Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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und Proportionen von Odilo Wolfs.
Wien (A. Schroll) 1913. 98 S. mit

Illustrationen. Preis Al. 7.50 (9 Kronen).

Die Untersuchungen des P. Odilo Wolfs über
die Tenipelinaße, das Werk einer 30jährigen,
unverdrossenen und wohlüberlegten Forscherarbeit,
hat in allen Facb.kreisen die wohlverdiente Be-
achtung und soviel ich sehe durchweg grund-
sätzliche Zustimivung gefunden. Der gelehrte
Verfasser kündigte in „Tenipelinaße" eine wich-
tige Ergänzung zu den dortigen Untersuchungen
an, einen Nachweis, daß auch der Tempel zu
Jerusalem diese „aede5 sacra ultra omnia
mortalia illustris", wie Tacitus ihn nennt, dem
sakralen, hieraiischen Baugesetz des doppelten
gleichseitigen Dreiecks sich füge. Ter Nachweis
ist hier schwieriger als irgendwo anders. Denn
vom Tempel von Jerrisalem ist kein Stein mehr auf
den, andern geblieben. Nur die Umfassungsmauern
des heutigen Haran esch-Scherif zu Jerusalem
bezeichnen noch den Platz des Tempels. Die
literarischen Angaben, die uns über ihn an ver-
schiedenen Stellen der Hl. Schrift, bei Flavins
Josephus, im Mischnah-Trattat Middot und
anderen erhalten sind, sind unvollständig, zum
Teil ungenarr und untereinander widerspre-
chend.

P. Odilo Wolfs behandelt nun in vorliegender
Untersuchung, schrittweise vorgehend, t. das heilige
Zelt, 2. den Salomoitischen Teiupel, 3. die
Tempelvision des Ezechiel, 4. die Tempelrestau-
ration des Serubabel, 5. den Herodianiichen
Tempel. — Eine kleine Abhandlung über das
Proportioitsgesetz des Tempels zu Jerusalem geht
voraus. Am Schluß ist ein Literaturverzeichnis
beigegeben.

Illustrationen nebst einer „Vogelperspektive
des Herodianischen Tempels nach Angaben des
Verfassers von W e ei e r- K r e ll" zieren das Werk
und oeiDeutlichen den Gedankengang des Ver-
fassers. Der Tempel zu Jerusalem und der
Versuch seiner Rekonstruktion ist ein vielverhandel-
tes und viel umstrittenes Tbema. Das Neue
an der Behandlungsweise des P. Wolfs liegt darin,
daß er für die Rekonstruktion des Tempels durch
den Nachweis des Proportionsgesetzes erst den
sicheren Untergrund zu schassen sich bemüht, wie
er es bereits früher i. I 1887 in einer kleinen
Monographie „Der Tempel von Jerusalem und
seine Maße" versucht hatte, freilich noch nicht
ausgerüstet mit dem ausgedehnten Beweismate-
rial, das ihm jetzt zu Gebote steht, und noch
nicht aus der breiten Basis, die er sich erst durch
das Werk „Die Tempelmaße" geschaffen hat.

Der Verfasser sucht zunächst aus den literari-
schen Quellen die Maße möglichst zuverlässig zu
eruieren für das heilige Zelt, für den Salomoni-
schen, Serubabeliichen und Herodianischen Bau.
Der Ezechielische Bau scheidet aus, weil er rein
visionär ist. Der Serubabeliiche Bau ist nur eine
Wiederholung des Salomonischen. — Bei der
lüüenhaiten Ueberlieferung und dem Fehlen
archäologischer Messungen konnte der Verfasser
nur so vorgehen, daß er probierte, ob die ge-
wonnenen Maße sich in die Anwendung des

SnUtgiN't, Buchdruckers! der A

Hexagramms fügen. — Die Probe fiel über-
raschend gut aus: kein einziges sicher nachgewiese-
nes Maß, das nicht genau in das Hexagramm
paßte. Nun konnte der Verfasser auch einen
Schritt weiter gehen und die durch das Hexa-
gramm gebotenen Proportionen zur Auffindung
der literarisch nicht bezeugten und zur Korrektur
der literarisch widerspruchsvoll überlieferten Maße
benützen, um schließlich eine herrliche Rekonstruk-
tion des Herodianischen Tempels zu gewinnen.
Wenn auch der Beweisgang komplizierter und die
literarische Basis in manchem kontrovers war,
so ist doch das Resultat mit methodischer Exakt-
heit gewonnen und bietet die wissenschaftliche
Sicherheit, die in solchen Fragen überhaupt mög-
lich ist: der Tempel von Jerufalem, der als Zeichen
Jahves das Hexagramm über dem Portale trug,
ist, wie die alten hieratischen Bauten, nach den
Proportionsgesetzen des Hexagramms (natürlich
mit Berücksichtigung der Terrainverhältnisse:) er-
baut worden.

So krönt die mühevollen Forschungen des
P. Odilo Wolfs ein schönes, lang gesuchtes
Resultat, dessen Auffindung dauernd ein Ruhmes-
blatt feines unverdrossenen Forscherfleißes und
seiner geistvollen Kombinationsgabe bleiben wird.
Tübingen. Prof. Dr. L. Baur.

Religiöse Kunst in billigen Aus-
gaben. Erste Mappe: Der verlorene
Sohn. Dritte Mappe: Er ist anferstan-
' den. 10 Zeichnungen von Joseph Ritter
von Führich. (Ltchtdruckausgabe.) Slnit-
gart. Verlag von Walter Seifert. Preis
nur M. 1.25.

Alan kann die katholische Kircbenkunst nicht
auf dem Stande der Nazarener für immer fest-
halten wollen. Aber es ist meine tiefste Ueber-
zeugung, daß, wer über die Nazarener ganz im
allgemeinen wegwerfend urteilt, nicht in das
Verständnis der religiösen, katholischen
Kunst eingedrungen ist. Um so freudiger be-
grüße ich den Entschluß der Firma Walter
Seifert in Stuttgart, die biblischen Zeichnungen
Josephs Ritters von Führich in drei Mappen
zu je 7 — 10 Blättern in außerordentlich
billigen Volksausgaben dem christlichen Volke
und vor allem auch der christlichen Kinderwelt
zugänglich zu machen. In der Tat: „Um die
Kinder in den Geist und in die Geheimnisse
der biblischen Geschichte einzuführen, gibt es
kein anscharilicheres Mittel, als die Betrachtung
dieser Meisterschöpfungen von wahrhaft über-
irdi'cher Schönheit" — und Gedankentiefe. Vor
mir liegt die erste und dritte Mappe (die zweite
ist mir nicht zugekommen; weitere Mappen sind
in Vorbereitung). Auf Grund derselben empfehle
ich die Anschaffung dieses überaus billigen
Jllustrationsmaterials für Eltern, Erzieher und
Katecheten.

T ü b i n g e n. L n d w i g B a u r.

Hiezu eine K u n st b e i l a g e:

S n l v a t o r k i rch e in Aalen lSüd feite).

kt.-Ges. „Deutsches Volksblutt".
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