Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

Seite: 49
DOI Heft: 10.11588/diglit.16253.24
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16253.25
DOI Seite: 10.11588/diglit.16253#0060
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1913/0060
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
49

Den Herkulesbrunnen rühmt einer der besten Ken-
ner jener Zeit, Buff, als„das hervorragendste Brun-
nenwerk der Renaisfance in Deutschland", und
noch jüngst nennt F. v. Miller alle Figuren „auch
technisch im Gusse geradezu Wunderwerke". Bis
1709 blühte die Gießerfamilie der Neidhart.

Nur im Vorübergeheu sei das jenem
Meisterwerk gegenüberstehende zweite
Bronzeepitaph der Martinskirche in Meß-
kirch angeführt, das Reliefstaudbild Gott-
fried Werners von Zimmern, der 1554
starb: der Gras steht aufrecht in voller
Rüstung en face vor dem Beschauer wohl
in Ueberlebensgiöße. Als Künstler gibt
die Inschrift an: „Pancracz Labenwolf
zu Nürnberg auf der Schmelczhütten
gos mich/'

Erstmals hat Roth von Schreckenstein
auf diese zwei bedeutenden Erzeugnisse
des deutschen Erzgnsses, unter denen dem
erstgenannten die Palme gebührt, auf-
merksam gemacht1). Daraufhin hat Franz
Xaver Kraus eine Aufnahme machen lassen
und den Kunstdenkmälern des Großherzog-
tnms Baden mit leider allzu kurzen Worten
eingereiht; der große Kunsthistoriker rechnet
sie zu derr bedeutendsteil Werken der Hoch-
renaissance.

Wenn selbst einem genialen Künstler wie
Peter Bischer die Abhängigkeit von Ent-
würfen bildender Künstler teils nach-
gewiesen, teils mit Unrecht vorgeworfen
wird, wenn I. G. Fischer irr Augsburg
durch seine Holbeinkopien Ruhm erwor-
ben hat, Seb. Daig durch Dürer-
kopien, um wie viel weniger wird wohl
denr Hinter Glockengießer selbständige Er-
findung eines so meisterhaften Porträt-
reliess zugetraut werden dürfen? Die
Krast der Charakterisierung des Helden,
die wundervolle Durchbildung des Einzel-
nen, der packende Realismus inr Ganzen,
die Freude ant Architektonischen und Land-
schaftlichen, die frappante Beherrschung
des Raumes, des großen wie kleinen
Formats^), die Gestalttulgskraft und
Wucht der Komposition: weist das nicht
alles auf jetten Meister hin, der die Herren
von Zimmern ans den Flügelaltären der

*) Anzeiger f. Kunde d. dtsch. Vorzeit. N. F. II
(1857) 1J 3.

2) Worüber sich Kötschau wie der Totengräber
seiner Behamhypothese, Pöllmann, wundern. Hist.-
pol. Blätter 142 (1908) S. 422.

Burgkapelle auf der Feste Wildenstein und
Falkenstein so tnarkig porträtiert hat?

Viele Züge im Bilde des Gottfried von
Zimmern in Donaueschingen erinnern an
das Bronzeepitaph des letzten Grafen
Wilhelm. Und wenn P. Ansgar Pöll-
niaiui auf Grund urkundlicher Notizen
und stilistischer Erwägungen das steinerne
Grabmal der Aebtissin Veronika von
Nietheim (P 1551) im Kreuzgang in
Heiligkreuztal ans Entwürfe ihres künst-
lerischen Amannensis, Jerg Ziegler,
des von ihm entdeckten Meisters von
Meßkirch, zurückführen zu dürfen glaubt^),
ebenio wie das später gemalte Epitaph
der Heilen von Grüningen-Landan als
späte Arbeit ans seiner Werkstatt, bann
wird mit gleicher, wenn nicht größerer
Wahrscheinlichkeit das ttoch mehr die Art
des Meisters Jerg verratende Erzbild
eines weltlichen Herrn ans der Künstler-
hand des Meisters von Meßkirch stammen
und hierauf erst von Neidhart gegossen
worden sein. Wohl statb Jerg Ziegler
nach ben wenigen Andeutungen Pöll-
manns, die sein mit Spannung allent-
halb erwartetes, aber immer noch aus-
stehendes Werk ankmidigte, im Jahre 1559,
64 Jahre alt, aber seine Werkstatt be-
stand noch bis in die ersten Dezennien des
17. Jahrhunderts^). So mögen, wenn nicht
der Meister selbst zu seilten nttd der
letzten Zimmern Lebzeiten, seine Söhne,
Schüler oder Werkstattnachfolger dem
beanftragteit Erzgießer Wolsgang Neid-
hart nach ben Grundsätzen oder Vorlagen
des Meisters unser Meßkircher Nitterepitaph
entworfen haben.

Nur einer von den archivalischen Fun-
dett sei hier noch mitgeteilt. Nach dem 2

') Hist. pol. Blätter 142 (1908) S. 435.

2) Nach dein von ?. Ansgar Pöllmann in der
angeführten Abhandlung (S. 436) versprochenen
weiteren Nachweise hat die Zieglersche Schule so
stereotyp wie keine andere die Bahn ihrer Tra-
dition eingehalten, die späte Werkstatt zu Meß-
kirch noch anno 1620 Kolorit und Malweise des
Begrürrders haarscharf bis zur Kopie eingehalten,
wie die Walchersche Predella in der Akadeniie zu
Stuttgart und andere Werke zeigen; ein halbes
Jahrhundert lang habe in den Gegenden, wo
Jerg Zieglers Wiege und Werkstatt standen, sein
Geist übers Grab hinaus gewirkt. 1580 zog ein
welscher Maler mit Weib und Kind in Meßkirch
ein (ebda. S. 437 nach einer anderen Urkunde im
Fürstenbergischen Archiv).
loading ...