Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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klingen lassen, welche dann in dem oberen
Teil des Altars weiterklingt und ausklingt.

Die Predella erscheint als ein Schild,
aus dessen Goldgrund uns in erhabenen
Buchstaben die Worte
aus der Geheimen
Offenbarung entge-
genglänzen: Selig

sind die Toten, die in
dem Herrn sterben.

Die ebenfalls golde-
nen modernisierten
Verzierungen der
Predella treten stark
hervor und erhalten
ihre Fortsetzung und
kräftige Weiterent-
wicklung in der gol-
denen Ornamentik,
welche den Rahmen
der oberen Bilder-
gruppe umzieht und
sich mit demselben
organisch verbindet.

RachDetzel (Christ-
liche Ikonographie II
S. 456) wurde der
Tod des hl. Josephs
von den Malern des
16. und 17. Jahr-
hunderts, besonders
in den Kirchen und
Klöstern der Augu-
stiner und Karme-
liten, so dargestellt,
daß Christus uebeu
dem Sterbebett sitzt
und die heilige Jung-
frau betend mit ge-
falteten Händen, bis-
weilen auch der hei-
lige Johannes, dabei-
steht. Die neuere
Zeit kennt noch an-
dere Kompositionen,
bei welchen St. Jo-
seph im Lehnstuhl
sitzt, rechts von ihm Kruzifix in der
ist Maria, knieend, äu §

und links Christus, stehend. An diese
letztere Darstellung lehnt sich das Hor-
ber plastische Altarbild an. Der Ster-
bende ruht in einem Lehnsessel: der Mund
geöffnet, die Augen fast ganz geschlossen,

die abgemagerten Hände gefaltet; das
Unterkleid weiß, über den Füßen ein roter
Teppich. Rechts von ihm steht Christus
in grünlichem Gewände und schmiegt sich
mit seiner Wange an
die Stirne des Hei-
ligen an. Maria, wie
eine Ordensfrau ver-
schleiert, kniet vor
Joseph, die rechte
Hand auf der Brust,
mit der liukeu hält sie
deu Arnl des Ster-
benden, wie um von
ihm Abschied zu neh-
men. Ihr Kleid ist
rot, ihr Mantel blau;
ihr Antlitz kündet
Schmerz und Er-
gebung. Das Gesicht
ist porträtartig, nicht
das gewöhnliche
Schema.

Jin Vordergrund
der Gruppe erblickt
mau einen Stuhl mit
Gefäß und Hand-
tuch, wie man sol-
ches in einer Kranken-
stube braucht, lieber
der Krankenstube öff-
net sich der Himmel
und man sieht stili-
sierte Wolken, Licht-
glanzstrahlen und
zwei Engelsköpfe in
Barock.

Die Stifterin des
Altars war Mitglied
des Dritten Ordens
des hl. Franziskus
und Mitglied der in
Horb blühenden Ro-
senkranzbruderschast.
Deswegen wurden
an unserem Altar
seitlich auch die Sta-
Stadtpfarrkirche tuen von St. Fran-
ziskus und St. Do-
nlinikus angebracbt, intb zwar auf Posta-
menten, welche mit der Mensa des Altars
verbanden sind. Franziskus steht auf der
Evaugelienseite, in der erhobenen Rechten
das Kreuz, in der Linken ein Buch, zu
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