Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

Seite: 100
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seinen Füßen ein vergoldeter Dornenkranz,
auf welchen: ein Vöglein sitzt. Dominikus
mit dem Rosenkranz steht ans der Epistel-
seite, unter ihm der Hund mit der Fackel.
Beide Figuren sind ganz vergoldet, jedoch
erscheint der Habit bei St. Franziskus
zienckich rauh, während er bei St. Do-
minikus nicht so stofflich behandelt ist.
Eine schöne Zugabe bei den Postamenten
sind die beiden stoffartigen Behänge,
welche die glatte Holzfläche beleben und
die Wappen des Franziskaner- und Do-
minikanerordens zur Anschauung bringen.

Noch ein Wort über die Ausstattung
des Altars. Auf den: Altartisch ovale
Kanontafeln und ein schwarzes Meßpult
mit Fruchlkörbchen zu beiden Seiten
unb mit durchbrochener Platte, welche die
Zimmermannssymbole zeigt. Ans der
Leuchterbank modernisierte Leuchter und ein
merkwürdiges 80 cm hohes Kruzifix,
welches als Baum behandelt und teilweise
einem aus der Filialkirche Jhlingen stam-
menden Kreuze nachgebildet ist. Oben in
hebräischer, griechischer und lateinischer
Sprache die Inschrift: Jesus von Nazareth,
der König der Juden. Unten reiches
schönes Wurzelwerk, ans welchen: das
Skelett Adan:s hervorragt, durchzogen von
der versilberten Schlange, welche den gol-
denen Apfel trägt. Christus hat ein langes
Lendentuch; seine Haarlocken erinnern an
altdeutsche Behandlung. Das ganze Kreuz
ist, mit Ausnahme der Christnsfigur, ans
Einen: Stück geschnitzt und mit Wachslack
überzogen, so daß man die Holztechnik
noch durchsetzen kann. Der Schädel von
Adan: soll anatomisch richtig sein.

Je mehr und je länger wir den Altar
in seine:: Einzelheiten betrachten, desto
mehr will er uns gefallen, und wir haben
das Empfinden, daß es den Künstlern
Hausch und Klink Freude und Lust ge-
wesen sein n:uß, an dem Werke zu ar-
beiten und dasselbe immer n:ehr zu ver-
vollkoinmnen.

Allein wir dürfen nicht unerwähnt
lassen, daß die Wirkung in die Ferne zu
der Kunst am Altäre nicht in ganz rich-
tigen: Verhältnis zu stehen scheint, und
daß hier das künstlerische Genießen unter
einem gewissen Etwas leidet. Was ist
dieses Etwas? Stört vielleicht die Nähe

der Kanzel? Oder stört das oft so reich-
lich von: Licht übergossene Gold? Oder
wollen sich die vertikalen Linien der Pfeiler
mit den Kreislinien am Altäre nicht recht
verschmelzen? Ist nicht der Altar an sich
eine etwas frenldartige Erscheinung gegen-
über seinen Gespielen? Würde nicht die
ganze Situation sich ändern, sobald ein-
mal ein zweiter oder dritter Barockaltar
an den anderen Pfeilern angebracht wäre?

Wir wagen es nicht, einer Versetzung
des Altars das Wort zu reden, würden
uns aber doch freuen, wenn probeweise
eine Versetzung vorgenoininen werden
könnte mit solchen: Erfolge, daß das
herrliche Kunstwerk sich ohne weiteres die
ihm gebührende Anerkennung zu erzwingen
wüßte.

Von: rein religiösen Standpunkt aus
betrachtet, wird der St. Josephsaltar, so-
lange er besteht, vorzügliche Dienste leisten
— den Mitgliedern des Dritten Ordens
und den Mitgliedern der Rosenkranz-
bruderschaft und der Todesbrnderfchaft.
„Zur Todesbrnderfchaft gehören wir alle,
wie wir alle von der Bruderschaft der
Sünde sind."

Hiezu eine Kunstbeilage:
Josephsaltar in Horb.

Avvoyeey.

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§ Spaniens 1
§ alte Jesuitenkirchen, §

O Ein Beitrag zur Geschichte der nachmitlel- O
O alterlichen kirchlich. Architektur in Spanien §

o Von Joseph Braun 8. J.

Mit 14 Tafeln und 27 Abbildungen
im Text. (112. u. 113. Ergänzungsheft
zu den „Stimmen aus Maria-Laach".)
gr. 8" (XII und 208 S.) M. 4.80.
Soeben erschienen.

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q über die belgischen und die deutschen Je- 0
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