Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

Seite: 92
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etwa für Gymnasisten der höheren Klassen oder
Akademiker.

Tübingen. Ludwig Baur.

Freiburger Münsterblätter, heraus-
gegeben vom Münsterbauverein Freiburg
i. Br. VIII. Jahrgang. 1912 (Herder).
Ein kirchliches Bauwerk, das wie das Freiburger-
Münster, als monumentum aere perennius, eine
so eminente Geschichte aufzuweisen hat, ist wohl
auch würdig, ein literarisches Moimment zu
erhalten. Die vom Freiburger Münsterbauverein
seit acht Jahren herausgegebeueu und von der
Herderschen Verlagsbuchhandlung aufs glänzendste
ausgestalteten Freiburger Münsterblätter- tragen
in vollgültiger Weise diese Ehrenschuld ab und
ebenbürtig schließt sich der letzte Jahrgang 1912
seinen Vorgängern an. K, Schuster behandelt
darin die Gräber im Münster unv fügt ein alpha-
betisches Verzeichnis der im Münster Begrabenen
an. Ör. Albert setzt mit gewohnter Präzision
seine Urkunden und Regesten zur Geschichte des
Freiburger Münsters fort mit Urkunden aus den
Jahren 1437 bis 1456. Sehr interessant sind
die Ausführungen Emil Kreuzers über „den
leitenden Grundgedanken des Bilderschmucks am
Münsterhauptportal".

H. Flamin behandelt den Werkmeister des Frei-
burger Münsterchors Hans Nierenberger von Graz
(1471—1491). Beachtenswert und für eine
Geschichte der süddeutschen St. Gevrgsbrunnen
recht wohl verwertbar ist der Nachtrag von
Karl Schuster zum Georgsbrunuen auf dem
Münsterplatz, den die Münsterblätter (VII 1911,
88 ff.) behandelt hatten. Mögen die Münsterblätter
die ivohlverdiente Beachtung aller an der Geschichte
der kirchlich-christlichen Kunst interessierten Kreise
finden.

Tübingen. L u d w i g B a u r.

Kunst und Heilige. Ein ikouographisches
Handbuch zur Erklärung der Werke der
italienischen und deutschen Kunst von
M. Liefmann. Jena (Diederichs) 1912.
319 S.

(Sin sehr verdienstliches Buch! Es gibt in
kurzer Zusammenfassung die biblischen Erzählungen
sowie die Heiligenlegenden wieder, welche in der
italienischen und deutschen Kunst besonders häufig
Gegenstand künstlerischer Behandlung waren. In
alphabetischer Folge werden die einzelnen Heili-
gen behandelt und der Inhalt des Buches außer-
dem durch ein Register der Gegenstände und
Motive, die nicht auf einen bestimmten Namen
lauten, leichter zugänglich gemacht. Natürlich
kann es sich in diesem Büchlein nur um das ob-
jektiv Gegenständliche handeln, nicht um Namhaft-
machung der einzelnen Kunstwerke, ihre ästhetische
Wertung, die in ihnen enthaltenen Gefühlsmo-
mente u. dgl. Der Verfasser hat gut daran ge-
tan, daß er sich des Rates eines durchaus kom-
petenten katholischen Kunsthistorikers versicherte,
des Herrn Prof. Dr. I. Sauer in Freiburg.
Das ist seinem Buche insofern zu gute gekommen,
daß jene sonst so zahlreichen Fehler, die sich so
häufig aus der Unkenntnis katholischer Lehren oder-
liturgischer Gebräuche oder volkstümlicher An-
schauungen ergeben, vermieden wurden. Die

vorgenomnrenen Stichproben ergaben keinen An-
laß zu Beanstandungen. So darf das Büchlein
als sehr nützliches Nachschlagewerkchen warm
empfohlen werden.

Tübingen. Ludwig Baur.

Materialien zur B i b e l cs e s ch i ch t e und

religiösen Volkskunde des Ai i t t e l-
alters von Prof. Lic. Hans Vollmer.

Band I. Berlin (Weidmann) 1912. VII tu
214 S. (mit 20 Tafeln). Preis 12 Alk.

Der Verfasser untersucht in diesem bedeutungs-
vollen und für die Kunstgeschichte hochinteressanten
Werk eine Literaturgattung auf ihre Illustration
hin, die bisher weder von der Theologie, noch
von der Germanistik, noch voir der Kulturge-
schichte die gebührende Beachtung erfahren hatte:
die deutschen Historienbibeln des 15. Jahrhunderts.
— Die französischen Historienbibeln hat Samuel
Berger behandelt, die niederländischen Jsaac
le Long und van Druten, Hoogstra, Ebbinge-
Wubben, — die deutschen Eduard Reuß, Theodor
Merzdorff und Ewalo Gleißberg (Diss. 1885).

Diese deutschen Historienbibeln sind „deutsche
Prosatexte, die in freier Bearbeitung den bibli-
schen Erzählungsstoff, möglichst vollständig, erwei-
tert durch apokryphe und profangeschichtliche Zu-
taten und unter Ausschluß oder doch Zurück-
dränguug der erbaulichen Glosse darbieten" (5).
Die Gruppierung der Texte vollzieht der Ver-
fasser zu einenr Teil ähnlich wie schon Merzdorff
(bzw. Zarncke), zuur andern selbstäirdig. Die ^Ab-
handlung betrifft die oberdeutschen und die mit-
teldeutschen Historienbibeln. Daran schließt sich
ein beschreibender Teil. Der Verfasser hat hie-
für mit Hilfe Hamburgischer Stiftungen mit un-
gewöhnlichem Arbeitseifer zusammengesucht, was
sich für seinen Zweck in den wichtigsten Biblio-
theken Deutschlands, Oesterreichs, der Schweiz,
Belgiens, Englands und Frankreichs finden mochte.
Eine eingehende Beschreibung der Handschriften
gibt dem Ganzen die wissenschaftliche Unterlage.
Die stattliche Anzahl, die das alphabetische Ver-
zeichnis der Handschriften aufweist, läßt ahnen,
welche ungeheure peinliche Arbeit in dem auch
durch feine Jllustrationeir wertvollen Buche steckt.

T ü b i u g e n. Ludwig Baur.

Die Deutsche Gesellschaft für christ-
liche Kunst, M ü n ch e n, Karl st r a ß e 6,
versandte kürzlich zugleich mit einem künstlerrschen
Gedenkblatt an den großen Kunstmäzen Prinz-
regent Luitpold von Bayern ihren 20. Jahres-
bericht (1912). Sie blickt mit Genugtuung aut
die verflosseneir zwei Dezennien segensvoller- Arbeit
und nützlicher Opfer zurück. Ihre 20 Vereins-
gabeu bilden eine prachtvolle christliche Kunst-
geschichte unserer Tage. Die Gesellschaft sucht
ihre Hauptaufgabe darin, der christlichen Kunst
einen fruchtbaren Boden zu schaffen, ihr Kampf
gilt denr wuchernden Unkraut und unerleuchteter
Gleichgültigkeit, ihre Fürsorge richtet sich auf die
Vertiefung der künstlerischen Leistungen, auf Er-
weiterung des Schaffensgebietes, auf Aneiferung
der Kunstfreunde; ihr Hauptstreben gipfelt in der
Zusammenführung der Künstlerschaft mit dem
Klerus und allen Kunstfreunden. Statuten stehen
gerne zur Verfügung und sind zu erhalten von
der Geschäftsstelle München, Karlstraße 6.

Stuttgart, Buchdruckerei der Akt.-Ges. „Deutsches Volksblntt".
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