Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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häufiges Sujet, das sich z. B. auf beul
Grabrelief des Kardinals Friedrich im
Dom zu Krakau aus Peter Vischers
Schule findet *). Am oberen Rand sind
in den Ecken zwei Wappeutafeln ange-
bracht, deren eine das Wappen von Mont-
fort, die andere von Kirchberg (eineJungfrau
mit Mitra) zeigt. In der Mitte der Platte
sind wieder je rechts und links Wappen
angebracht, und ebenso scheint es am
Sockel, der fast ganz durch den Boden-
beleg verdeckt i[t* 2). Hier kommt uns
wieder das handschriftliche Verzeichnis der
Antiquitates Neufrenses zu
Hilfe. In deulselben istFol.25eu>e große Ab-
bildung unseres Grabmals. Hier sind auch
die letztgenannten, im Original nicht mehr
sichtbaren Wappen ganz deutlich verzeichnet.
Eine Bleistiftnotiz deutet die Wappen in
der Mitte also: Schönburg und, mit
Fragezeichen, Aidach (?); die untersten:
Wertheim, Otlingen, Hohengeroldseck,
Eberstein, Landenberg. Die Inschrift
lautet — nicht genau nach dem Original —
in den Antiquitates Neufrenses:

„Anno 1517 am dritten September starb die
wohlgebohrne Fraw Apollonia Gräffin zu Mont-
forth, gebohrne Gräffin von Kirchberg, ein Ge-
mäht gewesen deß wohlgebohrnen Herren Johan-
nesen Grasten zu Montforth vnd hier bey disem
Altar begraben. Gott gnad der seeln."

Ueber die weiteren noch vorhandenen
Grabdenkmäler der Neufraer Schloßkirche
enthalten die handschristlichen Antiquitates
Neufrenses kaum andere Aufschlüsse, als
eben die Zeichnung des Kopisten des
17. Jahrhunderts. Von dem ältesten
Epitaph, einer Sandsteingrabplatte
mit großem Hochreliefwappen der Herren
von Gundelfingen und gotischer Rand-
schrift, ist wenig mehr zu entziffern: Anno
clomini 1428,13... brachmon..., nach dem
Grabmalkatalog der Donaueschinger Bib-
liothek ist es ein 1428 verstorbener
Stefan v o n G u n d e l s i n g e n, der an
vierter Stelle dort aufgeführt ist^).

*) Abbildung Kuhn, Kunstgeschichte, Plastik
II, S. 641, Nr. 869; ähnlich in Crailsheim
(Johanniskirche, 1512 und 1514).

2) Bei Keppler, S. 288, ist dieses Epitaph
nicht aufgeführt.

b) Die Donaueschinger Museumstafel mit dem
Bild des Ritters hat die wohl ähnlich lautende
Unterschrift: „Anno Domini 1428 auf den
Xllltag brachmonats starb der wolgeporn her
her Stessan von Gundelfingen frijher dem got
gnedig und barmhertzig sey."

Treffliche Zeichnungen verewigen die
beiden kunstvollen Standbilder Gun-
delfingischer Ritter in Holz und Stein.

Aus Blatt 25 sehen wir die steinerne
Bildsäule des einen, Ekhart (?) nach der
Steiilinschrift, Schweickhardt nach der
Handschrift. Auf einem Löwen am wappen-
geschmückten Sockel steht in Ueberlebens-
größe (2,10 m) der Ritter in voller
Rüstung, Helm mit Straußfedernbusch zu
Füßen, den Streithammer in wenig
kriegerischer Haltung in der Rechten, die
Linke, beschädigt, mit Tiefspalte für das
fehlende Schwert, das die handschriftliche
Kopie noch aufweist. Zn Häupten im
Halbkreis wölbt sich von zwei Engels-
köpfchen am Rand eingefaßt die Inschrift,
welche auch die Antiquitates verzeichnen,
aber ungenau:

„Anno fDominij 1513 starb der wofhjlgeborne
schwickhart [. .khartj von Gundelfingen Freyher
(desssßsen seel Gott gnädig seye)" f„des; seel
der almechtig barmhertzig sein ivoll") heißt's auf
dem Stein0.

Etwas jüngeren Datums ist die noch
bedeutendere Holzskulptur, deren
Ruhm anläßlich der glücklich gescheiterten
Verkaufsversuche seit 1911 in weitere
Kreise gedrungen ift. Auch diese Meifter-
schöpfung eines unbekannten (Ulmer, Augs-
burger?) Bildschnitzers hat der Kopist
der Neufraer Denkmäler in den An-
tiquitates Neufrenses trefflich anfge-
zelchnet (Fol. 38) mit dem Postament
und den neben dem Pfeiler stehenden
Säulen des Chors; es hat demnach seit
Jahrhunderten seinen alten Platz behalten.
Die Inschrift, die am Fuß der Statue
schwarz aufgemalt ist, während die Jah-
reszahl eingemeißelt ist, lautet nach der
Handschrift:

„Herr Steffan von Gundelfingen Freyher der
Jünger 1528." Dies)ist nicht das Todesjahr,
sondern bezeichnet das Jahr der Anfertigung.
Stefan starb 1507.

Der Kopist hat also das heute nach
„Frepher" folgende, ergänzungsbedürftige
„zu" weggelassen oder nicht angetroffen.

Das ob seines Umfangs und Materials,
wie der genialen Stoffbeherrschung und
Ausdrucksfähigkeit vielbewunderte Stand-
bild Stefans von Gundelfingen hat wohl

*) Ganz ungenau in der Niedlinger Ober-
amlsbeschreibung, S. 215. Die Lesung „Erhard"
ist auch nach dem Originalstem unstatthaft; die
Lücke vor dem deutlichen k ist unzweideutig.
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