Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 23
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Arbeit nicht beit Charakter des Kunstwerks.
Auf künstlerische Ausführung ist ein hohes
Gewicht zu legen. Ist selbstverständlich
auch nicht immer der höchste Grad der
Vollkommenheit in der äußeren Dar-
stellung erreichbar, so soll doch grund-
sätzlich nie zu minderwertigen Produkten
gegriffen werden. Lieber warte man, bis
man inehr Mittel hat. „Es gehört wohl
auch zur volksbildnerischen Aufgabe des
Klerus, die Neigung des Volkes zum
äußerlich Effektvollen, zum Platten und
Süßlichen zu verbessern und zu veredeln."

2. Ebenso unerläßlich ist die zweite
Forderung: daß das kirchliche Kunstwerk
religiösen Geist atme. Nur so kann
erfüllt werden, was das Trideutinum als
Hauptzweck der christlichen Kunst aus-
spricht: daß sie Anregung zur Anbetung,
zur Liebe Gottes und zu Werken der
Frömmigkeit gebe. „Nur darf nicht ver-
gessen werden, daß es nicht jeder Kunst-
form in gleicher Weise möglich ist, un-
mittelbar religiös anzuregen: anders der
Maler, anders der Bildhauer, anders der
Architekt. Was wir aber von jeder Kunst-
form verlangen müssen, ist, daß der Geist

des Weltlichen ausgeschallet werde_

Nun möchten wir allerdings den Begriff
des Weltlichen nicht so aufgefaßt haben,
als verstände man darunter alles, was
nicht feinem imtent Wesen nach religiös
ist.... Es tttnß nur die Regel festgehalten
werden, daß die an sich weltlichen, aber
für die Darstellung notwendigen Elemente
den religiösen Gesantteindruck nicht ver-
wischen oder verdunkeln. — Eine feinere
Art der Vertveltlichung des Religiösen
liegt in bent Süßlichen, Sentimentalen,
Charakterlosen, z. B. an Heiligenbildchen.

. . . Solche Afterknnst tnacht selbst auf
Kinder keinen Eindruck mehr, verdient
demnach auch von seiten des Klerus uicht
die geringste Förderung."

3. Die dritte Forderung lautet: li-
turgische Korrektheit! Nicht bloß
äußerlich! Sondern „es ist setteus des
Künstlers eine innere Ansormung au den
Geist dieser Vorschiiflen wie au den Geist
des Kultus überhaupt erforderlich".

Zur praktischen Anregung verordnet
der hochwürdigste Herr Bischof von Regens-
burg, daß ein Diöze sau -Archiv für
neuere christliche Kunst eingerichtet werden

solle. Dasselbe soll drei Abteilungen um-
fassen : eine für Photographien, eine zweite
für Entwürfe, Pläne, Skizzen, und eine
dritte für religiöse Bilderdrnckwerke. Aus
dieser Einrichtung, die vielleicht in allen
deutschen Diözesen zweckmäßig wäre oder
wenigstens in denen, die bedeutendere
Kunstinstitute besitzen, dürfte gewiß eine
segensvolle Förderung der christlichen Ktmst
im katholischen Geiste zu erhoffen sein.

Literatur.

Mehr Freude von Or. Paul Wilhelm
v. Keppler, Bischof von Rotleuburg.
Freiburg (Herder) 1913. — 76.-78. Tau-
send. Feine Ausgabe. — 245 Seiten.
Geb. M. 7.-.

Von dem bereits in aller Welt bekannten
Freudenbüchleindes hochwürdigsten Herrn Bischofs
Paul Wilhelm v. Keppler hat der Herdersche
Verlag das 76.—78. Tausend in einer feineren
Ausgabe Herstellen lassen. Diese hat ein etwas
größeres Format erhalten. Tie Satzanordnung
und Ausstattung, die besonders dem Titelblatt
zugute kam, besorgte Karl Köster. Die An-
merkungen sind durchlaufend nunreriert und an
den Schluß verwiesen. Der geschmackvolle Ein-
band und die feine Ausstattung werden das Buch
zu eineni sehr willkommenen Festgeschenk machen.

Tübingen. L. B a u r.

Die Kuustdeukmäler der Stadt Haiger -
loch. Dargestellt und im Auftrag des
hoheuzollerischen Laudesausschusses heraus-
gegebeu von Wilhelm Friedrich Laur,
Architekt und Laudeskonservator für Hoheu-
zolleru. Stuttgart 1913. (Verlag Will).
Meyer-Jlscheu.) — XIV und 34 Seiten.
(Preis nicht bekannt.)

Das herrliche Prachtwerk, in dem der hohen-
zollerische Konservator Architekt Laur die künstle-
rischen Werte des reizend gelegenen Hohenzollern-
städtchens Haigerloch mit seiner köstlichen Rokoko-
kunst einem weiteren Kreise und für die wissen-
schaftliche Wertung zugänglich macht, ist dem
derzeitigen regierenden Fürsten von Hohenzollern-
Sigmaringen gewidmet. Die Publikation ist zu-
nächst veranlaßt worden durch die Restauration
der Haigerlocher Schloßkirche in den Jahren 1903
und 1906, die von selbst zur Berücksichtigung der
übrigen Haigerlocher Kunstdenkmäler führte. Es
sind im wesentlichen Werke des Rokoko, der
Spätrenaissance und der Gotik in Haigerloch zu
berücksichtigen gewesen, die nun in vorliegender
Publikation zusaiijmengefaßt werden. Während
der Verfasser im geschichtlichen Teil sich ganz an
gegebenes Material bisheriger Literatur anschloß,
ist es ihm bezüglich des kunstgeschichtlichen und
künstlerischen Teils seines Werkes gelungen, auf
Grund eingehender eigener Studien neue Resul-
tate zu erzielen. Insbesondere gelang es, eine
Reihe von Künstlernamen festzustellen, die früher
zum Teil noch nicht bekannt waren.
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