Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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mit seiner reichen Ausbuchtung ohne wei-
teres an solche erinnert.

Einer besonderen Erwähnung bedarf
noch der Chor. — Derselbe ist geräu-
mig und gestattet auch eine etwas reicher
ausgestallete Liturgie. Die Maße sind
annähernd 9 : 9 Meter. Es ist in neu-
erer Zeit mehrfach die sehr verwerflrche
Tendenz helvorgetreten, den Chor katho-
lischer Kirchen nur sehr kümmerlich klein
zu gestalten. Das
ist bei protestan-
tischeuKirchen ver-
ständlich, wo keine
Opferliturgie ge-
feiert wird; bei
katholischen Kir-
chen ist es durch-
aus unzulässig.

Hier bildet der
C h o r, die Stätte
des liturgischen
Opfers, unbedingt
dieHaupts ache.

Der Architekt, der
eine kataolnche
Kirche baut, darf
nie vergessen, daß
die Opserliturgie
der katholischeil
Kirche genügend
Platz braucht, um
würdig und feier-
lich begangen §u
werden. Die hie-
ratische katholische
Liturgie hat außer-
dein, wie alles
Geheimnisvolle,
ein stark arislokra-
titches Gepräge.

Das sollte inan
nre aus dem Auge
lassen. Sie for-
dert Ehrfurcht, Distanz! Sie erträgt
es nicht, daß die Gläubigen in unmittel-
bar ster Nähe der heiligsten Geheimnisse
sich befinden. — Darum brauchen wir
— auch bei kleineren Kirchen — einen
angemessenen, nicht zu kärglichen Chor-
raum. In dieser Hinsicht darf der Chor
in Aalen als genügend groß erscheinen.

Links vom Chor sind die Naumlich-
keiteri für eine sehr praktisch angelegte,

geräumige Sakristei, die ein Ober- und
Untergeschoß aufweist. Im oberen Ge-
schoß befindet sich die eigentliche Sakristei,
die, bequenr eingerichtet, auch für die
Parameulenkästeu genügend Platz bietet.
Das Untergeichoß kann passend benützt
werden als Schulraum etwa für den Kom-
munionunterricht, oder als Uebungsraunr
für den Kirchenchor, oder als Sitzungs-
saal für den Kircheustistuugsrat. Man
wird gut tun, eine
derartige, übri-
gens auch bisher
schon, z. B. von
Cades, öfter ge-
troffene Einrich-
tung der Zukunft
wegen ins Auge
zu fassen.

Der Raum un-
ter dem Chor ist
hohl und dient
als Heizungsan-
lage. Das will
dem Referenten
nicht recht sym-
pathisch erscheinen:
vor allem das
nicht, daß derAltar
aus einem Hohl-
raum steht, anstatt
aus dem geivach-
feneu Boden her-
aussichzu erheben.
Ich weiß zwar
augenblicklich da-
gegen keine posi-
tive Entscheidung
der zuständigen
kirchlichen Behör-
den anzuführen,
glaube aber doch,
daß das natür-
liche Gefühl schon
stark genug für eine unmittelbare Ver-
bindung des Altars mit der Erde spricht.
Jedenfalls spricht die Geschichte des
christlichen und außerchristlichen Altar-
bans für letztere. Rechts vorn Chor
schließt sich der quadratische Turm au
(die Quadratseite mißt 7,10 Meter). Irr
denselben sind zwei Aborte eingevaut..
Ber der Enlferinrug der Kirche von der
eigentlichen Stadt mußte man auch in
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