Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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Exzerpt eines mir näher bekannten Wib-
linger Mönchs im Ulmer Stadtarchiv mar
der Preis desNeidhartscherr Krrnst-
merks 40 6 6 Gulden. Nicht viel
weniger mag das Nenfraer Monnment ge-
kostet haben.

Und an solcher Schöpfung des Meisters
oder seines Geistes Erben sollte auch wohl
einigen Anteil erhalten das andere in
Oberschwaben mächtige, den Zimmern
nächst verwandte uub gleich jenen dem
Aussterben nahe Geschlecht der Grafen
von Helsenstein auf Schloß Neufra.

Um zu einer Entscheidung zu kommen,
bedarf es wohl vor allem der Konfron-
tation des Meßkircher Epitaphs mit dem
Nenfraer. Ob wir das Werk als Großes
und Ganzes oder seine plastischen, de-
korativen Einzelheiten in Entwurf und
Ausführung vergleichen, jedesmal wird
eine auffallende Uebereiustunmuug oder
offenkundige Verwandtschaft sich ergeben,
die auf gleiche Werkstatt oder Schule
schließen läßt.

Der Uebereinjtinnuungeu und Aehnlich-
keiten in den wesentlichsten Teilen sind
es weit mehr, als der Verschiedenheiten
in unwesentlichen Nebensachen. Vollstän-
dig gemeinsam ist beiden der architektonische
Aufbau vom Sockel bis gnm Giebel, die
Einteilung der einzelnen Bauglieder der
Hochreliefsassade, die Gliederung durch
Stäbe, Profile, Gesimse, die Anordnung
der Pilaster und deren Ausschmückung mit
Wappen und Kapitellen, die Verteilung
der Hauptinschriften mit Ausnahme der
nur auf dem Nenfraer Werk beigefügten
dritten, die Grundidee der plastischen
Ausschmückung der Nische; die Bekrönung
des Ganzen durch einen wappenum-
schließendeu Aufsatz.

Unwesentlich differieren beide in den
Höhen- und Breiteumaßen, in der Rand-
umrahmung, in der entgegengesetzten
Profilstellung der Hauptperson und in
kleinem Beiwerk der Reliefplastik in der
Nische. Diese ganz unwesentlichen Unter-
schiede fallen bei der Gleichheit des Stils,
der gleich sorgfältigen Technik des Erzgusses,
der Identität in Entwurf und Ausführung
kaum ins Gewicht.

Die N i s ch e mit denl Bildnis des Grafen
Georg von Helfeustein ist 1,74 m hoch,
1,27 m breit, die ganze Breite mit den

Pilastern beträgt 1,17 m. Ein Ritter in
voller Rüstung kniet vor den: Bild des
Gekreuzigten, die Hände gefaltet, Helnl
und Handschuh zu Füßen, das markige
Gesicht zum Heiland gewendet, ein aus-
drucksvolles Profil, voll Energie nnb
Selbstbewußlsein, aber nach der Sprache
der Falten und Furchen auch von
Mühen und Leiden redend. Der Gras von
Helfenstein wendet sich vom Beschauer aus
nach links, Graf Wilhelm von Zimmern
auf dem Meßkircher Grabmal nach rechts.
Beider Harnische sind reich geschmückt
mit Ornanrenten; noch reicher der des
Herrn von Zimmern, wie auch die Gestalt
dieses Ritters (1,28 m hoch) um etwas
höher ist. Denr Herrn von Helfenstein
ist nur eine Waffe beigegeben, das Lang-
schwert, während Gras Wilhelm dazu noch
den kurzen Dolch trägt. Ein Bauiu
gliedert beidemal die Fläche soivie archi-
tektonischer Hintergrund, auf dem Neufraer
Relief weniger ausgedehnt und mehr
flach, offenbar das Schloß Neufra dar-
stellend, ähnlich wie an einem Straßberger
Grabmal. Die Stelle des Leibpferdes des
Herrn von Zimmern nimmt hier weniger
künstlerisch noch ästhetisch eine lange Jn-
schrifttafel ein. Die Nische ist in Neufra recht-
eckig ohne Bogeneiufassuug gelassen. Wir
sehen aus diesen mehrfachen untergeord-
neteu Differenzen den Charakter des
Frühwerks des Erzgießers gegenüber der
späteren vollendeten Technik von Vater und
Sohn auf denr Meßkircher Monument vorn
Jahr 1599, die Wirkling des Unterschieds
voll vielleicht 20 Jahren. Statt der Drei-
teilung des ivrrudervolleu Rahmenwerks in
Meßkirch erblicken wir in Neufra nur Ara-
besken auf der Außen- und Innenseite der
Pilaster. Statt des korinthischen Kapitells
haben wir hier ein jonisches, darüber Löweu-
maul mit Ring, dort schlaugenumwundene
Maskenköpfe, ähnlich anr Sockel, statt
der Zweiteilung der Sockelumrahurung
mit Würfelkartusche und Masken zwei
Wappenpfeiler, welche wie dort die In-
schrift am Fuß einfassen.

Nur G e s i m s und A u f s a tz ist auf unse-
rem Helsensteiner Monument etwas mäch-
tiger, rnehr irr die Höhe und Breite wachsend.
In Meßkirch umrahmen zwei aufrecht
stehende, einander abgewandle Löwen
das einzige Wappen der Herren von
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