Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 37
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nes zu nennen, welcher als Einzelbild
vom Nebenaltar her die Reihe der Bilder
auf der Nordseite eröffnet. Der Heilige
segnet den Kelch, aus welchem die Schlange
hervorkommt. Er ist eine schlanke Gestalt
mit kleinem ovalem Gesicht. Oberkleid
grün, Untergewand rot. Glaubensartikel:
Et in Jesum Christum filium ejus
unicum dominum nostrum. — Der
Apostel Philippus fehlt bei unseren
Gemälden; vielleicht war er früher bei
der westlichen Gruppe an der Nordseite
angebracht, wo er
dann möglicher-
weise dem neu ein-
gebrochenen Fen-
ster zum Opfer ge-
fallen ist.

Die durch ein
schmales Fenster ge-
teilte Wandfläche
zwischen Andreas
und Johannes ist
belebt durch die
Darstellung der
Auferstehung und
der Beweinung
Christi. Der Aufer-
standene hat wür-
digen Gesichtsaus-
druck, während die
anatomischen Ver-
hältnisse nicht recht
stimmen wollen.

Die Komposition
selbst erinnert an
die Auferstehung
von Schongauer,
wie sie uns in
Detzels Ikonogra-
phie entgegentritt.

Detzel I, S. 479.

Wer für Kleinigkeiten Sinn hat, wird
ivohl beachten, daß eia Wächter an jedem
Beinkleid eine besondere Farbe hat (rot
und gelb). Aehnliches ist bei Figuren
in Kentheim und auch sonst öfter auf
Bildern des 15. und 10. Jahrhunderts
ivahrzunehmen. Befremden muß, daß die
Auferstehung früher ganz übermalt und
darüber die Taufe Jesu durch Johannes
zur Darstellung gebracht war, wobei die
Auferstehnngsfahne zum Stabe des Täu-
fers wurde.

Ans dem zweiten Wandgemälde erblickt
man Maria am Fuße des Kreuzes
mit dem heiligen Fronleichnam,
unter ihr zwei Figürchen; vor der Leiche
eine edle Frau in rotem Gewand, mit
Nimbus auf dem Haupte, wohl Mag-
dalena. Im Hintergrund zwei Männer,
Joseph von Arimathüa und Nikodemus.
Unten sieben kleine Figuren. Das Ganze
erhebend und stimmungsvoll.

So viel über die ältesten Wandgemälde
in der Kirche zu Eutingen.

Wenn daselbst
Christus als Sal-
vator mit den Apo-
steln gemalt wurde,
so gemahnt das an
die mittelalterlichen
Darstellungen aus
der Predella des
Hochaltars, wo wir
Christus ebenfalls
in der Umgebung
seiner Apostel als
Salvator darge-
stellt finden (z. B.
in der Kapelle zu
Weitingeu, ans
dem jetzt in Stutt-
gart befindlichen
Altar aus Her-
berg bei Laufen
nsw.). Sonst kön-
nen die Apostel im
Schiffe einer Kirche
noch als Säulen,
als candelabra
lucentia und als
Richter in Betracht
kommen, letzteres
daun, wenn vor
dem Eingang in
den Chor das letzte Gericht abgebildet war.
In Eutingen ist dasselbe abgebildet, aber
die jetzt zu Tage geförderte Malerei stammt
nicht aus dem 15. Jahrhundert, sondern ge-
hört einer späteren Zeit an. (Forts, s.)

Die Entwicklung der Abendmahls-
darstellnng.

Von Dr. Max Shermann.

(Fortsetzung.)

Auch Fra A n g e 11 c o d a Fiesole
griff den historischen Abendmahlsvorgang

Photographie gütigst zur Verfügung gestellt v. A. Schott.
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