Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 30
DOI Heft: 10.11588/diglit.16254.15
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16254.17
DOI Artikel: 10.11588/diglit.16254.18
DOI Seite: 10.11588/diglit.16254#0037
Zitierlink: i
http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/afck1914/0037
Lizenz: Creative Commons - Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen
0.5
1 cm
facsimile
Nachweisen kann, daß die eigentliche Ent-
scheidung nicht bei ihm liegt, sondern
ebenso wie die Vergebung Sache des
Kirchenstiftungsrats und der kirchlichen
Oberbehörden ist, wobei namentlich bei
elfterem mancherlei Umstände und Ein-
slüsse mitspielen.

In Uttenweiler einigte man sich zu bem
Beschlüsse, die Dekorationsmalerei dem
Kirchenmaler Karl Schnians in Fulda,
das neue Deckenbild im Chor dem Kunst-
maler Pfister von Riedlingen, die Stukka-
turen Joseph Maier und Schenk in
Sanlgan, den Hochaltar an Theodor
Schnell in Ravensburg zu übertragen.
Schmaus, von Rnpertshofen gebürtig,
und Pfister halten in der Nähe, in
Oggelsbenren, die stillose Kirche sehr ge-
lungen ansgemalt und eine gefällige,
klare Farbenskizze vorgelegt. Die Er-
wartungen, die man ans die Meister
setzte, wurden mehr getäuscht.

Das Schwierigste war die Stückarbeit
im Chor, am Chorbogen und im Hinteren
Abteil des Langhauses. Obwohl dieselbe
nickt in so reichen, fast ansgelassenen
Formen und Varietäten zu leisten war,
wie in Altheim, und sich mehr an das
eigentliche Barockornament zu halten hatte,
weshalb ihr auch in der Kirche selbst und
in den Kirchen der Nachbarschaft, in
Marchtal und Mnnderkingen, Muster zu
Gebote standen, bot sie immerhin noch
reichlich Gelegenheit zur Erfindung, aber
auch zur Erprobung der Gedulo, zumal
gerade Joseph Maier unter diesen Ar-
beiten eikrankte und starb.

Eine jBachthandschrift des
Jahrhunderts.

Kaiserliche r W a p p e n b r i e f f ü r
Althei nt, OA. Riedlingen, in
Bild und Wort m i t g e t e i l t von

B. M aier (Altheini) und 21.Nctge le (Niedliugen).
(Schluß.)

Nach seiner historischen Bedeutung ge-
hört das Altheimer Dokument zu den
kaiserlichen W a p p e n b r i e s e u, nach
seiner kunsthistorischen Seite nimmt es
einen beachtenswerten Platz unter den
mannigfachen Erzeugnissen der Mi-

niaturmalerei ein. Beide Urknnden-
gattnngen, vereint in einem einzigen
Schriftstück, machen solch ein Heimaldenk-
mal einer kurzen Darlegung wert, doppelt,
da eine knnstgeschichtliche oder ästhetische
Würdigung der Buchmalerei und ihrer
Werke der Großknnst oft genug über-
ragenden Vertreter von schwäbischer For-
schung kaum je versucht worden ist. Und
doch schaut nicht am wenigsten das Kunst-
geiverbe von heute ans die bewnnderungs-
mürdigen Vorbilder für Ornamentik,
welche die meist aus Klöstern stammenden
Werke der Buchmalerei darbielen. Tau-
sende verstehen die Miniaturmalerei nach
dem ersten Bestandteil des Wortes nur
als Kleinmalerei, Miniatur dient eben
nur noch zur Bezeichnung von etwas sehr
Kleinem; vielmehr kommt die Bezeich-
nung von dem Hanptfarbstoff der alten
Malerei, dem Mennig, lateinisch minium,
dem roten Bleioxyd. Dann verengte sich
der Begriff der mit Mennig hergestellten
Miniatur zu der Bedeutung des gemalten
Schmucks der geschriebenen Bücher. Zu
diesem Schmuck gehörten von jeher, wie
noch in unserem neueren Schristslück, die
mit Rankenwerk versehenen großen An-
fangsbuchstaben, die Initialen, dann Rand-
zeichnungen, die die Schrift einfassen, und
endlich die in den Text eingestreuten
kleineren oder die großen, selbständigen,
ganze Seiten umfassenden Bilder. Schmuck
und Schrift sind vielfach beide die Arbeit
der Feder, ersterer wie ans unserem Doku-
ment, auch des Pinsels. Script or und
Pictor, anfangs in einer Person vereint,
schieden sich mit der zunehmenden Entwick-
lung des künstlerischen Schmucks von Buch
und Schriftstück, bis im Verlauf des Mit-
telalters von der Schreiberzunft die der
Miniatoren sich lostrennte) neben den
Rubrizisten stellt sich der Illuminator.
Illuminierte Handschriften sind heute der
Stolz jeder größeren Bibliothek, bilden
die Juwelen der Schaukästen öffentlicher
Buchansstellnngen, bedeuten aber auch für
den lunstgeschichtlichen Forscher oft den
einzigen oder wesentlichsten Führer durch
dunkle Perioden, >venn deren Erzeugnisse
auf dem Gebiet der Tafel- oder Wand-
malerei nntergegangen sind. Einen be-
rühmten Vertreter der älteren Buchmalerei
hat, wenn wir über die ägyptische, rö-
loading ...