Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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zwar auf verschiedene Art: durch Kroneu-
reife auf und unter deu Emporen, durch
Ständer mit drei hängenden Lampen im
Kirchenschiff, durch Wandarme im Chor
und anl Altar und natürlich auch, was
aber dem Geschmack des Referenten keines-
wegs entspricht, durch die beim Pnblikmn
beliebte Umkränznng des Altarbilds am
Hochaltar mit elektrischeil Birnen. Das
mag schön, sehr schön sein, besonders bei
Nachtgoltesdiensten, aber es erinnert an
Theatereffekthascherei und wird schwerlich
als besonders kirchlich bezeichnet werden
können. Dian hat doch auch nicht das
ganze Jahr den Christbaum und die bunten
Lichtlein.

Unter den vielen schönen/Landkirchen
des Oberlandes nimmt die Kirche in Alt-
heinl dllrch ihre eigenartige Architektur,
durch ihre originelle Innenausstattung,
durch ihren Reichtum eineil hervorragen-
den Platz ein und es ist keine Phrase,
wenn wir sie zil den schönsten rechnen,
wenn man int Superlativ reden will. Sie
hat wohl im Riedlinger Amt einige Ri-
valen, die vielleicht im einen uitb andern
mit ihr konkurrieren inöchten, aber im
Gesamtkuilstwert und im Eindruck über-
ragt sie diese Rivalen in Seekirch, Unter-
wachingen und llttenweiler, sanrt der
Franenkapeüe zu Ertingen. Weil wir
aber daran sind, wenden wir uns gerade
nach Uttenweiler, um die dortige ehemalige
Klosterkirche in ihrer Erneuerung 51t sehen.

Die jetzige Pfarrkirche zu S. Simon
llnd Judas in U t t e n >v e l l e r zeigt im Aen-
ßern wohl auch noch Spuren eines früheren
gotischen Bans in dem mit Strebeil ver-
sehenen Chor uitb den Untergeschossen der
zwei Osttürme, aber nicht in so charak-
teristischer Art, wie die Kirche in Altheim.
Wahrscheinlich wurde mit der Gründung des
Augustiner-Erenlitenklosters in der Mitte
des 15. Jahrhunderts (1453 — 1460) auch
die ursprüngliche Kirche erbaut. Der heu-
tige Ball stammt aber in der Hauptsache
von 1710 und erhielt eine nicht ganz ge-
lungene Verlängerung vor etwa 40 Jahren.
Eine alte Abbildung des Klosters und der
Kirche vont Jahr 1736 zeigt einen ziemlich
reichen Barockgiebel an der Westfafsade
und ein ebensolches Portal, die Kloster-
gebäude erscheinen getreilnt voll der Kirche,
die ganz frei dasteht uild deshalb auch von

allen Seiten Licht hat. Jul Innern ist
die Kirche eingeteilt in einen ziemlich
breiten Mittelschiffranin mit Spiegelge-
wölbe und schmale Seitenschiffe mit Em-
poren ; im Westen befindet sich eine große
Orgelempore, im Osten der ziemlich lange,
nicht sehr breite, mit drei «Seiten des Acht-
ecks schließende Chor. An der Decke des
Mittelschiffs befanden sich nach Keppler
„wertlose Stukkaturen und Fresken". An
den Brüstungen der Seitenschiffemporen
waren in länglichen/^Medaillonssormen
ebenfalls Gemälde eingelassen. Der Chor,
erheblich armseliger stnckiert als das Lang-
haus, hatte Bilder von Maler Tranb in
Zwiefalten. Die allen Altäre waren durch
solche in sogenalinter strenger Renaissance
ersetzt, gebliebeil war nur die inerkwürdige
Kanzel mit den zum guten Hirten ziehenden
Schafen mtb das einfache, aber originelle
Chorgestühl.

Eine Sehenswürdigkeit der Kirche bil-
dete und bildet ein reich eingelegter Sa-
kristeischrank, der viele Aehnlichkeit mit
dem in der Sakristei der Stadtpfarrkirche
zu Weilderstadt befindlichen, auch ans
beut dortigen Augustinerkloster stammen-
den, aufweist lind lvahrscheinlich von dem-
selben Meister verfertigt ist. Hervor-
gehoben werden bei Keppler sechs Re-
liefs von beut Klosterbruder Faber
(ca. 1700) mit Szenen ans der Leidens-
geschichte und die Relieffigürchen am
Dorsal des Chorgestühls.

Für eine durchgreifende und stilgemäße
Erneuerung war der gegenwärtige Pfarr-
herr Joseph Nusser sehr bemüht uitb hat
keine Kosteil gescheut, ,eine solche dnrchzn-
führen. Und es war lilehr zu erneuern,
als man glaubte. Nicht bloß ein nettes
Gewaitd war dem Jttnern zu geben; es
sollte namentlich auch ; der l. Chor ent-
sprechend dem Langhaus reicher ansge-
stattet werden mit Stilckornamenten mtb
Gemälden und vor allem auch einen
neuen Hochaltar erhalten.

Für die Malerarbeiten^war eine Kon-
kurrenz zngelasseit worden. Es ist eine
solche ntanchmal zu empfehlen, manchmal
nicht. Das Odiilln, das sehr oft ans
einer solchen Konkurrenz entsteht, hat in
ntanchen Fällen das Pfarramt, nteistens
aber der begutachtende Sachverständige
zil tragen, auch wenn er versicherll und
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