Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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so rasch innerlich tot geworden sind, weil
sie nie recht gelebt haben. Grundsätzlich
wurden alle Ausstattungsstücke ans sog.
kirchlichen Geschäften ausgeschlossen; was
die Gegenwart in solider Qualitätsaus-
stattung nicht leisten kann, sollen künftige
Geschlechter auf sich nehmen *). Die Innen-
ausstattung wurde von den Architekten
Laur und Schlösser etüworfen und
überwacht; dadurch war die künstlerische
Qualität bei aller Schlichtheit garantiert.
Die Ausstattung mit Stoffen, Paramenten,
Antependien usw. führte Fräulein Eli-
sabeth R e i s ch l e in Tübingen aus;
einzelne Ausstattungsstücke wurden nach
ihren Entwürfen von den Fabrikarbeite-
rinnen der Genieinde ansgearbeitet. Durch
dieses Zusammenarbeiten ist eine wohl-
tuende künstlerische Einheitlichkeit in der
Innenausstattung gewahrt worden.

In der f a r b i g e n B e h a n d l u n g der
Kirche ist die äußerste Beschränkung ge-
übt worden. Ans eilten speziellen Wunsch
der Pfarrgemeinde ist das Kirchenschiff
ans einen ganz lichten Ton, ans ver-
schiedene Nüancen von Weiß und Gran-
grün gestimmt worden, während die ver-
goldeten Kapitäle, die Metallteile der
Beleuchtungskörper und das Kirchengestühl
in seinem warmen tiefen Braun den
kräftigen Kontrast dazu bilden. Dazwischen
sind bunte Farbslecken hineingestrent durch
die alten Kreuzwegstationen (aus dem
18. Jahrhundert), die alten gefaßten
Skulpturen und die anbetenden Engel am
Chorbogen. Die Bemalung des Chor-
bogens wird in Freskotechnik von dem
Kunstmaler Anton Baur in München
(geb. von Mettenberg, OA. Biberach) ans-
geführt, wie auch die Angabe und Ueber-
wachnng der farbigen Bemalung der Kirche
in seinen Händen lag. Dagegen ist der Chor
für eine ausgesprochen farbige Wirkung mit
kräftigen tiefen Tönen unter möglichstem
Verzicht auf Ornamente berechnet, wovon
sich Altar, Kommunionbank und Kanzel
als lichtere Partien abheben sollen.

Besonderer Wert ist auf gute Akustik,

J) Vergleiche dazu die trefflichen Ausführungen
eines alten Dekans in der Januarnuimner der
Zeitschrift „Das Heilige Feuer", I (1914) 257 f.,
der von einer Sündslut des Schundes spricht, die
in den letzten Jahrzehnten über den Kirchenbau
und das Kirchengerät gekommen sei!

Beleuchtung lt n b Heizung, Trok-
kenlegung und Durchlüftung der
Kirche gelegt worden. Eine D n r ch s e u ch -
tung der Kirchenmauern ist von Anfang
an ferngehalten durch umfassende Sicke-
rnngsanlagen, durch Isolierschichten und
Lufträume innerhalb der Mauern. Für
die Lüftung sind außer den Fenster-
öffnungen Lnftschächte an der Decke an-
gebracht, die von der Sakristei aus regulier-
bar sind und sich seither gut bewährt haben;
außerdem ist ein elektrischer Ventilator
für die Entfernung schlechter verdorbener
Luft vorgesehen. Die Erwärmung der
Kirche geschieht nach dem Zirknlations-
heizverfahren (System Perret). Der ge-
räumige Ofen ist unter der Sakristei in
einem großen, hohen Heizraunt unterge-
bracht; daneben ist ein geräumiger Koh-
lenranm und ein Geräteraum. In den
Ofen ist eilt Behälter eingebaut zur Warm-
wasserbereitnng; ohne weitere Kosten ist
so durch beit ganzen Winter hindurch das
erforderliche warme Wasser zur Reinigung
der Kirche vorhanden. (Schluß folgt.)

Die Entwicklung der Abendmahls-
darstellung.

Von Dr. Max Scher m a n n.

(Fortsetzung.)

2. Das Abendmahl in der nor-
dischen Kunst.

Nicht die frühmittelalterliche nordische
Kunst soll hier nachAbendmahlsdarstellnngen
durchsucht werden. Ihre Erzeugnisse ste-
hen in ihrem Wesen der byzantinischen
Kunst sehr nahe: auch sie dient vor allem
der pädagogischen Tätigkeit der Kirche.
Dabei finden sich mit Vorliebe deutsche,
richtiger gernranische Züge. Doch unter-
scheidet sich die nordische Handschriften-
malerei in ihren ganz verschiedenen Be-
dingungen natürlich auch in vielen Stücken
von den byzantimschen Mosaikdatstellungen.
Beide bildeten aber die Ausgangspunkte
für die Entwicklung der freien Kunst.

Sicherlich die bedeutendste Abendmahls-
darstellung größeren Stils ans dem 15.
Jahrhundert ist das Bild von Dirk
Bouts für die Peterskirche in Löwen
als Mittelstück eines Sakramentsaltars.

, In einem gotischen Raume mit Spitzbogen-
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