Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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Die neue Safoatorfircfye in Aalen.

(Schluß.)

Dieser Hiuterban dient nun zur Um-
rahmung des grau gehaltenen Kreuzigungs-
bildes, eine plastische Gruppe von Bild-
hauer Seibold (München), die sich von
dem. roleit Hintergrund sehr wirkungsvoll
abhebt. An dieser Gruppe ist vor allem
zu loben, daß der junge Meister es ver-
standen hat, in so würdiger, ehrsurcht-
gebietender Weise, wie es eben für die
Kirche und speziell für den liturgischen
Zentralpnnkt sich geziemt, die Kreuzignngs-
szene wiederzugehen. Ueberaus aus-
drucksvoll sind die Gesichtszüge der drei
heiligeti Personen gestaltet. Die Grilppe
— grau auf rotbraunem Hintergrund —
reiht sich den bestell Werken neuzeitlicher
katholischer Kilchenknnst an. Das Werk
wird dem heimischen Künstler gewiß
weitere Aufträge zusühren.

Weniger günstig erscheint es, daß lioch
unmittelbar hinter beut Altar zwei Ova'l-
feuster offen sind, so daß oas Licht durch
diesen hindillchscheint. Das wirkt nirgends
gut. Es wäre unseres Erachtens besser
für beit Altar, diese Fenster zu verhüllen.
Die Krönung des Altars erscheint etwas
schwer. Eilie leichtere, gefälligere Art des
Barocco hätte vermutlich wohl eine noch
befriedigendere Wirkung erzielt.

Das Chorgestühl und die Kommunion-
bank (voll Bildhauer Geiselhart, Ell-
wangen) sind nach Zeichnungen des lei-
teliden Architekten in Eichenholz allsge-
führt in hübschen, gesälligeli Forlnen, die
all das Barocco rind Empire angelehllt
sind. Aehnlich ist es lnit der int figuralen
Teil wellig, im Ausbau besser gelungelien
K a li z e l (Empireart) lind den eigenartigen
praktischen Beichtstühlen. Diese stalnmen
voll Bildhauer Bitsch (Gmünd).

Die zwei Nebenaltäre zeigen ba-
rocke Sarkophagfornr in rotem Stnckmar-
llior. Sie sind etwas klein und wenig
tief, dürften aber für den praktischen Ge-
brauch genügen. Sie stehen in konchen-
artigen Nischen, die etiteit roten mit Golo-
liulen und Goldorlialiienten dilrehzogenen
Hintergrund barfteUen : links der Marien-
altar, rechts der Josephsaltar. Die in
Weiß gehaltelien Figuren der Immakulata
und des hl. Jojeph sind gleichsallS von

Bildhauer Seibold (München). Ueberaus
edel ist der Fluß der Gewalidung, der
Schwung der Liuieliführlllig. Doch er-
reicht der Gesichtsausdrnck bei diesen bei-
beit Figurell den der Kreuzignngsgrnppe
liicht — was übrigens auch arn Material
ulid seinem Glanz zrr liegen scheint.

Die zwei weiterell Altäre, die in den zu
dunklen Seitenkapellen stehen, sind über-
aus eiltfach gehalten: ein Elisabethen-
altärchen mit einem farbigen Relief (das
Rosenwunder) von Bildhauer Hansch (Horb)
und der Altar der Schlnerzhaften Mutter
Gottes tlüiks am Eingang). Dieser letz-
tere verdient lioch eine besondere Enväh-
liulig wegeli der überaus schönen, edel
anfgesaßten und wirklich zrir Andacht
stimnlenden Pieta von Bildhauer Kaiser
(Iggingen). Der Grundtoll der plastischen
Wiedergabe ist eine wohlgelnngene Misch-
ung des heroischen Pathos nlid der zärt-
licheli Liebe, wobei auf das erstere die
stärkere Note gelegt wird. Dadurch er-
hält die Grlippe etwas Ueberragendes,
verniag erhebend zu wirken tutb ist der
Erweckung der Gebetsstimmulig günstig.

Den Gedanken des in Gott getragenen
Leides, der an Gott sich richtendelt Klage
uin den Verlust des Teuersten, der Mutter-
ulid Prophetenliebe, führen die Glasselister
dieser Kapelle fort und lassen ihn in an-
deren Nnancieritiige'.l wieder anklingen:
Hagar, die um Jsmael in der Wüste
klagt, ulid Jerenrias der Prophet auf
den Trümmern Jerusalems, wobei frei*
lrch die trauernde Hagar denr Verständ-
nis des Volkes nicht so nahe liegt, was
übrigens kein Grund ist, sülche Darstel-
lungen zir vermeiden. Man kalin das
Volk auch zum Verständnis erziehen.

Die (Stationen, die hier nicht im ein-
zelnelt behandelt werden können, sind so
angebracht, daß sie sich ganz und restlos
ilt die Architektonik hineinsügen. Sie
haben über den Korbbögen des Mittel-
fchiffs und im Quer schiff Platz gesunden.
Die Modellierung unb Ausführung stammt
voll Bildhauer Deibele (Gmünd). Der
Künstler hat sich ans das aller notwendigste
beschränkt, oermenbet je nur etwa drei
Personen, nur a..s bieje Weise den höch-
sten Grad der plastischen (ästhetischen)
und sachlichen Eil'.heit unb Konzenlrierl-
heit zu erreichen. Da aber die Vereh-
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