Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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Das Werk zieht nicht nur die kirchliche Bau-
kunst, sondern auch das profane Bauwesen von
Haigerloch in den Kreis der Darstellung ein.
Es handelt demgemäß zunächst von der Stadt
und den beiden Burgen, von der Unteistadtkirche
(St. Nikolaus!, von der Schloßkirche (St. Trini-
tatis), von der St. Annakirche und endlich von
drei hervorragenden Künstlern Hohenzollerns im
18. Jahrhundert: Andreas Meinrad, von Au, Chri-
stian Großbayer und Johann Georg Weckenmann.
Eine stattliche Anzahl guter Reproduktionen:
50 Textbilder, neun Tafeln und zwei vollseitige
Abbildungen erleichtern das Verständnis und
illustrieren den Text.

Zu der Unterstadtkirche St. Nikolaus >väre
zu ergänztn, daß diese Kirche im Subsidium
caritativum vom Jahre 1508 erwähnt wird
,,altare S. Nicolai in inferiori Haierloch cum
capellania altaiis in Castro“, alia primrssaria
in eadem (B. M. Virg.), woraus zu ersehen ist,
daß die Kirche damals einen Nikolaus- und einen
Muttergottesaltar nebst gleichnamigen Kaplaneien
besaß. Die Madonnenstatue (Fig. 16) ist wohl
die auf diesem Muttergottesaltar damals ver-
ehrte Statue. Wäre es nicht möglich, sie wieder
ihrer früheren Bestimmung zurückzugeben?

Auf die frühere St. Annakirche bezieht sich
zweifellos die in Oberhaigerloch ooer, wie es
damals hieß, in Wildorff, ebendaselbst erwähnte
Kapelle, nebst der Antoniuskaplanei.

Die hübsch ausgestattete Schrift wird in kunst-
geschichtlichen Fachkreisen und bei Freunden edler
Kunst freudige Ausnahme finden.

T ü b in ge n. Ludwig B a u r.

Michael Pacher und die Seinen.
Eine Tiroler Künstlergruppe am Ende
des Mittelalters von Oskar Döring. Mit
Titelbild in Lichtdruck und 82 Abbildungen.
M.-Gladbnch (B. Kühlen) 1913 (Mono-
graphien zur Geschichte der christlichen
Kunst. Herausgegeben von P Beda Klein-
schmitt, III. Baud)?) — XII und 170
Seiten. — Preis geb. M. 6.

In einer prächtigen Monographie, die Sr. K.
K. Hoheit dem Erzherzog Franz Ferdinand von
Oesterreich-Este gewidmet ist, legt hier Oskar
Döring seine Forschungen über einen der bedeu-
tendsten, auch für unsere schwäbische Kunst wich-
tigen Tiroler Meister und seine Schule dar:
Michael P a ch e r von Bruneck. — Vor nicht
ganz einem Jahrhundert hat Lemmcn in seinem
Tiroler Künstlerlexikon Michael Pacher erstmals
wieder erwähnt. In den fünfziger Jahren des
vorigen Jahrhunderts haben Vintler und E. von
Förster dem Tiroler Meister und seinen Werken
die gebührende eingehendere Aufmerksamkeit ge-
widmet. Es kamen die Arbeiten von Dahlke,
Semper, Stiassny. Mannowskr und vieler anderer
hinzu. Von da an hat der Name Pacher den
ihm gebührenden .Platz in der Kunstgeschichte ge-
funden und seither behalten, umsomehr, als man
nach und nach nicht nur seine eigenen Werke in

1) Band I und 11 der Sammlung sind nicht
zur Besprechung eingegangen.

größerem Umfang kennen und kritisch sichten
lernte, und deutlicher die kunstgeschichtliche Stel-
lung Pachers nach vorwärts und rückwärts Her-
aussteilen konnte. „In dem Wirken Michael
Pachers und der Seinen erhebt sich die tirolische
Bildnerei und Malerei der späten Gotik zu ihren
letzten und höchsten Leistungen." (1)

Der Verfasser gibt nach einer kurzen Einfüh-
rung in die künstlerischen Strömungen, die sich
im 15. Jahrhundert in Tirol begegneten, zu-
nächst eine kurze Biographie Pachers, behandelt
dann seine Frühwerke, weiterhin die großen Al-
tarwerke (Gries, Sankt Wolfgang), verschiedene
Werke um 1480, die Werke der Neundlingerschen
Stiftung, den Salzburger Altar und andere
Schnitzwerke. Es schließen sich noch Untersuchungen
an über Friedrich Pacher, die künstlerischen Be-
ziehungen zwischen Tirol, Flandern, Oberdeutsch-
land und Italien, über die Schüler und Gehilfen
der Pacher.

Die Untersuchungen sind mit Umsicht geführt.
Die äußeren Zeugnisse sind gewissenhaft heran-
gezogen. Soweit solche nicht vorhanden sind,
tritt das freilich oft recht rnsichere stilkritische
Moment in sein Recht. Eine eingehende Be-
schreibung eruiert jeweils den Ideengehalt der
Bilder und ihren ästhetisch-stilistischen Wert.
Das reichlich beigegebene hochwillkommene Bil-
dermaterial bringt das im Text Gebotene zum
vollen Verständnis. Auf Einzelheiten eiipugehen
verbietet der beschränkte Raum. Wir dürfen aber
zum Schluß unseien Lesern mit einem warmen
Wort der Empfehlung die Anschaffung der schönen
Publikation anraten.

Tübingen. L u d w i g B a u r.

Altfränkische Bilder 1914. Mit er-
läuterndem Text von Professor Or. Th.
Henner, Würzburg. Verlag der König!.
Universitätsdruckerei H. Stürtz A. G.,
Würzburg. Preis geb. Mk. 1.

Zum 20. Male tritt der Prachtkalender seinen
Weg in die Welt an. Der neue Jahrgang be-
handelt das so reizvoll an der Mündung der
Tauber und dem Maine gelegene, historisch und
kunstgeschichtlich interessante Wertheim, verbunden
mit einer biographischen Erinnerung an den fein-
sinnigen Dichter und Kulturhistoriker Alexander
Kaufmann, der so lange dort wirkte. Sodann
zwei fränkische Frauenbildnisse: Die frühverstor-
bene Malerin Margarete Geiger und die in der
Zeit unserer Dichterheroen so bekannt gewordene
Charlotte v. Kalb. Weiterhin zwei beachtens-
werte Altäre im Würzburger Tom; ein schönes
Grabdenkmal in der Kirche zu Grünsfeld, sowie
das eines Gelehrten des 18. Jahrhuitderts in
der Würzburger Ncubaukirche; endlich zwei Bil-
der vergangener Fürstenherrlichkeit: Veitshöch-
heim bei Würzburg und Schönbusch bei Aschaffen-
burg. Außerdem ist ein Inhaltsverzeichnis über
die zehn letzten Jahrgänge beigefügt. — Für den
Bilderschmuck des Umschlages wurden zwei der
allbekannten Prachtstücke der Aschaffenburger Hof-
bibliothek herapgezogcn, das für deir Kardinal
Albrecht von Brandenburg von Nikolaus Glocken-
don gefertigte Gebetbuch und Miffale.

Stuttgart, Buchdruckers! der Akt.-Ges, „Deutsche? Polk?b!atk",
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