Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 44
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Christus a m Kreuz (Oberftadio n).

Beschreibung fast mit der
uusrigeu übereilt.

In etwa gleicher Relief-
höhe erheben sich dicht neben-
einander die Figuren des
Kiuzifixns mit Maria mit)

Johannes nebst drei Engeln
in der üblichen Anordnung.

Der Erlöser, nur wenig über
dem Erdboden erhoben, läßt
das leidende Antlitz tief auf
die rechte Schulter herab-
sinken. Die Füße sind ge-
kreuzt; das Lendentnch links
geknotet, mit flatterndenEnden.

Die beiden anderen Haupt-
figuren stehen in symmetri-
schem Kontrapost neben dem
Kreuz; die Mnttergotles, in
Haube und Mantel, hat die
Hände vor der Brilst zu-
sammengepreßt, den Kopf ge-
senkt. Der Jünger wirft
schmerzvoll den Kopf zurück
und erhebt den Blick zum
Herrn; die Linke hält das
Buch, die Rechte liegt aus-
drucksvoll ans der Brust. —

Die kleinen Engel, in starken Körperdre-
hungen, umflattern das Kreuz, um an den
Händen und Füßen des Gekreuzigten das
heilige Blut anfzufangen. Im Hinter-
grund die Stadt Jerusalem mit vielen
Türmen.

Abbildung 2 gibt ein Relief ans
der Jesnitenkirche in Konstanz. Es ist
eine geringere Werkstattarbeit und weist 1
in der Komposition schon einige Abän-
derungen ans. Setzt man (nach Hirsch)
dieses um 1582 an, jenes in St. Stephan
um 1578, so wird das in Oberstadion
etwa in die Zwischenzeit fallen. — Ans
die erste Zeit von Morinck läßt auch die
Behandlnngsweise unserer Darstellung
schließen: das Gewand schmiegt sich noch
nicht so fest an, als ob es naß wäre;
das Nackte ist mehr knorpelig als fleischig
gebildet; das Relief etwas primitiv, ein-
fach dadurch entstanden, daß die vollen
Figuren ans den Hintergrund anfgeklebt
wurden. Der Mangel am Größenver-
h ältnis (es war gewiß nicht beabsichtigt,
den Gekreuzigten kleiner zu bilden als
die Assistenzfiguren) ist jedoch kein Zeichen

für frühe Entstehung; er findet sich noch
an der Trinität von 1612 und an der
Beweinung von 1614.

Alles in allem erscheint aber dieses
Werk des 16. Jahrhunderts schon recht
barock neben den Arbeiten der einheimi-
schen Künstler in Württemberg (etwa
Jelin, Miler, Schlör, Schalter); so fort-
geschritten ist Morinck.

Der Kirchenban in Lantlingen,
GA. Balingen.

Von Pfarrer Pfeffer, Lautlingen.

(Fortsetzung.)

Große Schwierigkeiten bereitete der
Baugrund. Die weichen, tiefgründigen
Tone des braunen Jura, die im oberen
Eyachtal anstehen, gestalteten die Fun-
damentierungsarbeiten sehr schwierig und
geboten eine äußerst sorgfältige, allseitig
verbundene Fnndation, um bei etwaigen
künftigen Erdbeben eilte Beschädigung des
Baues fernzuhalten I. Die Fundamente

*) Japanische Erdbebenforscher haben langst die
Beobachtung gemacht, daß Erdbeben auf weichem
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