Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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die Schulkinder, vor sich hat, und die
letzteren zur Aufmerksamkeit gezwungen
sind. Die Akustik ist nicht zuletzt we-
gen der guten Proportionen, der Unter-
brechung der Wandslächen durch Wand-
pilaster und zurückgesetzte Fenster und der
reichlicheil Verwendung von Wand- und
Deckenstukkaturen ausgezeichnet zu nennen.
Für die Beleuchtung ist elektrisches
Licht verivendet worden. Die Lichtleitung
ist in eine größere Anzahl von Strom-
kreisen zerlegt, danlit bei eventueller Stö-
rung der Leitung eines Stromkreises die
übrigen weiterfilnktionieren können. Die
Leitung ist in den Dachraum verlegt nnb
verzweigt sich von da iu die einzelnen
Beleuchtungskörper; dadurch ist es er-
möglicht, jederzeit ohne besondere Vor-
kehrungen die Leitung Nachsehen zu
können. Die Umjchaltung ist in der
Sakristei zentralisiert; nach Beendignllg
des Gottesdienstes wird der Strom für die
ganze Kirche ausgeschaltet, so daß eine
Brandgefahr durch Kurzschluß ausge-
schlossen ist. Als Beleuchtungskörper sind
Sunlampeu gewählt; als eine halbiu-
direkte Lichtquelle bringen sie iu der Kirche
eine milde, gleichmäßige Beleuchtung her-
vor mit weichen Schatten und ohne die
grelle Härle der sonstigen Beleuchtungs-
körper.

An Nebenräumen ftnb an das Schiff
angebaut eine zweckmäßige Beicht-
kapelle auf der Westseite der Kirche,
eine kleine Taufkapelle, wozu der
weite Eingang des alten Turmes mitver-
wendet wurde, eine Loge für die gräf-
liche Herrschaft über der Sakristei, eine
Sakristei itnb ein Paramentenraum. Die
Sakristei ist sehr geräumig, gegen Süd-
osten gelegen, von vier großen Fenstern
beleuchtet. Die Einteilung ist äußerst
zweckmäßig. Große, tiefe Wandküsten sind
eingebaut für die liuneneti Gewänder des
Pl iesters, für die Ministrautenkleider und
für Leuchter. Ein langer Ankleidetisch
hat zahlreiche Schubladen für die geord-
nete Unterbringung der Paramente und
des Weißzeugs. Die wertvolleren Para-
niente werden in staubsicheren Schubladen
liegend aufbewahrt, während die Werk-
tagsgewänder in einem eigenen tiefen
Schrank aufgehällgt werden. Zu einem
Wandbrunnen wurde ein großer, beim

Abbruch der alten Kirche gefundener, or-
namentierter und bemalter Tuffquader aus
der romanischen Zeit verwendet.

Um die Kirche zieht sich der ummauerte
hochgelegene Friedhof; er wurde um
den Platz der alten Kirche vergrößert;
auf der Nordseite wurde ein eigener ter-
rassenförmig aufgebauter Kiuderfriedhof
angelegt. Der ummauerte Friedhof gibt
mit bem Kirchenneubau und der Fried-
hofkapelle, einem kleinen feinen Rundbau,
eine reizvolle malerische abwechslungs-
reiche Bauanlage, die mit der Umgebung
und der Landschaft zu einem geschlossenen
Ganzen restlos verwachsen erscheint.

Die A b m e s s u n g e n sind nachstehende:

Aeußere Länge. 39,00 m

„ Breite.18,70 .,

„ Höhe (bis Dachgesims) 8,10 ,

„ „ (bis Dachfirst) 15,00 „

Innere Länge des Schiffs . 26,00 „

„ „ des Chors . lO00 „

„ Breite des Mittelschiffs 10,90 „
„ „ der Nebenschiffe 3,30 „

„ „ des Chors . . 8,00 „

„ Höhe des Mittelschiffs. 10.00 „
„ „ der Nebenschiffe. 6,50 „

Mauerdicke .... 0,38—0,51 „

Mittelgang, Breite .... 2,00 „

Seiteugänge „ .... 1,40 „

Sitzplätze sind es im Schiff rund 600,
auf den Emporen ca. 10O, neben einer
reichlich bemessenen Zahl von Stehplätzen,
so daß die Kirche für absehbare Zeit der
Gemeinde genügen wird. Sollte die
Kirche in späteren Zeiten nicht mehr aus-
reichen, können mit geringen: Aufwand
über den Nebeuschiffen Eiilporen einge-
baut werden, so daß der Fassuugsraunr
der Kirche auf 1000 Sitzplätze gebracht
werden kann, ohne sie äußerlich erweitern
zu müssen.

Die Baukosten belaufen sich mit
Innenausstattung, jedoch ohne Grunder-
werbung und ohne Hochaltar auf rund
120 000 Mk. In Anbetracht der schwie-
rigen kostspieligen Fundamentierung und
der Bauausführung als komplizierte
Verbundkonstruktiou iu Eisenbeton, wie
der Größe des Bauwerks sind die Bau-
kosten als niäßige anzusehen.

Die Aufstellung der Baupläne und
die Bauleitung lag in den Händeit
der Architekten Konservator Laur in
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