Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 52
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eines vollständigen Materials handelt, lo
soll hier abgebrochen sein, ohne der Werke
der Nazarener, die zu manchen Teilen von
alten Erinnerungen erfüllt waren, oder der
zeitgenössischen Malerei zu gedenken. Die
Darstellung des Abendmahlsgegenstandes
ist damit zwischen zwei Aeußersten ver-
folgt worden: es führte der Weg von der
dekorativen, lehrhaften griechisch-byzanti-
nischen Mosaikkunst bis zu dem Hinüber-
leiten in die malerisch-realistische Profan-
mcifetrei Rembrandts. Auf diesem Wege
liegen die klaren, großen Linien, nach
denen auch die späteren Werke zu beur-
teilen sind.

Literatur.

M e i st er st ü cke im Mu seum v a t er l än-
discher Altertümer zu Stockholm
nbgebildet null beschrieben von Oskar
Montelius. Heft 2 (mit Tafel 11—20).
Verlag des Verfassers. Stockholm 1913.
Preis 10 M.

Die höchst wertvollen kirchlichen Altertümer,
die das „Museum vaterländischer Altertümer"
zu Stockholm aufbewahrt, sollen in der vor-
liegenden Publikation wenigstens in ihren Meister-
stücken zur Abbildung und archäologischen Be-
handlung kommen und so der kunstgeschichtlichen
Betrachtung zugänglich werden. Text und Tafeln
dienen diesem Zwecke.

Zweifellos zu den interessantesten der in
diesem Heft enthaltenen Werke gehört das ro-
manische Antemensale und Kruzifix (Tafel 11—13).
lieber dasselbe handelt auch B. Salius,
Altarprydnaden fran ßroddetorps Kyrka im
achten Band der »Svenska Fornminnesföre-
ningens tidskrift« (Stockholm 1891—1893)
S. 34.

Der Verfasser sieht darin eine Arbeit des
12. Jahrhunderts, die er vermutungsweise in
Verbindung mit Bischof Bengt in Stara bringt
(zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts) und als
eine im wesentlichen einheimisch-nordische, wenn
auch unter starken ausländischen Einflüssen ste-
hende Arbeit betrachtet.

Hinsichtlich der Emailplatten in der Mitra
des Bischofs Kettil von Linköxing möchte ich im
Gegensatz zum Verfasser auf byzantinischen Ur-
sprung erkennen. Gerade das p im Namen
Petrus zeigt, daß wir es hier mit einem grie-
chisch schreibenden Künstler zu tun haben, der
nur auf ausdrückliche Bestellung die Namen
lateinisch schrieb und dabei (per lapsrrrn
calami) einen Buchstaben griechych schrieb, wie
es ihm sonst geläufig war. Bei einem lateinisch
schreibenden Künstler wäre es nicht zu erklären,
wie er aus einmal zu einem griechischen p im
Namen „Petrus" kommen sollte. Auch das lg
%g bei der Figur Christi beweist das.

Zu Tafel 17 (S. 23-24) sei bemerkt, daß
es sich hier um eine radförmige Schließe für
ein Pluviale handelt, die bei besonders feier-
lichen bischöflichen Funktionen angesteckt wurde.

Zu Tafel 18 (S. 25) wäre »capite plexus.«
richtiger zu übersetzen mit: „geköpft" oder „mit
abgeschlagenem Haupte".

Die Bilder sind gut und vermitteln eine deut-
liche und für wissenschaftliche Forschungszwecke
genügende Vorstellung dieser kostbaren Schätze.

Einige sprachliche Unebenheiten verraten den
Nichtdeutschen. S. 18 Zeile 1 und 2 haben sich
die Worte „kniet" und „Bild" verschoben.

Auf die weiteren Folgen der beachtenswerten
Publikation darf man gespannt sein. (Heft 1 ist
uns nicht zugegangen.)

Tübingen. Prof. Or. L u d w i g B a u r.

Willy Pastor, Aus germanischer Vorzeit.
Kulturgeschichtliche Bilder usw. 2. Ausl.
Wittenberg. A. Ziemsen 1913. Gebunden
M. 6.—

Der wissenschaftliche Standpunkt des Buches
in den grundlegenden Fragen der Welt- und
Menschheitsgeschichte ist nicht derjenige der Leser
unserer Zeitschrift. Dies hindert nicht, anzuer-
kennen, baß über die reichen Probleme der nor-
dischen Kulturgeschichte eine Summe von wissens-
werten Beobachtungen — soweit sie sich losge-
löst von der Grundtendenz betrachten lassen/ zu
der sie nicht immer mit der nötigen Unbefangen-
heit in Beziehung gesetzt werden — in dem Buch
enthalten sind. So sind die Aufschlüsse über die
alten Steindenkmale der Dolmen, die Abschnitte
über die Urgeschichte der bildenden Kunst, die
Stellungnahme zu dem Bildzauberglauben usw.
immerhin interessant, wenn wir uns auch nicht
entschließen können, in allweg dem Standpunkt
des Verfassers beizutreten. Dagegen scheint eben
der Grundplan des Buches, an die Stelle des
»ex Oriente lux« — ebenfalls bildlich gespro-
chen — die kulturbildende Wirkung der nörd-
lichen Mitternachtsonne zu setzen, noch lange nicht
so stark begründet, daß wir ernsten Forschern wie
Strzygowski und vielen anderen zu enlsagen ver-
möchten. Daran ändert auch der selbstbewußte
Ton der persönlichen Ueberzeugung nichts, mit
dein der Verfasser die schwachen Stellen seiner
Konstruktion zu verstärken sucht. Geschmacks-
irrungen, wie der Sensationstitel „Ein Christen-
tum vor Christus", wobei unter Umgehung der
eigentlicheir Grundfragen Vergleichsversuche in
nebensächlichen Dingen angestellt werden, ver-
mögen zudem das Vertrauen auf die wissen-
schaftliche Treue nicht zu vermehren.

R i e d l i n g e n. M a x S ch e r m a n n.

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