Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 32.1914

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ber Friebhofsti in m u n g gestellt iver-
ben; enblich: bas Gesamtbilb unb bie
Schönheit eines Friebhoss müssen mit ben
Mitteln bes Friebhoss selbst durch ent-
fprechenbe Anorbnung bei Gräber unb
ihrer Umgebung unb burch bie Grab-
male, nicht aber burch frembe, mit der
Jbee bes Friedhofs Glicht in Einklang
gehenbe, mehr äußerliche Effekte geschaffen
werben, wie es beispielsweise Resarien,
Teiche unb Brücken sinb.

c) Solche Niesenanlagen wie Wnlb-
sr leb Höfe können nun aber für unsere
mittleren unb kleineren Stäbte
und D örser nicht in Fra g e ko uimen.
Sie haben ben Platz nicht bazn unb auch
nicht bie Mittel, nur solche Riesenanlagen
zu beschaffen. Auch verlangen sie eine
sachgemäße Pflege und ein zahlreiches
Personal, bas hier nicht zur Verfügung
steht. — Gleichwohl kann auch für sie
die Forderung einer landschaftlichen Frieb-
hosgestaltung erhoben werben: nur eben
in einem andern Sinn. Vor allem wird
man sich daran gewöhnen müssen, auch
in mittleren und kleineren Städten und
Dörfern etwas größeres Areal für die
Gottesäcker vorzusehen. Hier wird im
allgemeinen auch die regelmäßige Anlage
die Regel bleiben müssen. Doch läßt auch
die regelmäßige Anlage sich durch ent-
sprechende Bepflanzung landschaftlich ge-
stalten. „Alan weiche nur von der alten
Gepflogenheit ab, die Flächen lediglich
zur Aufnahme von Gräbern dienen zu
lassen. Man streut verschwenderisch Ge-
hölzmassen über das Ganze aus und um-
gibt und umhüllt das Ganze und seine
Teile mit verschwenderischem Grün. Man
fügt, wo angängig, zur Ueberwindung der
Höhenunterschiede Terrassen ein, schafft
Parterres mit farbenprächtigem Blumen-
schmuck, legt regelmäßige Ruheplätze an
mit Brunnen und Kapellen, bringt Rasen-
und Pflanzstreifen oder Hecken seitlich von
den Wegen an und verwehrt so den Ein-
blick auf die Gräberfelder, man schafft
stille abgeschlossene Plätze und Nischen .." 1).
Mau wird bie absolut starre Regel-
mäßigkeit der Anlage durch abwechslungs-
reiche Führung der Wege aufgeben dürfen.
Freilich ist zu erwägen, daß krumme Wege

1) Pietzner, a. a. O. 14.

noch lange keinen landschaftlichen Fried-
hof machen. Die Krümmung der Wege
muß im Terrain oder der Bepflanzung
wohl begründet sein. Auch sollen es nicht
zu viele Wege werden, weil sonst das
Terrain zu sehr zerschnitten wird. — Auch
der kleinere Friedhof kann durch angemes-
senen Wechsel von Baumgrnppen (Linde,
Tannen, Kiefern, Silberahorn, Silber-
j linde, Noteiche, Btutbnche, Ulme, Trauer-
weide, Thnija, Zypressen n. bergt.) und Ge-
büsch (Holunder, Flieder, Jasmin, Gold-
regen, Wacholder), mit Rabatten, Rasen,
Blumenpflanznngen zu einem gefälligen
Ganzen gestaltet werden).

Auch ans besonders ausgestaltete Einzel-
gräber, oder auf Aussparung besonderer
Plätze für Gruppengräber — vielleicht
mit einem gemeinsamen, aber auch künst-
lerisch wirklich bedeutenden Grabmal —
wird man klugerweise Bedacht nehmen.
Auf unfern Dorf- und Stadtfriedhösen
werden sich Reihengräber nicht vermeiden
lassen 2). Doch läßt sich ihre Monotonie
vermeiden, wenn sie nicht absolut nach
der Schnur gelegt werden, wenn sie an-
gemessen wechseln mit Gruppengräbern und

1) E. Högg, sagt treffend a. a. O. S. 97:
„Für meinen Geschmack muß im deutschen Fried-
hof das Grün, der Baum die Hauptrolle
spielen. Die altgermanische Liebe zum Walde
steckt uns doch glücklicherweise noch so sehr im Blute,
daß wir uns den Friedhof am schönsten al-;
Totenhain denken können. Ob städtischer
Friedhof, ob Dorfkirchhof, das Grün ist
unv bleibt der Zauberer, der Stimmung schafft,
der dem Grabmal seinen Nahmen gibt: Lebens-
bäume und Wacholder, Efeu und wilde Rosen,
und dahinter aufragend die buschigen Kronen
der Eichen, der Buchen, aufgelichtet durch die
weißen Stämme der hellgrün rieselnden Birken."

") Der Begriff der „Reihengräber" be-
zeichnet eine doppelte Form. Die ältere Form
ist die, daß Reihengräber gleich Gräberreihen ge-
nommen wird, bei denen die Leichname sämtlich
in derselben Richtung, d. h. mit derselben Kopf-
lage bestattet werden. — Neuerdings versteht
man unter Reihengräber solche Doppelreihen,
bei welchen die Gräber in je zwei mit dein Kopf-
ende aneinanderstoßenden (immerhin um einen
Zwischenraum von zirka 30 bis 40 Zentimeter
getrennten) Gräberreihen angeordnet sind, wobei
aber der Abstand zwischen den (anstoßenden)
Kopfenden mit einer dichten Reihe von Busch-
werk und Bäumen (also mit grünen Trennungs-
wänden) bepflanzt werden kann. So entstehen
schmale, hübsche Laubengänge, an denen sich zu
beiden Seiten die Gräberreihen hinziehen und
von denen die Grabmüler sich hübsch abheben.
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