Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 13
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Lin Gang durch restaurierte
Rircheu.

Von Pfr. S ch ö n i n g e r, Haslach, OA. Tettnang.

(Fortsetzung.)

Bon lau den, OA. Leulkirch.

Am Westabhang des breiten Jllertals,
zwischen den stattlichen Psarrdörfern Beik-
heim und Erolzheim, erheben sich seit der
Mitte des vorigen Jahrhunderts, wie eine
geistliche Burg, die Gebäude des Klosters
Bonlanden. Es ist kein Kloster mittel-
alterlicheir Stils, trotz des gotisierenden
Aussehens; es sehlt der K'euzgang und
der umschlossene Kreilzgarten. Deur Berge
angeschmiegl ist der Längsbail des Hauses,
und sein Ansläufer ist die Kirche am
Bergabhang, deren Turm den Uebergang
zum hochragenden Hauptbau vermittelt.
Man merkt dein ganzen Bauwesen an,
daß es nach und nach entstanden, und man
würde wohl heutzutage etwas anderes
bauen. Allein eine stattliche Gesamtwi»
kung ist dem Barr nicht abzusprechen, unb
wenn man ihn als Kind feiner Zeit be-
trachtet und als Produkt einer allmäh-
lichen Entwicklung, so kann mau dem
Gründer und Baumeister die Aiterkennilng
nicht versagen.

Unser Interesse nimmt die Kirche vor
allem in Anspruch. Es ist ein neugoti-
scher Bau mit allen Merkmalen der Zeit,
in welcher man für Gotik sehr begeistert,
aber in das eigentliche Wesen wenig ein-
gedruugen war. Ziergiebel, Spitzbogen,
Strebepfeiler, Maßwerk wurden nachzu-
ahmen gesucht, der Geist war noch ilicht
gefunden für Raumverhältnis, Raumge-
staltung und Harmonie. Man wollte wohl

auch damals schon das erwecken, was man
heute „Stimmung" heißt, aber es war
mehr eine künstlich romantisch gemachte,
als wahre, aus bent Bau selber sprechende
Stimmung. Und es fehlte der Reiz des
„Intimen". Diese heutigen Kunitschlag-
wörler „Stimmung" und „Intim" werden
zwar viel gebraucht und mißbraucht, es
liegt ihnen aber trotz des Schwindels, der
damit getrieben wird, ein guter uitö wahrer
Sinn zugrunde.

Bei unserer Klosterkirche war wohl auch
Stimmung beabsichtigt, franziskanisch ein-
fache und rnittelalterliche Stimmung.
Darum sehen wir einen einfachen goti-
schen Backsteinbau außen. Rur der Turm
ist reicher, geht ins Achteck mit Giebeln
und hat ein hohes Zeltdach. Er ist nicht
franziskanisch — h re für hätte ein Dach-
reiter genügt —, aber er ist gut gemeint
und geplant als Uebergang zunl höher ge-
legenen, überragetldeil Kloster und soll
wohl auch den Bergschub aufhalten.

Einfach ist auch das Innere; der Chor
mit hohenl Triumphbogen und künstlichem,
aber schwächllchem Gewölb, das Langhaus
mit einfachen Holzdecken in den drei
Schiffen, die Arkatureu sehr einfach spitz-
bogig mit achteckigen Säulen, eine Art
Triforium darüber mit Fenstern, im Westen
drei hochgezogene Spitzbogenöffuungen zu
einer besonderen Kapelle und darüber die
Emporen mit hölzernen Maßwerkbrüstun-
gen. Es war eine Art Stimmung im
Ganzen, aber eine ziemlich kalte, nüchterne
und als solche keinesivegs franziskamsch-
frommfröhltche.

Es kam eine Zeit, wo man das fühlte,
und es kam der Mann, der dieses Gefühl
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