Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

Seite: 55
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Henne. In dieser Verbindung von
Gottesacker und Ki r ch elagen tiefe
religiöse und religiös stimmende Momente,
die an sich schon der ästhetischen Beziehung
zugute kommen, und letztere war nicht >
gering: infolge dieser Anlehnung an die
Kirche, die durch die Ummauerung des
Kirchhofs noch wirksam gesteigert erschien,
wirkten die Gräber nie selbständig, sondern
traten in Ranmbeziehungen zu der als
Rückwand dienenden Architektur und ord-
neten sich von selbst ihr unter. I. P r ö b st l e
macht im Pionier III (1911) 34 f. den
sehr beachtenswerten Vorschlag, zur alten
Sitte einfach wieder zurückzukehren und
auf unseren Dörfern wieder Kirche und
Kirchhof zusannnenzunehmen. „Die ge-
eignetste Stätte für den Friedhof ist das
die Kirche umgebende Terrain ans dog-
m a 1 i s ch e n Gründen, weil dadurch die
communio sanctorum ausgedrückt ist;
aus liturgischen: weil der Ritus des
Grabbesuches bei den Seelengottesdiensten
jedesmal geübt werden kann; aus Gründen
der Pietät: sofern die Ueberlebenden
öfter am Grabe beten können; aus äst h e-
tischen Gründen: eine alte, int be-
liebigen Stil erbaute, mit der ganzen
Umgebung verwachsene Dorfkirche, um-
geben von einer mit Hohlziegeln gedeckten
und weiß verputzten Friedhofmauer, nimmt
sich in der Ansicht des Dorfes ähnlich
nralerisch aus wie unsere mittelalterlichen
Städte mit ihren Mauern und Wehr-
türmen. Friedhof und Kirche stehen in
ähnlicher Wechselwirkung wie Rahmen
und Bild . . ; ans praktischen Gründen,
sofern die Gräber, der Schnrnck und
die Grabsteine besser instand gehalten
werden." . . . Daraus zieht Pröbstle die
praktische Schlußfolgerung: „Bei Neu-
bauten von D o r f k i r ch e n ist gleich-
falls der Tradition zu folgen,
damit die Gemeinschaft der streitenden.

Wahrend die Begräbnisstätten bei den Juden
und Römern außerhalb der menschlichen Wohn-
stätten lagen, haben die Christen seit der Kata-
kombenzeit die enge Verbindung von Kult- und
Begräbnisstätten aufrecht erhalten. — Eine Reihe
von Synoden schon aus dem 6. und 7. Jahr-
hundert, die das allgemeine Begräbnis innerhalb
der Kirche untersagten, wiesen oen ©laubigen
die Beerdigungspläze im Umkreis, auf der Area
der Kirche an. Vgl. I. B. S ä g m ü 11 e r, Kirchen-
recht ^ II, 67 nebst Den Nachweisen.

leidenden und triumphierenden Kirche sicht-
baren Ansdruck findet, und der Fried-
hof um die Kirche Hernm anzn-
legen, wenn nicht wie in größeren
Dörfern wichtige sanitäre Bedenken da-
gegen sprechen." (Fortsetzung folgt.)

Lin Museumsgang in London.

Von Prof. Dr. Rohr, Straßburg.

Ein Ausflug zu John Bull verspricht
zunächst wenig oder keinen Kniistgennß.
Schon obige Benennung unseres blonden
Vetters über dem Kanal weckt prosaische
Vorstellungen. Die Ladies und Gentlemen,
die Albion jedjährlich zu uns herüber-
sendet, sehen auch nicht darnach aus, die-
selben zu verscheucheu, und sie verstärken
sich noch, wenn man bei der Landung
in Dover die Strandkanonen so lang-
halsig über die Molen herrüberragen
sieht, als wäre der „lange Tom" der
Buren hieher verpflanzt worden, oder
wenn man auf der Fahrt stromaufwärts
die Dampfer, Lastschiffe, Magazine, Schisfs-
werfte usw. zählt, die den Ruhm des eng-
lischen Handels verkünden oder seine
Reichtümer aufstapeln und weitergeben
und die Nähe der größten Handelsstadt
der Welt audenten. Aber schon der erste
Anblick der Beherrscherin der Meere mit
der Kuppel der Paulskathedrale, den
malerischen Brücken, der anmutigen Sil-
houette des Parlaments, den himmel-
anstrebenden Türmen und den frisch
grünenden Baumgruppen weckt andere
Vorstellungen, und der Geschmack, mit
dem nicht 'nur die Niesenhotels, sondern
selbst die schlichten Mansionhonses ein-
gerichtet sind, verstärkt sie und legt die
Erwartung nahe, im Lande, das uns
mit Shakespeare und seinen Genossen so
reiche literarische Anregung gegeben, auch
mannigfache Eindrücke ans dem Gebiete
der Kunst i. e. S. zu bekommen. Die
Erwartung trügt nicht. Und obgleich
das englische Privathans und namentlich
das Landhaus viel Köstliches bergen und
nur dem Hausfreund erschließen, jo bieten
doch auch die öffentlichen Sammlungen,
insbesondere das Britische, das Sonlh-
Kensingtonmuseum, die National- und
die Taie-Galerie noch fast zuviel, um es
während eines nur nach Tagen oder
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