Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 31.1913

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Kirchen verschwinden, da dieselben sehr
oft beim Sturmwind das Dach beschädigen.

Seitenemporen sind von vielen Pfarrern
wohl mit Unrecht gefürchtet. Solche,
welche die Heiligkeit des Ortes mißachten,
findet man auch in Kirchen ohne Seiten-
emporen. Dieselbeil bieten viel Raum
ohne wesentliche Mehrkosten und geben
den Kirchen oft etwas Stimmungsvolles.
Nur müssen oie Stühle die gleiche Rich-
tung erhalten wie die im Schiff der Kirche.
Die Treppen zu denselben sind nur aus
Kunststein zu fertigen, und wegen des Ge-
räusches nie aus Eisen.

Begrüßenswert ist, daß man in neuerer
Zeit die Gesamtinneneinrichtung wenigstens
einen Architekten zeichnen läßt, um so
etwas Einheitliches zu erhalten. Leider
wird nachher oft durch die verschiedene
Art der Fassung der Altäre und Kanzel
die Einheit wieder zum Teil zerstört. Für
den Unterbau des Altares foüten die kirch-
lichen Vorschriften aufs genaueste ein-
gehalten werden. Die Fundamentierung
sei gut, die aufsteigeilde Feuchtigkeit muß
durch Isolierung znrückgehalten werden.
Die Stufen sollen 15 cm hoch und 35 cm
tief sein. Für die Mensa gelten folgende
Maße: zirka 2,50 bis 3 m Länge, 95 cm
Höhe und 50 bis 55 cm Tiefe bis znnl
äußersten Rand der Tabernakeltüre ge-
messen. Den Tabernakel sollte man heute
immer diebessicher fertigen lassen. Doch
sind ailch Eisentabernakel wegen der Feuch-
tigkeit innen mit Holz zu verkleiden. Der
Hochaltar soll nicht eine kleine Kirche in
der Kirche sein, doch soll demselben das
konstruktive Element auch nicht allzusehr
abgehen. Die Architekten werdeli wegen
der Höhenwirknng möglichst kleine Sta-
tuen am Altäre wünschen; auf der anderen
Seite möchte man aber bei den kleinen
Figürchen ausrnfen: „Mich erbarmt des
Volkes." Jene Altäre werden immer am
besten befriedigen, bei welchen das Heiligen-
bild nicht von der Architektur erdrückt wird.
Dem Bilde, nicht der Umrahmung soll
das Auge zugewendet werden. Gefaßte
Altäre sind den Eichenholzallären in aus-
gemalten Kirchen vorzuziehen, weil letztere
in denselben nicht zur rechten Wirkung
kommen.

Die alte Kirche zu Garmisch und
ihre aufgedeckten Fresken.

Von I. S u l z in a n n.

Hell hebt sich im Sonnenscheine der
spitze und gleich der ganzen Kirche schindel-
gedeckte Tnrmhelm des alten Garmischer
Gotteshauses vom dunklen, bewaldeten
Krnnlerberge ab; und mail denkt an eine
jener schlichten, anheimelnden Dorfkirchen,
die sich so gut in die Gegend fügen, das
Interesse des Kunstkenners aber kaunl
ernstlich wachrnfen können. Rach Ueber-
schreiten der Loisach nähert man sich rasch
der Kirche. Run gewahrt man die geknppel-
leit romanischen Oeffnungen des Turmes,
die auf sein hohes Alter schließen lassen.
Die geradlinige Fassade macht einen naiv
unbeholfenen Eindruck. Die rechte Seite
beherrscht der quadratische, gegeu Ende
des 13. Jahrhullderts unter Pfarrer
Ulrich, dem ersten nachweisbaren, in
Garnlisch voll 1285—1323 angestellten
Pfarrer, erbaute Turm. Derselbe lvar
ursprünglich freistehend, und wurde erst
unter dem von 1415 — 1449 amtieren-
den Weihbischof Albert, einem Mino-
riteli, anläßlich einer Erweiterung des
Gotteshauses in dasselbe einbezogen.
Damals erhielt der Turm auch durch Um-
bail des obereu Teiles seine heutige Ge-
stalt. Von links lehnt sich das hier bis
etlvns über seine mittlere Höhe reichende
Satteldach an den Turm all. Das go-
tische Eingangstor befindet sich also nicht
lnehr in der Turnlbasis. Nach dem Ein-
tritt hat man niedere, netzartige Kreuz-
gewölbe über sich, welche links in eine
Säule auslaufen, rechts in dem nlassigen
Eckpfeiler des Turmes eildigeli. In den
dilrch das Einbanen des Turmes seitlich
neben dieseln geschafselien vertieften Ranm
ist eine Empore eingezogen, so daß also
auch diese Art Vorhalle, durch die »lall
eiutritt, geradlinig gegeli das Schiff stößt.
Dasselbe ist nicht sehr groß, jedoch ver-
hältnismäßig hoch durch die im Anfang
des 16. Jahrhunderts geschehene Ein-
wölbung. Das Schiff war jedenfalls ur-
sprüllglich niederer Ulld flach gedeckt, und
mau wird nicht fehlgehen, weilil mau die
Entstehung des Kirchleins ins I I. Jahr-
hundert zurück versetzt. Vier netzartige
Gewölbe überspanneu heute die Halle, zu
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