Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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bisherigen Versuche, die heilige Geschichte durch
die Kunst zu popularisieren, indem man sie tri-
vialisierte, über seine Bedenken gegen ein neues
Unternehmen zur Wiederbelebung religiöser Kunst,
seine Ueberraschung beim ersten Anblick und seine
steigende Bewunderung beim wiederholten Be-
trachten der Werke Burnands und die Bestätigung
seines Urteils durch eine Reihe Kunstverständiger
von abweichenden Kunstanschauungen. Doch die
Bilder mögen für sich selber reden.

(Schluß folgt.)

Literatur.

Hans Holbein d. I., des Meisters Ge-
mälde in 252 Abbildungen, herausgegeben
von Paul Ganz. (Klassiker der Kunst in
Gesamtausgaben Band XX.) Stuttgart,
Deutsche Verlagsanstalt. XL und 269 S.
M. 9.—

Als zwanzigster Band der „Klassiker der Kunst"
ist nunmehr „Hans Holbein d. I." herausge-
kommen. Daß gerade Holbein so lange hat auf
sich warten lassen, könnte eigentlich auffallen,
allein dafür ist der vorliegende Band auch etwas
durch und durch Gediegenes. Kein anderer als
der Basler Museumsdirektor, Professor Paul
Ganz, wohl der beste Holbeinkenner der Gegen-
wart, — derselbe, welcher auch das großartige
Korpus der Handzeichnungen Holbeins gegen-
wärtig herausgibt — hat das Bildermaterial
zusammengestellt, gesichtet und geordnet und
dazu den Text geschrieben. Letzterer gibt sich in
angenehmer schlichter Form ohne jene gesuchte
„Geistreichheit" und jene Unarten „nioderner"
Schreibweise, wodurch heutige Kunstschriftstellerei
so oft zu glänzen sucht. Die kühle Objektivität
und wissenschaftliche Gediegenheit, tvomit der
Verfasser seinen Stoff behandelt, hat etwas von
der Art Holbeins selber. Des Künstlers Lebens-
werk ist nach den vier Hauptabschnitten gegliedert,
die sich aus den wichtigsten Daten der ^ebens-
geschichte Holbeins ergeben: erster und zweiter
Aufenthalt in Basel, und ebenso in England,
wobei letzterer noch einmal zweigeteilt ist in die
Zeit vor und nach dem Eintritt in den könig-
lichen Dienst. Ueberdies sind jedesmal datierte
und undatierte Werke auseinandergehalten, so
daß an Distinktion zum mindesten kein Mangel
herrscht. Den Abschluß bilden Holbeins Miniatur-
bildnisse, ferner die Entwürfe und Kopien unter-
gegangener Wandbilder und endlich die zweifel-
haften Werke. So ist das gesamte Material
über Holbein den Maler in mustergültiger Weise
zusammengestellt in diesem Werke, woraus zu-
nächst alle fernere Holbeinforschung fußen wird
und zuversichtlich fußen kann. Begrüßenswert
wäre es, wenn uns ein späterer Band noch das
gesammelte Holzschnittwerk des Meisters bieten
würde. Der vorliegende Holbeinband ist unter
den bisher erschienenen Bänden der „Klassiker"
eine der allertüchtigsten Leistungen. -ch.

Die Madonna Sixtina. Ein Beitrag
zur Lösung einer alten Streitfrage von
Hans Prob st. Mit 6 Bildern nach

Aufnahmen von F. Bruckmann. Bamberg
(Büchner) 19k 0.

Das anregende Schriftchen gibt einen Ueber-
blick über die bisher gemachten Versuche, die
Haltung und Augensprache der Sixtina zu deuten
und unternimmt eine eigene Erklärung. „Der
Inhalt ließe sich kurz in die Worte zusammen-
fassen: Von den Heiligen des Klosters (das.die
Kirche zu Ehren des hl. Sixtus in Piacenza'er-
baute) eingeladen, zieht die Gottheit in den
neuen Tempel ein." ö.

Mitteilung.

Ein beachtenswertes Werk de r Kunst-
wissenschaft erscheint demnächst unter dem
Titel „Handbuch d er Ku n st miss ens chaft".
Nachdem vor einiger Zeit die französischen Gelehr-
ten ein Handbuch der Kunstgeschichte im wesent-
lichen nach den älteren historischen Gesichtspunk-
ten gruppiert herausgegeben haben, darf man ge-
spannt sein, wie nun die deutschen Kunsthistoriker
ihrerseits nach den modernen kunstwissenschaft-
lichen und pädagogischen Gesichtspunkten die
dringend notwendige Neuordnung und Neubear-
beitung des durch die intensive Tätigkeit der For-
schung ungeheuer angewachsenen künstlerischen
Materials hier vornehmen. Im Gegensatz zu den
älteren Darstellungsmethoden wird hier die Kunst-
geschichte nicht als Künstlergeschichte aufgefaßt,
die mehr dem Wissen als der Kunst dient, sondern
als eine wahrhafte Geschichte der Kunst, im wei-
testen Sinne als eine Geschichte des menschlichen
Geistes, die den Fachmann ebensosehr interessie-
ren wird wie den Kunstfreund, den ausübenden
Künstler und Sammler. Von den Mitarbeitern
sind neben dem Herausgeber, dem durch seine
jüngsten Werke auch in weitesten Kreisen be-
kannt gewordenen Münchener Kunsthistoriker Fritz
Burger, die Professoren Curtius-Erlangen, Hart-
mann-Straßburg, Singer - Dreden, Wulst .und
Herzseld-Berlin, Graf Vitzthum-Kiel, Pinder-
Darenstadt, Wackernagel-Leipzig, Weese-Bern,
Neuwirth-Wien, Egger-Graz, .Willich und.Ober-
bibliothekar Leidinger - München zu nennen.
Das Werk wird in das gesamte ältere wie
jüngere Gebiet der Kunst gründlich und in
lebendigster stilistischer Form einführen und
für alle, die sich aus Neigung oder beruflich
mit der Kunst beschäftigen, ein unentbehrlicher
Ratgeber sein, durch den sich die Akademische
Verlagsgesellschaft Ni. Koch, Neubabelsberg, in
vielversprechender Weise als Verleger einführt.
Eine Fülle trefflichen, selten gesehenen Abbildungs-
materials in der besten Reproduktionstechnik —
in der Offizin Bruckmann-München gedruckt —
wird dazu beitragen, dem wertvollen Inhalt den
künstlerischen Rahmen zu geben, der weit über
das hinausgeht, was man auf diesem Gebiete
zu sehen gewohnt ist. Wir werden auf die Pub-
likation zurückkonunen.

Hiezu eine Kjunstbeilagje:
Bronzeepitaph des Grafen Wilhelm von Zim-
mern in der Stadtpfarrkirche zu^Meßkirch,^ und
Bronzeepitaph des Grafen von Helfenstein
in der Pfarrkirche zu Neufra a. D.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblatt".
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