Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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Rommissions-Uerlag und Druck der Bknen-Gesellschaft „Deutsches Dolksblatt" in Stuttgart.

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€in Gang durch restaurierte
Kirchen.

Von Pfr. S ch ö n i n g e r, Haslach, OA. Tettnang.

In Jngoldingen, OA. Waldsee, haben
wir zuletzt die Werke der Gebrüder Mez-
ger in Ueberlingen betrachtet und gewür-
digt. Ein liebenswürdiger Konfrater aus
der Diözese Frelburg inachte uns auf-
merksanl auf einige weitere Leistuugeu
derselben Meister in Niedöschingen bei
Donaneschingen. Es ist eine golische
Landklrche aus dein Ansgang des fünf-
zehnten Jahrhunderts (1495), welche in
sehr gelungener Weise (1905 ff.) haupt-
sächlich von Gebrüder Mezger erneuert
wurde. Hochaltar und Chorbogeugemälde
sind von denselben und zeigen die Vor-
züge der Meister: inniges, liebevolles
Hineinleben in den spätgotischen Stil und
verständiges, fast peinlich genaues Nach-
bildeu desselben iin Altarbau. Das Ge-
mälde ist, nach der Photographie beur-
teilt, eine entzückende Komposition: der
Gnadenstnhl umgeben von einein dop-
pelteil Engelkranz, zu beiden Seilen die
Heiligen aller Stände. Die Nebenaltäre
von Marmon in Sigmaringen bekunden,
daß auch in dieser Werkstatt Hervorragen-
des geleistet wird.

Es freut uns, daß die Ellwauger Lands-
leute in Baden solche Anerkennung fin-
den, und wir wünschen, daß ihre Kunst
nicht abnehme, sondern fernerhin denl
schwäbischen Kunstleben im Nachbarland
zur Empfehlung diene. Von Jngoldingen
mit seiner interessanten, aber fast ganz
neuen Kirche wandern ivir über Auleu-
dors, die heutige Residenz und auch die

Grablege der Gräflich Königseggschen
Herrschaft, zu deren Stammsitz, der Burg
Königsegg und dem unweit davon gele-
geilen Königseggwald. In Anlen-
dorf harrt die große, dreischiffige Kirche
noch einer völlig stilgerechten Erneuerung,
die allen Teilen des vielfach umgemo-
delten Gotteshailses gerecht wird. Im
südlicheil Nebenchor stehen wir erstaunt
vor den klassisch schönen Grabdenkmälern
des Geschlechts aus der Wende des 18.
und 19. Jahrhunderts. Ein größeres
ilnd in seiner Art auch klassisches Denk-
mal hat am Ausgang des 15. Jahrhun-
derts ein Konstanzer Domherr, Hans von
Königsegg, 1481, in Königseggwald sich
und dem ganzen edlen Geschlecht gesetzt:
eine ganze Kirche, die heule noch dasteht,
wie aus Einenl Guß.

Es ist ebenfalls ein dreischifsiger Bau,
kleiner, aber seiner als die Anlendorfer
Basilika, ganz gewölbt in zierlichen Stern-
und Netzgewölben, mit etlichen Besonder-
heiten, wie wir sie manchmal an spät-
gotischen Kirchen finden: Deviation des
Chors, Verschiedenheit der Seitenschiffe,
gewölbte Empore mit Schneckenstiege.
Außerdem birgt der Bau (vor der Er-
ueuerung) ein mächtiges, zusammengesetz-
tes Hochaltarwerk, einen alten Wand-
tabernakel und Taufstein, beide ans der
Erbaunngszeit. Der etwas unförmliche
Turm hat immerhin einen charakteristischen
Abschluß, wohl an Stelle eines früheren
Satteldachs.

Die St. Jörgenkirche ist in löblichem
Eifer schon einmal pnrifiziert und ver-
renoviert worden anno 1875 mit einem
Kostenaufwand von beinahe 18 000 M.
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