunstaltertümer
1888, L. 288, ist das Denkmal als Epitaph nur
der Elisabeth von Gundelfingen aufgeführt.
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