Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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Eigentum des Rotteiiburger Diözesan-Aunstvereiiis;

Iloimnissions-Verlag »nd Druck der Bkiien-Gesellschaft „Deutsches Volksblatt" in Stuttgart.

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Die Entwicklung b«?r Abendmahls-
darftellnng.

Von vr. Max Schermann.

Man hat sich schon mehrfach mit gutem
Erfolg bemüht, klar umrissene, wichtige
Objekte künstlerischer Darstellung durch
alle Entwicklungsstufen und Schaffens-
gebiete der Kunst hindurch in sorgsamen
Analysen zu verfolgen und zu erkennen.
Daß nun auch einmal das Problem anf-
gegriffen wurde, die grundlegende, folgen-
schwerste Institution der christlichen Heils-
geschichte in der Abendmahlsszene durch
ihre Entwicklnngsstadien hindurch bis zu
den Zenithpnnkten Leonardo und Dürer
und ihr Znrncktreten in das Halbdunkel
Nembrandts zu verfolgen, ist eigentlich
eine wissenschaftliche Selbstverständlichkeit.
Die Schwierigkeit der Aufgabe, die streng
genommen nicht bloß eine kunstgeschicht-
liche und kunstteämische, sondern in hohem
Grade zugleich eine psychologische ist, in-
sofern sie sich ans die Beziehung zu dem
religiösen und geistigen Leben der ein-
zelnen Epochen überhaupt erstrecken muß,
mag bisher davon abgeschreckt haben. Fr.
X. Kraus spricht dem Kunsthistoriker das
Recht ab, religiöse Kunstwerke von seinem
einseitigen Standpunkt aus zu erklären.
Er wird allezeit darin recht behalten. Denn
ein Verzicht ans diesen Teil der psycho-
logischen Analyse wird auch das Gesamt-
ergebnis zum voraus als ein unzureichen-
des kennzeichnen. Daß aber auch eine
rein kunstwissenschastliche Erledigung durch
systematische Anordnung und sorgfältige
künstlerische Analyse eine große Leistung
und eine wesentliche Förderung der Er-

kenntnis bedeuten kann, zeigt die tief-
einschneidende Arbeit eines Nieder-
länders *) über die Entwicklung der
A b e n d m a h l s d a r st e l l u n g. Der Ver-
fasser ist Reformierter und enthält sich
mit bewußter Absicht des Eingehens auf
die religiösen Beziehungen des einzelnen
Künstlers zu dem dargestellten Gegen-
stand. Ihm handelt es sich um die Er-
kenntnis der freien Aeußernngen der künst-
lerischen Persönlichkeit, um die Feststel-
lung der Veränderungen in der Erzäh-
lungsweise und der Bereicherung der
künstlerischen Darstellungsmittel; er be-
handelt also das Kunstwerk als Objekt,
während wir uns nach dem Stand der
Kunstwissenschaft nachgerade daran ge-
wöhnt haben, dasselbe als Symptom, als
Knlturproblem zu betrachten. Trotzdem
bedeutet die feinsinnige, tiefgründige Ar-
beit einen gewaltigen Fortschritt in der
Erkenntnis dieser großen kirchlich und
künstlerisch wichtigen Frage.

An monographischen Darstellungen zn-
sammenfassenden Charakters waren bisher
vorhanden die Arbeiten von Ed. Dobbert,
die Darstellung des Abendmahls durch
Die byzantinische Kunst (Leipzig 1872),
und Das Abendmahl Christi in der bil-
denden Kunst bis gegen den Schluß des
14. Jahrhnnders im Repertorium fiir
Kunstwissenschaft, Bd. 13, 14, 15; weiter-
st Ueber die Entwicklung der Abendniahlsdar-
stellung von der byzantinischen Mo,aikkunst bis
zur niederländischenM nlerei des 17. Jahrhun-
derts von Dr. F. Adama van Scheltema, Leipzig
1012, Klinkhardt u. Biermann, für Holland, Rot-
terdam W. L. und I. Brusse. VII und 184 S.
groß 4° mit 21 Lichtdrucktafeln.
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