Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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wurden 5—6 m tief in den weichen
Baugrund hinabgetrieben; ihre Ausfüh-
rung geschah als ein allseitig znsammen-
häugender Rost aus kräftigen, mit schweren
Eisen armierten Betonbanketten. Die
Fundamente der Pfeilerreihen und der
Außenstützen wurden so schon in der
Tiefe der Fundamente allseitig versteift
vermöge dieser kräftigen Betonbinder,
so daß die Pfeiler selbst bei kräftigen
Erdstößen dieselben Bewegungen und
Schwingungen wie der gesamte Barl mit-
rnachen müssen und deswegen riicht aus-
weichen und abreißen können. Ueber den
Fundamenten werden in Verbundkon-
struktion die Innen- und
Anßenpfeiler arlfgesetzt und
gleichzeitig bis zur Höhe
der Nebenschiffdecken hinanf-
geführt; von Mauern ist irr
diesern Stadium des Baues
rioch feine Rede, vielmehr
ragen mir die Gewölbestützen
in die Höhe. Ueber diese
werden dann in der Rich-
tung der Längsachse der
Kirche schwere horizontale
Architrave ans verbun-
denem Eisenbeton gelegt,
welche die Pfeiler der Länge
nach verbinden; ebenso wer-
den die Verbindungen über
die Pfeiler auch der Quere
nach gelegt, über den Neben-
schiffen horizontal, über dem
Mittelschiff in die Höhe ans-
gebogen als starke kräftige
Nippen. Die Verbnndkon-
struktion wird noch gesteigert
durch Zwischengurten, welche die Pfeiler
in Drittelshöhe, bevor sie die Fnßboden-
höhe erreichen, allseitig verbinden, wäh-
rend die Anßenpfeiler noch einmal in

Boden viel stärker verspürt melden und größeren
Schaden anrichten, als auf hartem, felsigem Boden.
Die britischen Ingenieure, die in Indien und
Japan feste Bauten auszuführen hatten, waren
der Ansicht, daß der weiche Boden z. B. der Stadt
Kalkutta wie ein elastisches Kissen wirke, die Stöße
ausfange und so ein Schutz für die Gebäude sei.
Diese Auffassung hat sich im Osten bei auftreten-
den Erdbeben als sehr verhängnisvoll erwiesen.
Bei dem großen Erdbeben von San Franzisko,
wie bei dem schwäbischen Erdbeben hat man die-
selbe Erfahrung gemacht; die in unmittelbarer
Nähe von Lautlingen auf der Albhochsläche ge-

halber Fensterhöhe durch eine um den
ganzen Bau laufende Zwischengnrt zu-
sammengeschweißt werden. In dieser
Phase des Baues steht die Kirche da als
ein allseitig verblindenes Gerippe. Das
zweite Stadium der Bauausführung be-
steht in der Füllung der Anßenpfeiler
und -binder. Für die Außenwände wur-
den große Eisenbetonhohlsteine in einer Dicke
von 40—50 cm verwendet; die in den
Steinen besindliche Luftschicht soll eine gute
Durchlüftung und Austrocknung der Nlnnern
ermöglichen; als schlechter Wärmeleiter
soll diese Luftschicht die Ausgleichung
des Wärmennterschieds zwischen Jnnen-
nnd Außentemperatur her-
beiführen und das Schwitzen
der Wände verhindern. Die
Füllungen der Decken wur-
den in Stampfbeton mit
einer Stärke von 12—16 cm
unter Verwendung eines
Netzes von kräftigen allsei-
tigen Eisenarmierungen ans-
geführt; an der Innenseite
wurden in gleichmäßiger
Verteilung kleine quad-
ratische Kassetten ausgespart.
Die schweren Deckenbinder
tragen die Dachkonstrnktion;
das mächtige einfache Dach
ist fast nicht überschnitten;
eingedeckt ist es mit Biber-
schwänzen.

Dem A u ß e n b a u eignet
eine schlichte, unaufdringliche
Einfachheit, eine ruhige
wohlansgernndeteSilhonette,
eine breit sich anfbanende,
in bescheidener Höhe gehaltene Verteilung
der Banmassen, gute Proportionierung und
Gliederung, dazu Sparsamkeit in Verwen-
dung der ornamentalen Ausdrncksmittel, zu
der die bescheidene und knapp bemessene
Bansumme von selber zwang. Gattz klar
spricht sich in diesem Kirchenban der

legenen Ortschaften, deren geologischer Untergrund
aus harten mächtigen Kalkbänken besteht, haben
die Wirkung des Erdbebens kaum halb so stark
empfunden, als die im Tal auf weichen Schichten
gebauten Ortschaften wie Lautlingen, Margret-
hausen, Ebingen; ihre Häuser wurden auch nicht
so sehr beschädigt, wie in den genannten Ort-
schaften, ivo der Gebäudeschaden ganz beträchtlich
war und in die Hunderttausende ging.

Relief von Morinck.
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