Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 33
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Der Rirchenball itt Lantlingen,
GA. Balingen.

Von Pfarrer Pfeffer, Lantlingen.

Der Kirchenueubau, der im Jahre 1913
in Lantlingen, OA. Balingen, zustande
kam, hat eine ganz einzigartige Veran-
lassung. Das Erdbeben, das in der Nacht
des 16. November 1911 in ganz Süd-
deutschland mehr oder weniger kräftig sich
bemerkbar machte, hat die Umgebung von
Lantlingen schwer heimgesucht und der
zum größten Teil dem 17. Jahrhundert
entstammenden Pfarrkirche den Todesstoß
gegeben. Eine Erhaltung der von Grund
aus erschütterteu Kirche war nicht mehr
möglich; es konnte nur ein völliger Neil-
bau mit Beibehaltung des einer eingehen-
den Reparatur bedürftigen Turmes in
Frage kommen. In rascher Eile wurde
ein Bailprogramm ausgestellt, m dem ein
ganz wesentlicher Punkt lautete: relativ
größte E rd bebensi ch er h e it. Gerade
die Beobachtung, daß die alte Pfarrkirche
aus maugelhaft gebuudeuem Füllmauer-
werk errichtet war und der verwendete
Mauerverbaud den heftigeil Erdstößen
ilicht genügendeil Widerstand und Zusam-
menhalt entgegenstellen kouilte, zwang zur
Wahl einer Manertechnik, die kräftig ge-
bunden, koulpakt und doch elastisch, mög-
lichst houlogeil uiid dadurch möglichst
widerstaudsfähig gegen heftige Erder-
schülterungen sein solle. Diese Anforde-
rungen erfüllt ein ileuzeitlicher Bailstoff,
der in beit letzten Jahren zu hoher, nicht
geahnter Vollkoululeuheit gebracht ivordeil
ist, nämlich der Eise n b e t o n. Der mit
kräftigem verbundenem Flußeisen ariiiierte

Beton hat die Eigenschaft, hohe Druck-
festigkeit iiud dabei bedeilteude Elastizität
zu besitzeil. Eiil in dieser Technik ans-
geführter Bau ist ein zusaiiliueuhäugeiider,
fugenloser, ment kann fast sagen mono-
lithischer Organismus, der sich bis jetzt
sehr bei großen Erdbeben bewährt hat:
sowohl in San Franzisko wie in der
Ebiuger Gegend sind bei den schweren
Erdbeben der letzten Jahre allein die
Eiseubetoilbauteil neben den reinen Holz-
bauten ohile tiefergehcnde Beschädignilgeil
geblieben.

Unter Eistenb e to ii b a u versteht man
eine Bauweise, die Stampfbeton mit Fluß-
eiseileinlagen verbunden verwendet. Eisen
und Betoil bilden gemeinschaftlich eine
Verbuudkoustruktion, der eine erhöhte
statische Festigkeit zukommt; der Beton
gibt dazu die Druckfestigkeit, während
das Eisen die Zugfestigkeit uitb Elastizität
mitbringt. Die Brauchbarkeit des Eisens
bei dieser Technik beruht auf der durch
reichliche Beobachtungen bestätigten Eigen-
schaft, daß das voul Beton umschlossene
Eisen nicht vom Rost angegriffen wird.
Diese Vorzüge des Eisenbetons kounnen
hauptsächlich der Gewölbekoustruktion zn-
gute; er gestattet bei geringem Eigenge-
wicht und unbeträchtlichem Seiteuschub
eine enorme Spannweite. Weit gespannte
Gewölbe, die in Backstein oder Hausteill
nur mit größten Schwierigkeiten und unter
Verwendung kräftiger Stützeil und Ver--
strebuugell herzustellen sind, bieten der
Eisenbetoilkonstruktion feilte Schwierig-
keiten und begnügen sich mit Stützen von
sehr reduziertem Grundriß. Sodann ist
in dieser Technik die Herstellnng eines
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