Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

Seite: 47
DOI Heft: 10.11588/diglit.16253.24
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16253.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.16253#0058
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1913/0058
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
47

selbst schließt eine außerordentlich reiche
Umrahmung mit Pflanzen- und Tier-
ornamenten (Drachen) ein, die ebenfalls
bis zum Abschluß der Nische in köstlicher
Verjüngung emporsteigt.

Diesem Rahmenwerk entsprechen am
Sockel außen von Würfelornament einge-
faßte, innen von zwei verschieden geformten
Masken (Löwenköpfe) geschmückte Pilaster.
Diese schließen die gleich angeführte
Ha uptiuschrift ein. lieber der Nische
erhebt sich eine zweite, von Masken ein-
gerahmte Jnschristtafel. Das ganze ge-
waltige Werk krönt ein von zwei Löwen
umstelltes, reich umrahmtes Wappenschild
der Herren von Zimmern. Die obere
Inschrift umfaßt neben der Ueberschrift
drei Zeilen, das untere metrische Epigramm
in 10 Linien 10 Doppeldistichen.

Epitaphium admodum illustris et generosi
Domini Domini Guilielmi comitis et Domini
in Zimbern Wildenstain et Moskirch Domini
in Oberndorf! et Cimbern Baronatu Schram-
berg etz.

Die eigenartig angeordneten Doppel-
hexameter und Doppelpentameter ant Fuß
des Denkmals lauten:

Terribilis quondam Ausonio gens Cimbrica

bello

Strenuus humanus fidei patronus avitae
Nostro deposuit mitior arma solo
Justus facundus magna nimusque fuit
Ex qua Caesareo comes diplomate facti
Missus ab Imperij Rudolpho ‘) praeside

Romam

Cimbrici in occidua nobile stemma plaga
Ad Sixtum expedijt iussa serena papam.
Quorum cum virtus fastigia summa petisset,
Caesaream gessit personam Franco Furti
Mors heu postremum pressit avara vir um
Ulustres inter cum gravitate viros.
Guilhelmum a Cimbris comitem qui nempe

professus

Quin etiam Austriaca archiduci* 2) praefec-

tus in aula

Italiam Paduae fata suprema subit
Summus ab arcanis consilijsque fuit.
Personis nuptas generosis octo sorores3)
Advectum Italicis a morte cadaver ab oris
Reliquit vivos nobilitate pares
Hic iacet aeterno mens fruiturque Deo.

*) Kaiser Rudolf II., 1576 —1612, in dessen
Diensten zwei schwäbische Nachbarn und Lands-
leute standen: Andreas Jerin von Riedlingen,
Füistbischof von Breslau, und Freiherr Hans
Christoph von Riedlingen. Vgt. Nägele, Andreas
Jerin von Riedlingen. 1911, S. 42, 65 ff.

2) Erzherzog Ferdinand von Oesterreich.

3) Anna (f 1602) an Graf Joachim von
Fürstenberg (f 1598), Apollonia an Graf Georg
von Helfenstein, Johanna an Truchseß Georg

Auffallendermeise erwähnt die Inschrift
nicht das Todesjahr. Nach dem Stamm-
baum der Grafen von Zimmern ist Wil-
helm von Zimmern, als letzter seines
Stammes, Ende des Jahres 1594 in
Padua gestorben, nur 45 Jahre alt. Er war
1549 geboren als Sohn des bekannten Ver-
fassers bzw. Mitherausgebers der Zim-
mernschen Chronik, Graf Froben Christoph
(1519—1563) und seiner Gemahlin Kuni-
gunde, Gräfin von Eberstein. Wilhelm
war der einzige Sohn neben 10 Schwestern,
von denen ihn acht, alle vermählt, über-
leben sollten, die sog. acht Zimmerischen
Erbtöchter, die sich unter manchen Erb-
fchaftsstreitigkeiteiO) in die Hinterlassen-
schaft teilen mußten. Darunter war auch
Apollonia, die ziveite Gemahlin Georgs
von Helfenstein. Der jüngere Georg von
Helsenstein kaufte 1595 mit seinem Bruder
Froben von den Erben die Herrschaft
Meßkirch samt der Feste Wildenstein und
Falkenstein. Hallen wir diese genealogi-
schen Notizen fest als weitere Grundlage
für die künstlerischen Beziehungen zwischen
Meßkirch und Nenfra: Georg Graf von
Helfenstein auf Schloß Nenfra war der
Schwager Wilhelms, des letzten Grafen
von Zimmern.

Ungleich wichtiger ist an kaum beach-
teter Stelle, einem schmalen Rähmchen
des unteren Nischenabschlnsses, ebenfalls
in Majuskeln angebracht, die einzeilige
K ü n st l e r i n s ch r i f t:

Aus dem Feur bin ich geflossen,
Wolfgang Neidhart in Ulm hat
mich gegossen. 1599.

Eine merkwürdige Jnjchlift für ein
plastisches Werk, ganz nach Art der
Glockeninschriften! Und in der Tat, der
Meister eines der herrlichsten Grabdenk-
mäler der deutschen Hochrenaissance,
Wolf g a n g Neid h a r t, war Glocken-
gießer in Ulm und zugleich Stück- oder
Bnchsengießer; beide Knnstzweige waren
in alter Zeit vielfach verbunden mit der

den Dicken, Kunigunde an Graf Berthotd von
Köuigsegg - Aulendorf, Eleouora an Erbscheuk
Johann zu Liiupurg, Sibylla an Graf Eitel
Friedrich zu Hohenzollern-Hechingen, Maria an
Freiherrn Kaspar von Lautiari und Ursula an
Graf Bernhard von Ottenburg.

lj Vgl. Ruckgaber, G., Gesch. d. Grafen von
Zimmern (Rottweil) 1840, S. 237 f., Vochezer-
Sproll, Gesch. d. Hauses Waldburg 111, 1907,

S. 659 s.
loading ...